BODENSEE-STONEHENGE

Rätselhafte Steinhügel im Bodensee: Archäologen gehen tauchen

Der Kanton plant einen neuen Anlauf, um das Geheimnis der Steinhügel im Bodensee zu lüften. Bohrungen sollen aufschlüsseln, ob die Hügel natürlich oder durch Menschenhand entstanden sind.
06.02.2018 | 07:22
Silvan Meile

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Der Stein der Weisen ist noch nicht gefunden. Mit Bohrungen auf dem Grund des Bodensees will ihm das Thurgauer Amt für Archäologie zumindest näher kommen. Denn obwohl schon einige Abklärungen gemacht wurden, geben die Steinhügel im Bodensee weiterhin Rätsel auf. Niemand weiss, weshalb sich auf dem Seegrund in regelmässigen Abständen mehr als hundert Steinhügel zwei Meter hoch auftürmen. Wie Perlen an einer Kette bilden sie auf fast 20 Kilometern vor dem Ufer von Bottighofen bis Romanshorn eine Einheit. Aufgrund ihrer regelmässigen Anordnung fasziniert die Frage nach ihrer Entstehung. Auch die Tatsache, dass die Gesteinsbrocken dieser Hügel alle ähnlich gross sind, als wären sie handverlesen, weckt die menschliche Neugierde. Hansjörg Brem, Thurgauer Kantonsarchäologe, wird immer wieder auf die Hügel angesprochen. Nun sollen Bohrungen auf dem Seegrund eine Frage beantworten: Sind sie das Werk von Menschen oder hinterliess diese Steinhaufen etwa der Rheingletscher zum Ende der Eiszeit?
 

Zuerst ist eine Tauchkampagne geplant

«Wir möchten untersuchen, auf was die Hügel genau liegen», sagt Brem. Dabei geht es um die Frage, ob die Steine auf der meterdicken Schicht von Sediment liegen, die sich in den vergangenen tausendenden von Jahren auf dem Seegrund abgelagert hat. Das würde darauf hindeuten, dass Menschen für die Entstehung der Steinhügel verantwortlich sind. Falls sich die Steine aber vom felsigen Untergrund unter dem Sediment her auftürmen, dürften sie natürlich entstanden sein. Der sichtbare Teil der Hügel würde dann wie die Spitze eines Eisbergs aus den Ablagerungen ragen. Es müsste davon ausgegangen werden, dass sie beim Rückzug der Gletscher am Ende der letzten Eiszeit entstanden sind. «Dieser Ansicht sind einige Geologen, wie Rückmeldungen gezeigt haben», sagt Brem.

Nun ist zuerst eine Tauchkampagne geplant. Wann die Bohrungen auf dem Seegrund starten, kann Brem noch nicht sagen. Ein entsprechender Auftrag müsse erst noch ausgeschrieben werden. Mit solchen Bohrungen verspricht er sich auch neue Erkenntnisse zum Schichtaufbau des Seegrunds. Darüber sei noch sehr wenig bekannt, sagt Brem. Sein Amt kann sich die Untersuchung leisten. Erst kürzlich ist es durch das Erbe von Walter Enggist mit mehr als drei Millionen Franken begünstigt worden.
 

Vermessungen brachten Hügel ans Tageslicht

Im Jahr 2015 entdeckten Geologen des deutschen Instituts für Seenforschung in Langenargen die Hügel. Neuste Vermessungsinstrumente brachten die Ausbuchtungen vor dem Schweizer Seeufer in der Tiefe von fünf Metern zu Tage. Seither rätseln verschiedene Fachleute über deren Entstehung. Das Alter von einigen Holzfragmenten, die in den Hügeln gefunden wurden, konnten Forscher der Zürcher ETH der Zeit der Pfahlbauer zuordnen. Ob diese aber tatsächlich etwas mit der Entstehung dieser Steinhügel zu tun hatten, blieb ungewiss.

Der Berner Zoologe, Botaniker und Gletscherforscher Gerhart Wagner glaubt hingegen zu wissen, wie die Hügel entstanden sind. «Für mich besteht kein Zweifel», sagte er vor einem Jahr in dieser Zeitung. «Das sind Moränenhügel.» Wie auf Förderbändern hätten die Rheingletscher der letzten Eiszeit auf Moränensträngen Gesteinsmaterial mitgeschoben. Als sich die Gletscher vor rund 15'000 Jahren zurückzogen, geschah dies mit Stillständen. Die Fliessbewegung des Gletschers, der Gestein vorwärts schob, blieb jedoch. Dadurch sei es bei jedem Stillstand des Schmelzprozesses am Gletscherende zu einer Aufschüttung von Steinen gekommen.

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