SPENDENAKTION

Dank «OhO» ein wenig glücklicher

«Ostschweizer helfen Ostschweizern» unterstützt auch Krebspatientin Daniela Kuhn. Die Thurgauerin ist eine Kämpfernatur.
21.12.2017 | 19:40
Desirée Müller

Desirée Müller

Daniela Kuhn-Betschart betritt die Seniorenwohnung ihrer Mutter. Für einmal ist sie nicht nur zu Besuch bei ihr – seit rund einem Jahr ist die kleine Wohnung in Eschlikon das Zuhause der 46-jährigen Thurgauerin. «Unsere Wohngemeinschaft funktioniert sehr gut. Ich bin dankbar, dass ich bei meiner Mutter leben darf. So kann ich die Mietkosten möglichst tief halten», erzählt die gelernte Hairstylistin und lächelt ihre 73-jährige Mutter an. Daniela Kuhn hat immer ein Lächeln im Gesicht. Von ihren Sorgen ist zumindest von aussen nichts zu erkennen. Sie hat eine positive Ausstrahlung. Die letzten zwei Jahre waren jedoch eine schwierige Zeit für sie.

Die Diagnose Brustkrebs kam sehr überraschend. Daniela Kuhn entdeckte einen Knoten in der Brust und suchte daraufhin den Frauenarzt auf. «Die Nachricht traf mich schwer, und anfangs wollte ich den Befund gar nicht wahrhaben.» Bei der Kontrolle im Vorjahr war noch kein Knoten zu erkennen. Er wuchs innerhalb von zwölf Monaten sehr schnell, und der Krebs streute bereits in die Lymphknoten. Bis dahin war sie sehr selten krank. «Ich bin höchstens hin und wieder Mal erkältet.» Ihre Fehltage im Coiffeursalon in den letzten zwanzig Jahren können an einer Hand abgezählt werden. Daniela Kuhn informierte sich über Therapieformen und bekam aus ihrem Umfeld und den Ärzten unterschiedliche Ratschläge. «Ich war überfordert und wusste nicht, welche Behandlung für mich die beste ist.» Eines war jedoch von Beginn an klar. Sie musste schnellstmöglich mit der Chemotherapie beginnen, in der Hoffnung, dass der sechs Zentimeter grosse Knoten in der Brust bis zur Operation schrumpft. «Ich sprach sehr gut auf die Therapie an.»
 

Das Beste draus machen

Als sie erfuhr, dass sie in den nächsten Wochen ihre Haare verlieren werde, rief die Hairstylistin ihre Lehrtöchter an. «Sie durften an einem Sonntag drei Kurzhaarfrisuren an mir ausprobieren», sagt sie und lächelt. Als ihr die Haare zum Schluss abrasiert wurden, musste sie schlucken. «Ein schwerer Schritt.» Daniela Kuhn liess sich im vergangenen Jahr zudem zur Zweithaar-Spezialistin ausbilden. «Mein Ziel ist es, künftig Krebspatientinnen beim Schritt zum Haarersatz zu begleiten und zu beraten. Ich möchte einfach möglichst viel Positives aus meiner Krankheit ziehen und anderen Betroffenen helfen».

Der Krebs breitete sich trotz der Entnahme des Knotens weiter aus. Eine Brustentfernung war unumgänglich. Während einer sechsstündigen Operation wurde die entfernte Brust mit Eigenfett rekonstruiert. Heute haben ihre Brüste jedoch zwei Körbchengrössen Unterschied. «Die gesunde Brust ist grösser als die operierte. Ich fühle mich einfach nicht wohl mit meinem Aussehen», bedauert Daniela Kuhn. Zeitgleich mit ihrer Diagnose wurde bei ihrer Mutter ebenfalls hormonbedingter Brustkrebs festgestellt. «Wir können uns nun gegenseitig unterstützen und wissen, wie sich die andere fühlt», zieht sie wieder einmal das Positive aus der Situation. Da der Krebs bei Daniela Kuhn bereits die Lymphknoten angegriffen hat, wurden diese ebenfalls entfernt. Seither hat sie starke Schmerzen im Arm. Für ihren Beruf ungünstig. Daniela Kuhn fand trotz ihrer Beschwerden zurück in die Arbeitswelt. Sie war vor der Diagnose Geschäftsführerin eines Coiffeursalons, hatte ein geregeltes Einkommen und einen guten Ruf als Hairstylistin. «Nach der Bestrahlung konnte ich wieder einen Tag die Woche arbeiten. Natürlich war ich nicht mehr als Geschäftsleiterin angestellt.» Doch das war ihr egal. «Ich wollte einfach so schnell als möglich wieder arbeiten. Ich liebe meinen Beruf», sagt sie.

Dann folgte der nächste Schicksalsschlag. Der Coiffeursalon ging Konkurs. Doch die Kämpfernatur gab nicht auf. suchte intensiv nach einem neuen Job und wurde fündig. Das Arbeitspensum konnte sie mittlerweile auf 60 Prozent erhöhen. Die Schmerzen sind nach wie vor da. «Ich lasse mir aber nichts anmerken bei den Kunden», ist ihr wichtig. «Ich hoffe immer noch, dass all die Therapien irgendwann eine positive Wirkung zeigen», sagt Daniela Kuhn.
 

In Geldnot geraten

Parallel zur Bestrahlung versuchte Daniela Kuhn verschiedene Alternativtherapien aus. «Eine Therapieeinheit kostete bis zu 900 Franken. Bald wurde mir klar, dass ich mir das nicht leisten kann.» Mit dem Verdienst des Teilpensums kam sie gerade so über die Runden. «Das Geld reichte aber leider nicht, um meine Steuern zu bezahlen.» Um die Schulden abzuzahlen, gab sie ihre Wohnung auf und zog zu ihrer Mutter. Würde Daniela Kuhn 34 Franken weniger verdienen, bekäme sie Sozialbeiträge. «Hätte ich meine Wohnung behalten, würde ich wahrscheinlich vom Sozialamt unterstützt werden». Doch Daniela Kuhn ist es wichtiger, möglichst schnell wieder auf eigenen Beinen zu stehen und unabhängig zu sein.
 

Kleines Budget, keine Extras

Daniela Kuhns Betreuerin bei der Krebsliga Schweiz bewundert den starken Willen der Patientin. Daniela Kuhn dreht jeden Rappen zweimal um und folgt strickt ihrem Budgetplan. «Meine Freundinnen geben mir die Kraft, um weiter zu kämpfen. Sie unterstützen mich mental wie auch im Haushalt. Ich würde sie so gerne einmal zum Essen einladen, um ihnen zu danken.» Doch bisher lag ein Restaurantbesuch nicht im Budget drin.

Die Betreuerin erfuhr von der Aktion «Ostschweizer helfen Ostschweizern» (OhO) und stellte einen Antrag auf einen Unterstützungsbeitrag für Daniela Kuhn. Die Freude bei ihr ist riesengross. Den Betrag möchte sie häppchenweise ausgeben und sich ab und zu etwas Schönes gönnen. Daniela Kuhn träumt zum Beispiel von einem Wellnesstag im nahe gelegenen Fitnesszenter, um Kraft zu tanken. «Ohne OhO wäre das nicht möglich. Dafür bin ich dankbar.»

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