Viel mehr als «nur spielen»

  • Kindergärtner müssen nicht einfach «nur spielen». Sie machen dasselbe wie Primarlehrer – doch mit anderen Mitteln.
    Kindergärtner müssen nicht einfach «nur spielen». Sie machen dasselbe wie Primarlehrer – doch mit anderen Mitteln. (Bild: Benjamin Manser)
17.03.2017 | 05:38

BILDUNG ⋅ Thurgauer Kindergärtnerinnen sind sehr gefragt, denn sie sind spezifisch ausgebildet. In vielen anderen Kantonen erhalten sie die gleiche Ausbildung wie Primarlehrer. Doch auch dieses Modell hat seine Vorteile.

Larissa Flammer

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

Der Thurgau ist einer der wenigen Kantone in der Schweiz, der noch reine Kindergärtnerinnen ausbildet. Viele Pädagogischen Hochschulen bieten mittlerweile einen gemeinsamen Studiengang für Kindergärtner und Primarlehrer an. Der Gesamtleiter Studiengänge an der PHTG, Matthias Fuchs, sagt dazu: «Im Thurgau war das politisch bisher nicht erwünscht.» Auch von einem Master für Kindergärtner will im Thurgau niemand etwas wissen (siehe Kasten).

Dass Kindergärtner überhaupt einen Bachelorabschluss brauchen, versteht nicht jeder. «Die spielen ja nur», ist ein Satz, den auch Karin Fasseing Heim, die Leiterin des Studiengangs Vorschulstufe, schon gehört hat. Sie erklärt: «Wir leben heute nicht mehr in der gleichen Welt wie vor 50 Jahren.» Deshalb hätten sich alle Lehrberufe in den vergangenen 25 Jahren stark entwickelt. Primarlehrer und Kindergärtner müssten erkennen, wie weit jedes Kind in jedem Bereich entwickelt ist und die Lerninhalte individuell passend bereitstellen. Der Unterschied bestehe darin, dass in der Primarschule eher Arbeitsblätter verwendet werden und im Kindergarten vor allem im Spiel gelernt wird. «An der PHTG wird im Basisjahr stufenübergreifend studiert, und auch danach gibt es viele gemeinsame Module», sagt Fasseing Heim.

Thurgauer Kindergärtner sind sehr beliebt

Trotz der Gemeinsamkeiten im Studium sind die Thurgauer stolz auf ihre spezifisch ausgebildeten Kindergärtner. «Unsere Studienabgänger sind auch in den Nachbarkantonen sehr beliebt. Bisher haben alle, die eine Stelle wollten, auf Anhieb eine gefunden», sagt die Studiengangleiterin. Fuchs ergänzt: «Wir bilden Leute aus, die tatsächlich gefragt sind.» Beide geben aber an, dass es formal für viele weniger attraktiv ist, nur das Diplom für zwei Schuljahre zu erlangen. Fasseing Heim sähe Chancen in einem kombinierten Studiengang, «wenn es solid gemacht wird und wir unsere Stärken behalten können». Die Studentenzahl bei der Ausbildung Vorschulstufe ist an der PHTG leicht gesunken, wie Fasseing Heim sagt. Mehrere Jahre lang starteten um die 35 Personen das Studium. Vergangenen Sommer waren es 25.

Der Thurgauer Regierungsrat hat im Rahmen des aktuellen Leistungsauftrags an die PHTG das reine Kindergärtner-Studium «in keiner Art und Weise in Frage gestellt», wie Regierungsrätin Monika Knill sagt. Die Vorsteherin des Departements für Erziehung und Kultur ist persönlich vom Thurgauer Modell überzeugt. Auch gemäss PHTG-Rektorin Priska Sieber ist das Modell unbestritten. «Ein Schwerpunkt im Vorschulstufen-Studium liegt bei der Entwicklung der Kinder zwischen vier und acht Jahren. So wissen die Kindergärtner auch, was beim Übertritt zu beachten ist.» Die PHTG verfolge aber mit, wie sich die Bildungslandschaft und die Nachfrage in der Schweiz entwickeln.

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