FRAUENFELD

Der Holzbau im Galgenholz

Der Ersatzneubau des Kompetenzgebäudes im Galgenholz ist fertiggestellt. Das Gebäude dient dem Bevölkerungsschutz des Kantons Thurgau als Ausbildungszentrum. Der Baukredit von 5,2 Millionen Franken konnte eingehalten werden.
11.09.2017 | 18:37
Sebastian Keller
Es blendet fast etwas. Auf jeden Fall sticht die Fichtenholz-Fassade des neuen Kompetenzgebäudes hervor. Nach rund einjähriger Bauzeit wurde es fertiggestellt. Zivilschützer, erkennbar an ihren Uniformen, steigen die Treppe hinunter, biegen links in die Kantine ab. Dort wenden sie sich dem Pausenkaffee zu. «Sie absolvieren ihren zweiwöchigen Grundkurs», sagt Daniel Engeli, stellvertretender Leiter des Amtes für Bevölkerungsschutz und Armee. Sein Amt ist Hausherr hier im Galgenholz.

Bildergalerie: Kompetenzgebäude Galgenholz

Nach knapp einjähriger Bauzeit ist das Kompetenzgebäude Galgenholz in Frauenfeld fertig gebaut. Der Ersatzneubau aus Schweizer Holz dient dem Bevölkerungsschutz des Kantons Thurgau als Ausbildungszentrum. Darin untergebracht sind unter anderem die Räumlichkeiten des kantonalen Führungsstabes, diverse Schulungsräume sowie ein Konferenzraum.



Das Gebäude besteht aus zwei Ebenen. Im Erdgeschoss findet sich neben der Kantine die Toiletten und die Garderoben – die grösste für Männer, zwei kleinere für Frauen und Personal. Gelb gestrichen sind die Wände der Garderoben. Farben begegnen dem Besucher da und dort. «Wir wollten keine graue Maus, weshalb Farbigkeit auftaucht.» Das sagt Kantonsbaumeister Erol Doguoglu. 

Führungsstab arbeitet hier bei einer Katastrophe

Die Treppe bildet den Mittelpunkt des Gebäudes. Durch sie gelangt man nicht nur in den ersten Stock, auch Tageslicht von den Oblichtern gelangt nach unten. Man wähnt sich in einem Innenhof. Im ersten Stock findet sich ein Mehrzweckraum, der Platz für 150 sitzende Personen bietet. Weiter sind drei Klassenzimmer und die Räume des Kantonalen Führungsstabes (KFS) auf dieser Etage zu finden. «Bei einem Schadensereignis würden die Einsätze von hier organisiert und koordiniert», sagt Sicherheitsdirektorin Cornelia Komposch. Der Raum erinnert mit den drei Bildschirmen, jeder so gross wie ein Kinderbett, und den mobilen Stellwänden an eine Kommandozentrale aus einem Katastrophenfilm aus Hollywood. Daniel Engeli erklärt, dass das Gebäude autark sei. «Wir haben ein Notstromaggregat.» Falle der Strom im Kanton aus, könne hier noch weitergearbeitet werden. Ein Stromausfall wäre denn auch Anlass, dass der KFS zusammen käme.


Als grösste Naturgefahr für den Thurgau, so sagt es Regierungspräsidentin und Baudirektor Carmen Haag, sei Hochwasser, ausgehend von der Thur. «Ein nichtregulierter Wildbach, das geht vielfach vergessen.» So sei es Anfang September, als die Stadt Altstätten mit Hochwasser zu kämpfen hatte, zeitweise auch bei der Thur kritisch gewesen. 

Das Kompetenzgebäude ist aber nicht nur für Katastrophen gebaut, sondern vor allem für die Vorbereitung auf solche. So finden hier neben der Aus- und Weiterbildung von Zivilschützern die Orientierungstage der Armee statt, auch Polizei und Feuerwehren können die Räume nutzen.

Die Anwesenden loben die Zweckmässigkeit, aber auch die Optik.  Erol Doguoglu sagt: «Gute Architektur muss nicht unglaublich spektakulär sein.» Dafür sei das Gebäude ein gelungenes Beispiel. Auch betreffend Kosten gebe es Erfreuliches zu vermelden. «Wir haben praktisch eine Punktlandung geschafft.» Der vom Grossen Rat bewilligte Kredit von 5,2 Millionen Franken wurde nicht überschritten. Carmen Haag streicht das Baumaterial hervor: Schweizer Holz. Der Aufpreis belief sich auf «nur 0,3 Prozent» des gesamten Projektes, also etwa 15'000 Franken. 
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