SOUND

Ein Arboner gibt den Takt an

Sandro Laganaro ist ursprünglich Koch. Seit einigen Jahren produziert er für etliche Rapper und Sänger Hip-Hop-Beats. Das neue Album des Bündner Rappers Gimma wurde vom 31-jährigen Thurgauer produziert.
15.03.2017 | 08:42
Miranda Diggelmann

Miranda Diggelmann

miranda.diggelmann@ thurgauerzeitung.ch

Sandro Laganaro, die Beats auf Gimmas kürzlich erschienenem neuen Album «Über-Leba & Sterba Vol. 1» klingen teilweise ein wenig düster. Hängt das mit dem Inhalt der Lieder zusammen?

Nein, das ist wohl eher Zufall und hat sich während der Produktion einfach so ergeben. Gimma behandelt schon auch düstere Themen in seinen Songtexten, oft aber auch Witziges und Positives. Das neue Album enthält Oldschool-Beats, was allenfalls die düsteren Stimmungen erklären könnte.

Sie arbeiten bereits seit zwei Jahren mit Gimma eng zusammen. Was inspiriert Sie während des Produzierens Ihrer Beats?

Ganz ehrlich?

Ich bitte darum.

Seit fünf Jahren leide ich an Angst- und Panikstörungen. Meine Krankheit trägt massgeblich zur Entstehung der Beats bei, da ich mich in der Musik so richtig ausleben kann, so sein kann, wie ich nun mal bin.

Und darüber hinaus?

Ausserdem inspirieren mich die Jahreszeiten. Im Frühling und Sommer produziere ich eher fröhliche Beats, im Herbst und Winter eher düstere und melancholische. Auch die Nacht spielt für mich inspirationstechnisch eine grosse Rolle, da ich selten tagsüber Musik produziere.

Sie arbeiten, während es draussen dunkel ist?

Nachts kann ich mich besser konzentrieren. Bei einer einzigen Sitzung produziere ich dann gleich fünf bis zehn Skizzen. So habe ich mich extrem zu einem Nachtmenschen entwickelt.

Was bedeutet es Ihnen, für einen schweizweit bekannten Rapper wie Gimma produzieren zu können?

Gimma ist für mich ein Mensch wie jeder andere. Dass er berühmt ist, spielt bei meiner Arbeit keine Rolle. Ich habe seine Musik schon immer gefeiert. Mittlerweile ist er aber für mich ein guter Freund geworden. Wir haben viele Parallelen und sprechen über die gewöhnlichsten Themen miteinander – überraschenderweise selten über Musik.

Wie lange dauerte es, Gimmas neues Album zu produzieren?

Alles in allem habe ich rund ein bis zwei Monate daran gearbeitet – nicht an einem Stück. Aufgenommen wurde das Album «Über-Leba & Sterba Vol. 1» an einem einzigen Tag im Klangstark-Studio in Chur.

Für wen produzieren Sie sonst noch Hip-Hop-Beats?

Darunter sind mittlerweile tatsächlich berühmte und auch internationale Gesichter. Ich produzierte bereits für die deutschen Rapper KC Rebell, Separate und Summer Cem; für den US-amerikanischen Rapper Cals, für die Schweizer Sängerin Michelle Halbeer («Platzspitzbaby»), für den deutschen Poker-Vlogger Mr. Donson und Nachwuchstalente wie den Schweizer Rapper Nemo und viele mehr.

Haben Sie schon weitere Projekte geplant?

Musikalisch arbeite ich derzeit an einem persönlichen Instrumentalalbum namens «The Way Out», in welchem ich meine Krankheit thematisiere und verarbeite. Dazu inspiriert hat mich mein Vater, zu dem ich einen besonders guten Draht habe. Er liebt nämlich meine Beats, hört sich aber nicht so gerne Rap an. Also kam ich auf die Idee, ein rein instrumentales Album zu produzieren. Es soll dann ebenfalls auf iTunes erhältlich sein.

Kochen Sie noch?

Ganz generell plane ich, nebst meiner Arbeit als Musikproduzent auch wieder als Koch zu arbeiten. Momentan bin ich auf Arbeitssuche. Das Kochen gibt mir Halt und stellt für mich einen guten Ausgleich zur Musik dar.

Was war für Sie bisher Ihr grösster musikalischer Erfolg, Ihr schönstes Erlebnis als Musikproduzent?

Dass ich mit dem namhaften deutschen Rapper KC Rebell zusammenarbeiten durfte, war mir schon eine riesige Ehre. Bald erhalte ich von ihm eine Goldene Schallplatte, darauf freue ich mich sehr.

Hinweis

Gimmas neues Album «Über-Leba & Sterba Vol. 1» ist digital erhältlich und kann auf iTunes, iGroove oder via SMS mit dem Text «igroove gimma» an die Nummer 9000 erworben werden.

Leserkommentare
Weitere Artikel