Biogasanlage Tuttwil: Auch Kleinvieh macht Strom

  • Die Biogasanlage beim Weiler Bommershüsli mit dem Trutenmastbetrieb im Hintergrund.
    Die Biogasanlage beim Weiler Bommershüsli mit dem Trutenmastbetrieb im Hintergrund. (Thi My Lien Nguyen)
03.09.2017 | 19:21

ENERGIE ⋅ In Tuttwil steht eine Biogasanlage vor der Eröffnung, die Hofmist in Energie umwandelt. Die Anlage habe weltweite Ausstrahlung, sagt der Hersteller. Besucher aus China hätten sich schon angekündigt.

Silvan Meile
«Mist», dachte sich Landwirt Kolumban Helfenberger. Viel Mist wird in seinem brandneuen Trutenmaststall in Tuttwil anfallen.  Deshalb hat er auch noch eine Biogasanlage dazu gebaut. «Ich habe das Biogaskonzept des Kantons gelesen und entschieden, den anfallenden Mist in Energie umzuwandeln.» Durch einen Vergärungsprozess wird aus dem Hofmist Biogas gewonnen, dieses dann in Strom umgewandelt. 600 000 Kilowattstunden sollen pro Jahr ins lokale Stromnetz eingespeist werden. Damit könnten 170 Haushalte versorgt werden, sagte Helfenberger am Freitag anlässlich der Vorstellung des Projekts. Ein Bescheid des Bundes bezüglich Kostendeckender Einspeisevergütung (KEV) fehlt ihm aber noch.
 
Um Vollgas geben zu können beziehungsweise die Biogasanlage komplett auszulasten, wird Helfenberger auch auf Hofdünger von anderen Landwirten angewiesen sein. Der Tuttwiler rechnet damit, dass er rund einen Drittel der benötigten Masse aus der Trutenzucht, den Milchkühen und der Rinderaufzucht aus dem eigenen Betrieb beisteuern kann.
 

Ein wegweisendes Projekt für andere Landwirte

Dank des Förderprogramms des Kantons Thurgau profitiert Helfenberger von 250 000 Franken als einmalige Anschubfinanzierung seiner Biogasanlage. Total koste das Projekt über eine Million Franken, sagt er. Regierungsrat Walter Schönholzer lobte Helfenbergers Mut, in diese neue Technologie investiert zu haben. «Das verdient grosse Anerkennung, ist wegweisend für andere Landwirte und Unternehmer», sagte Schönholzer.
 
Bei der neuen Biogasanlage in Tuttwil handle es sich um die erste landwirtschaftliche Feststoff-Vergärungsanlage der Schweiz. Für Karl-Heinz Restle von der Kreuzlinger Firma Renergon, welche die Anlage baute, hat sie gar weltweite Ausstrahlung. Eine Delegation von Landwirtschaftsvertretern aus China wolle sich die Tuttwiler Biogasanlage anschauen. «Sie sind fasziniert. Das ist, was sie suchen», sagte er.
 

Potenzial bei Rüstabfällen und der Grünabfuhr

Das vom Kanton erarbeitete Biomassekonzept hat den Weg für Helfenbergers Biogasanlage geebnet. Es hat seinen Ursprung in einem Vorstoss von CVP-Kantonsrat Josef Gemperle aus Fischingen. Biogene Abfälle sollen für die Vergärung verfügbar gemacht werden. «Der Energiegehalt von Hofdünger ist sehr gross», sagte Martin Eugster vom kantonalen Amt für Umwelt. Sehr gross sei das Potenzial zur Energiegewinnung aber auch in anderen Bereichen. So seien beispielsweise Kehrichtsäcke im Schnitt zu 30 Prozent mit biogenen Abfällen wie Speiseresten oder Rüstabfällen gefüllt, aus denen ebenfalls Energie gewonnen werden könnte. Dasselbe gelte auch für die Grünabfuhren in den Gemeinden. Der explizite Anbau von Pflanzen zur Energiegewinnung sei hingegen kein Thema. Das sei in den Leitsätzen als Tabu verankert und auch durch den Richtplan ausgeschlossen, erklärte Eugster. 
 
Für den Landwirt und ehemaligen BDP-Kantonsrat Helfenberger ist klar: Mit seiner Biogasanlage leistet er einerseits einen Beitrag zum Atomausstieg. Anderseits hat er sich als Stromproduzent einen neuen Betriebszweig eröffnet. «Biogas kann auch für andere Bauern interessant sein.»  
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