Der letzte Thurgauer Bauer im Bundeshaus

  • Künftig der einzige Thurgauer Landwirt unter der Bundeshauskuppel: Nationalrat Markus Hausammann (SVP).
    Künftig der einzige Thurgauer Landwirt unter der Bundeshauskuppel: Nationalrat Markus Hausammann (SVP). (Bild: Lukas Lehmann/KEY)
06.10.2017 | 09:55

MARKUS HAUSAMMANN ⋅ Hansjörg Walter kehrt Bundesbern den Rücken und macht Unternehmerin Diana Gutjahr Platz. Jetzt ist Nationalrat Markus Hausammann noch der einzige Thurgauer Bauer, der in Bern die Landwirtschaft vertritt.

Christian Kamm

Christian Kamm

christian.kamm@thurgauerzeitung.ch

Am 20. Oktober 1991, einem Sonntag, war die politische Welt der Thurgauer Landwirtschaft noch in Ordnung. Soeben hatte die SVP-Wählerschaft am eidgenössischen Wahlsonntag Paul Rutishauser, Otto Hess und Hans Uhlmann für vier Jahre nach Bern geschickt. Uhlmann in den Ständerat, die anderen als Nationalräte. Das waren noch Zeiten: Die komplette Thurgauer SVP-Gesandtschaft in Bundesbern in Landwirtschaftshand.

Allerdings zum letzten Mal. Denn seither mussten die Bauern in der kantonalen SVP zurückkrebsen. 1995 wurde mit J. Alexander Baumann erstmals ein Unternehmer für die Kantonalpartei in den Nationalrat gewählt. Vier Jahre später holte die SVP zwar einen dritten Sitz in der grossen Kammer. Aber auch der ging mit Peter Spuhler an einen Nicht-Landwirt.

Der Rückzug des langjährigen Nationalrats und Landwirtschaftsvertreters Hansjörg Walter Ende November dieses Jahres verheisst nun die nächste Zäsur: Mit Markus Hausammann zählt die Thurgauer SVP unter ihren vier eidgenössischen Parlamentariern (drei Nationalräte und ein Ständerat) nur noch einen Bauern. Der letzte Mohikaner?

«Das kann schnell wieder ändern»

«Nein, ich mache mir keine Sorgen», kommentiert Markus Hausammann diese Entwicklung. Zumal sich die bürgerlichen Thurgauer Parlamentarier jeweils zusammen für den Kanton einsetzen – «sei das nun für die Landwirtschaft oder einen anderen Wirtschaftsbereich». Die hiesige Landwirtschaft sei schon einmal drei Legislaturen lang nur mit einem Vertreter in Bern präsent gewesen. «Als wir 2011 dann wieder einen zweiten Sitz holten, hat uns niemand gefragt, ob wir nun die Wirtschaft von hinten aufrollen wollen», blickt Hausammann zurück. «Und das sahen wir damals auch nicht so.» Aber es zeige, dass die Situation schnell wieder ändern könne. Die Landwirtschaft jedenfalls steht schon Gewehr bei Fuss: «Es wird unsere Aufgabe sein, mindestens einen zweiten Bauern mit der mittelfristigen Aussicht, gewählt zu werden, auf die SVP-Nationalratsliste zu bringen», kündigt Hausammann an.

Auch Kantonalpräsident Ruedi Zbinden sieht keine Erosion des landwirtschaftlichen Einflusses innerhalb der SVP Thurgau. Sicher: Die Struktur der Wirtschaft im Kanton habe sich verändert, und das mache sich in der Gesellschaft bemerkbar. Doch die Landwirtschaft verfüge nach wie vor über eine starke Vertretung und Wählerschaft in der Partei. «Ausserdem haben sehr viele SVP-Vertreter bäuerliche Wurzeln», betont Zbinden. «SVP und die Bauern, das gehört zusammen. Wir haben ein sehr gutes Einvernehmen.» Hausammann fühlt sich in der SVP nach wie vor wohl. Zwar gebe es auch hier, wie überall, interne Differenzen. Aber die Partei stehe geschlossen und verbindlich zu den Bauern. «Ich wüsste nicht, wo mir wohler sein sollte.»

Tut die Landwirtschaft denn genug für ihren politischen Nachwuchs? Parteipräsident Zbinden zollt den Bauern Respekt: «Ich bin immer wieder beeindruckt, wie viele Leute dort in die Organisationen eingebunden sind.» Da habe es etliche politische Talente dabei. Das findet auch Hausammann. Politisches Engagement sei jedoch kein Selbstläufer mehr. «Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten.» Auch weil die Zeit nicht still steht und den Bauern bereits 2019 ein weiterer Dämpfer droht. Dann nämlich, falls Ständerat Roland Eberle tatsächlich nicht mehr kandidieren und Peter Spuhler in den Ring steigen und gewählt werden sollte. Ein halber Bauer raus (Eberle war früher Bauernsekretär) und ein ganzer Unternehmer rein.

«Es gibt jetzt keine Vakanz im Ständerat», sagt Parteipräsident Zbinden nur. Und schweigt.

Kommentare
Kommentar zu: Der letzte Thurgauer Bauer im Bundeshaus
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geschrieben am 06.10.2017 12:43 | von Fritz Jäger

Und wo ist das Problem? Es gibt immer noch viel zu viele Bauern im Bundeshaus.

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