Der eiserne Eschenzer Gemeinderat

  • Dominik Spycher auf seinem Velo, bereit für den Ironman auf Hawaii.
    Dominik Spycher auf seinem Velo, bereit für den Ironman auf Hawaii. (Bild: Thi My Lien Nguyen)
08.10.2017 | 13:09

TRIATHLON ⋅ Der Eschenzer Dominik Spycher hat sich gestern auf den Weg nach Hawaii gemacht, um an der Ironman-WM teilzunehmen. Für sein Hobby muss er Sport, Beruf und politisches Amt balancieren.

Christian Ruh

Christian Ruh

christian.ruh@thurgauerzeitung.ch

Jubelschreie. Schmerzende Beine. Die Hitze der hawaiianischen Sonne, die auf einen herunterbrennt. So müsse man sich den Zieleinlauf bei der Ironman-Weltmeisterschaft vorstellen, sagt Dominik Spycher. Er nimmt nächsten Samstag, 14. Oktober, bereits zum dritten Mal teil. «Der Zieleinlauf ist eine riesige Genugtuung, man ist sehr stolz», erzählt Spycher über seine vergangenen Ironman-Teilnahmen 2009 und 2014.

Dieses Jahr will er es nochmals wissen. Der 45-Jährige ist heuer in eine neue Alterskategorie gerutscht. «Das war einer der Gründe, warum ich mich 2017 unbedingt für die Weltmeisterschaft auf Hawaii qualifizieren wollte.» Er ist gestern 45 geworden, und obwohl die Kategorie vom Jahrgang und nicht vom genauen Datum ausgeht, «bin ich damit wohl einer der Jüngsten der Kategorie ‹45–49›. Das kann auf jeden Fall ein Vorteil sein». Denn obwohl die Alterskategorien bis «80+» gehen, ist laut Spycher seine aktuelle eher eine der schwindenden Kräfte. «Bei den 40 bis 44 Jahre alten Teilnehmern gibt es noch viele Spitzenzeiten, und die ersten zehn sind noch relativ nahe beieinander.» In seiner neuen Alterskategorie hingegen erreichen vielleicht die beiden Ersten noch sehr gute Zeiten, danach flache es eher ab.

«Der Sport fördert meine Leistung im Job»

Bis zu 15 Stunden Sport in der Woche gehören in den intensiveren Phasen zu Dominik Spychers Trainingsregiment. Dabei ist er kein Profisportler. Er arbeitet als Lehrer und Leiter für berufliche Weiterbildung am Bildungszentrum für Technik in Frauenfeld und hat als Eschenzer Gemeinderat das Ressort Umwelt, Verkehr und Kultur unter sich. «Sport hilft mir sowohl im Job, als auch im Amt als Gemeinderat, um meine maximale Leistung bringen zu können. Zeitlich kann das einen schon vor Probleme stellen.» Für den Sport schon um 5 Uhr aufzustehen und auch in der Mittagspause trainieren zu gehen, ge­hören da laut Dominik Spycher halt einfach dazu.

Diesen intensiven Trainingsplan hat Spycher in den vergangenen Wochen aber eher zurückgeschraubt. «In der Zeitspanne kurz vor dem Ironman sollte man bereits in Topform sein. Da macht es für mich keinen Sinn mehr, beim Training komplett zu übertreiben.» Stattdessen verteilt er kleinere Trainingseinheiten über mehrere Tage, um in optimaler Form zu bleiben, aber um seinen Körper nicht zu überanstrengen. «Man sieht auf Hawaii teilweise Teilnehmer, die am Vortag des Wettbewerbs noch stundenlang auf der Insel herumrennen.» Damit verbessern sie ihre Chancen für den Wettbewerb nicht, wie der Eschenzer Sportler sagt. Im Gegenteil: Sie erhöhen damit das Risiko am Tag des ­Ironman-Wettkampfs erschöpfte Muskeln zu haben.

Jubelschreie für die Letztplatzierten

Auf Hawaii ist es heiss. Die Online-Wetterberichte sprechen oft von im Schnitt 28 Grad. Dominik Spycher meint, er habe aber auch schon 40 Grad am Wettkampftag erlebt. Um sich an das Klima und die Zeitzone gewöhnen zu können, ist er eine Woche vor dem grossen Tag mit seiner Frau nach Hawaii geflogen. «Zum Glück sind gerade Schulferien, das hätte sonst zu Komplikationen führen können.»

Heute in einer Woche hat er die Ironman-WM bereits hinter sich. «In den Tagen vor dem Wettbewerb bin ich mental sehr angespannt. Bei rund zehn Stunden Sport ist sehr vieles ungewiss.» Diese Anspannung verfliegt, sobald er im Ziel angekommen ist. Dort wird jedermann von einer jubelnden Menge empfangen, denn es sei eine ungeschriebene Regel, dass man nach der Komplettierung im Ziel wartet, bis alle Teilnehmer angekommen sind, und man ihnen applaudiert hat. «Nach der intensiven Belastung ist man dann schon ziemlich erschöpft und man merkt es definitiv die nächsten Tage in den Beinen. Zum Glück ist die Weltmeisterschaft das Ende der diesjährigen Ironman-Saison, somit habe ich dann auch erst mal eine Pause.»

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