GESETZESREVISION

Mehrheit lehnt die Baujagd ab

Der Thurgauer Grosse Rat hat sich am Mittwoch deutlich für ein Verbot der Fuchsjagd mit Hunden ausgesprochen. Ausnahmebewilligungen sollen aber möglich bleiben. Zahlreiche Jäger weibelten vergebens für die Baujagd.
19.04.2017 | 20:20
Silvan Meile
Die Sitzung des Grossen Rates am Mittwoch führte zu einem Grossaufmarsch von Jägern. Draussen auf der Strasse bliesen einige ins Jagdhorn, drinnen standen sie Spalier, um die Parlamentarier mit einem Gipfeli von der Notwendigkeit der Baujagd im Thurgau zu überzeugen. Das tat der Verein Jagd Thurgau offensichtlich bereits im Vorfeld. "Wir sind eingedeckt worden mit Schreiben, Mails und Telefons", sagte Stephan Tobler (SVP, Neukirch), Präsident der vorberatenden Kommission. Die Ratsmitglieder seien angehalten, sich ihre eigene Meinung zu bilden. "Auf Drohungen gehen wir nicht ein."

Kippt das Verbot, droht die Volksabstimmung

Grund für die erhöhte Aufmerksamkeit ist die Teilrevision des kantonalen Jagdgesetzes. Besonders ins Visier geriet der Paragraf 21. Im Gesetzesentwurf des Regierungsrates soll es künftig im Thurgau als erstem Kanton verboten sein, dass die Jäger Hunde in die Höhlen schicken, um die Füchse oder Dachse vor die Flinte der Jäger zu treiben. Dadurch können etwa Seuchen und Krankheiten ausgerottet werden, argumentiert die Jägerschaft. Die Verordnung des Bundes, der 2012 die Bedingungen zur Baujagd bereits verschärfte, genügen ihrer Ansicht nach.

Weil diese Jagdmethode auch zu einem blutigen Kampf zwischen Hund und Fuchs führen kann, ist sie umstritten. Seit 2010 fordert der Thurgauer Tierschützer Reinhold Zepf ein Verbot der Baujagd im Thurgau. Im März reichte er die nötigen 4000 Unterschriften für eine entsprechende Volksinitiative ein. Das ist ein Druckmittel. Zepf könnte die Initiative lancieren, falls sich der Grosse Rat gegen das Baujagdverbot aussprechen würde.
 

"Weder Kniefall noch Abschaffung auf Raten"

Gestern fand die erste Lesung zur Teilrevision des Jagdgesetzes statt. Das Lobbyieren der Jäger brachte wenig Erfolg. Die Mehrheit der Parlamentarier sprach sich deutlich für das vom Regierungsrat vorgeschlagene Verbot mit der Möglichkeit von begründeten Sonderbewilligungen aus. Schon die vorberatende Kommission schlug mit 15 zu 0 Stimmen diesen Weg ein. 
Sämtliche Parteien sprachen sich in der Eintretensdebatte für das Verbot aus. Zuspruch erfuhren auch die jährlichen Schiessnachweise der Jäger, die durch die Gesetzesrevision neu nötig werden. "Im Gegenzug muss aber klar sein, dass die Jagd im Thurgau von Tierschutzkreisen grundsätzlich toleriert wird", appellierte Paul Koch (SVP, Oberneunform) im Namen seiner Partei. Gerade in der Frage des Baujagdverbotes wurde deutlich, dass auch die Jäger in zwei Lager gespalten sind. 
Trotz Kontroverse um die Baujagd ernteten die Jäger Lob. "Die Jagd ist unverzichtbar", sagte Regierungsrätin Cornelia Komposch. Es gehe nicht darum, die Kompetenzen einzuschränken. Die Teilrevision sei weder ein Kniefall vor dem Tierschutz noch ein Abschaffen der Jagd auf Raten. Beides wurde aus Jägerkreisen ins Feld geführt.
 

Tierschützer will über Bewilligungen informiert werden

Die Befürworter der Baujagd erhielten von Manuel Strupler (SVP, Weinfelden) und Ruedi Zbinden (SVP, Bussnang) Unterstützung. Ein Antrag Struplers, der die Streichung des Baujagdverbots forderte, blieb aber chancenlos. Das Gleiche galt für einen Antrag von Marion Theler (Grüne, Bottighofen). Sie wollte ein Verbot ohne Ausnahmen. Eine Mehrheit von 58 zu 53 Stimmen erfuhr hingegen ein Vorstoss von René Gubler (SVP, Frauenfeld). Darin wurden Entschädigungen für Schäden gefordert, die von Dachsen verursacht werden.

Tierschützer Zepf zeigte sich zufrieden. Seine Volksinitiative werde er zurückziehen, wenn das Gesetz rechtskräftig sei, trotz der Ausnahmeregelung. Sein Tierschutzverband erhebe aber den Anspruch, informiert zu werden, wenn Sonderbewilligungen zur Baujagd erteilt werden, um allenfalls intervenieren zu können. 
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