• An fünf Tagen im Jahr sind im Thurgau unter anderem Tanzveranstaltungen verboten.
    An fünf Tagen im Jahr sind im Thurgau unter anderem Tanzveranstaltungen verboten. (Urs Bucher (Symbolbild))
18.04.2017 | 19:47

Die Regierung tanzt nicht mit


TANZVERBOT ⋅ Der Thurgauer Regierungsrat hält am Veranstaltungsverbot an den fünf höchsten Feiertagen fest. Die Gegner sind jedoch politisch breit aufgestellt. Sie wollen sich ihre Freizeitaktivitäten nicht verbieten lassen.

Silvan Meile
Das Tanzverbot ist der Thurgauer Regierung heilig. "Die Achtung der christlichen Werte sowie des Ruhebedürfnisses ist für die fünf über das ganze Jahr verteilten Tage höher zu gewichten als der Anspruch auf permanente Unterhaltungsveranstaltungen", schreibt der Regierungsrat in seiner ablehnenden Beantwortung der Motion zur Anpassung des Ruhetagsgesetzes.

In einem politischen Vorstoss strebt eine Gruppe von Kantonsräten die Anpassung des kantonalen Gesetzes über die öffentlichen Ruhetage an. Die fünf höchsten Feiertage im Jahr, Karfreitag, Ostersonntag, Pfingstsonntag, Bettag und Weihnachten, sollen sich rechtlich nicht mehr von einem gewöhnlichen Sonntag unterscheiden. Heute gilt für diese fünf Tage das sogenannte Tanzverbot, das öffentliche Film- und Theateraufführungen, Versammlungen, Umzüge, nichtreligiöse Konzerte, Schiessübungen und Sportveranstaltungen explizit gesetzlich verbietet.
 

Tanzen sollen die Thurgauer ausserkantonal

Für die Motionäre, die ein von der Jungen CVP lanciertes Bestreben weiterverfolgen, ist der Paragraf im Ruhetagsgesetz ein Überbleibsel vergangener Tage. "Wir wollen selber entscheiden, was wir in unserer Freizeit machen", sagt Erstunterzeichner Lucas Orellano (GLP, Frauenfeld). Doch das ist dem Regierungsrat ein Gräuel. Er fürchtet "zum Beispiel politische Demonstrationen und Festumzüge am Karfreitag". Ausserdem würden mit der Streichung des Gesetzesartikels etwa auch "Rockkonzerte an Weihnachten" möglich werden.

Für Orellano sind das "extreme Beispiele". Er gibt zu bedenken, dass der Regierungsrat mit zwei Ellen messe. Denn religiöse Konzerte seien ja erlaubt, könnten aber in einer modernen Kirche durchaus auch rockig gespielt werden. "Es geht also nicht um den Schutz vor Lärm, sondern um verordnete Religiosität." Die Antwort der Regierung sei mutlos. Mit dem Festhalten am Verbot bewege sich dieser einfach auf der sicheren Seite.

Der Thurgau ist einer der letzten Kantone, die das Tanzverbot noch kennen. Davon zeigt sich der Regierungsrat unbeeindruckt. "Wer sich an diesen fünf Tagen vergnügen möchte, kann die umliegenden Kantone oder das nahe Ausland aufsuchen", heisst es in der Beantwortung. Dort wird auch die Frage aufgeworfen, ob es wirklich angebracht sei, die Entwicklung zu einer 24-Stunden-Gesellschaft weiter zufördern. Der Regierungsrat verweist in seiner Argumentation auch darauf, dass das Thurgauer Stimmvolk 2006 die Lockerung der Ladenöffnungszeiten, welche unter anderem vorsah, dass die Geschäfte an den fünf höchsten Feiertagen nicht mehr geschlossen bleiben müssten, deutlich ablehnte: "Die mit der vorliegenden Motion geforderte Gesetzesanpassung ginge wesentlich weiter und dürfte daher in einer allfälligen Volksabstimmung einen schweren Stand haben.
 
Für einen allfälligen Abstimmungskampf hat sich die evangelische Landeskirche Thurgau bereits in Stellung gebracht. In einem Schreiben macht sich der Kirchenrat für das Tanzverbot stark. "Ohne einen gezielten Schutz durch die Tradition und durch die Gesetzgebung ist das kostbare Gut von Oase der Stille und Besinnlichkeit nicht zu haben." Die Katholiken zeigen sich gelassener. "Wir unterstützen das Anliegen zum Schutz der Feiertage", sagt Generalsekretär Urs Brosi. Einmischen werde man sich beim Thema Tanzverbot aber nicht. Es sei eine gesellschaftliche Frage und für den Schutz der kirchlichen Anliegen nicht relevant. 
 

Anliegen ist politisch breit abgestützt

Im vergangenen Jahr erlitt ein Vorstoss zur Aufhebung des Tanzverbotes im Kanton Aargau an der Urne Schiffbruch. Die politisch unbedeutende Piratenpartei lancierte eine Initiative. Zumindest sind im Thurgau die Initianten politisch deutlich breiter abgestützt. Die sieben Unterzeichner der Motion kommen aus den Parteien GLP, SVP, Grüne, BDP, SP, FDP und der CVP. Ausserdem ist sie von 62 der 130 Kantonsräte unterzeichnet. 
Kommentare
Tanzen oder nicht tanzen
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()

geschrieben am 18.04.2017 20:47 | von Sahra

Was passiert denn, wenn man trotz Tanzverbot tanzt?

antworten
Kommentar zu: Die Regierung tanzt nicht mit
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()

geschrieben am 19.04.2017 08:40 | von Heidischweiz

Was für ein veralteter Schwachsinn.
Als gäbe es zur Zeit und auch in Zukunft nichts wichtigeres zu Diskutieren.*Kopfschüttel*

antworten
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Was wird am 31.12 jeden Jahres gefeiert??
 

Meistgelesen

Zur Bergung musste ein Spezialkran aufgeboten werden.
Unfälle & Verbrechen: 26.04.2017, 06:56

Lastwagen war viel zu schwer

Zwischen St.Margrethen und Rheineck blockierte am Mittwochmorgen ein Lastwagen eine Fahrbahn auf ...
Der Basler Jurist Bernhard Heusler soll der Wunschkandidat von Dölf Früh sein.
FC St.Gallen: 26.04.2017, 06:03

Früh will Heusler

Weil Dölf Früh im Mai gesundheitsbedingt zurücktritt, braucht der FC St.Gallen einen neuen ...
Fühlt sich geehrt, dass Dölf Früh ihn als Nachfolger will: FC-Basel-Präsident Bernhard Heusler.
FC St.Gallen: 26.04.2017, 14:57

FCSG-Präsidium: Aufregung um Heusler

Am Mittwoch ist publik geworden, dass sich Dölf Früh den scheidenden FC-Basel-Präsidenten ...
In der Kirche Vogelherd in Wittenbach werden sich nach der Freistellung des Pfarrers bis auf weiteres verschiedene Pfarrer von Evangelisch Tablat mit Predigen abwechseln.
Region St.Gallen: 25.04.2017, 18:40

Pfarrer freigestellt, um ihn zu schützen

Mit viel Elan und neuen Ideen: So wirkt Daniel Kiefer seit zwei Jahren als Pfarrer.
Die Freunde des Schiesssports können in der Schweiz auf eine starke Lobby zählen.
Schweiz Import: 26.04.2017, 12:57

Schützen rüsten zum Kampf

Die EU hat ihr Waffenrecht verschärft. Die Schweiz muss die neuen Regeln übernehmen, will sie ...
Alles Dunkel in der St.Galler Yendi-Filiale im Neumarkt. Kleider können hier vorerst nicht mehr gekauft werden.
Wirtschaft Ostschweiz: 26.04.2017, 18:22

Lichter löschen für Ostschweizer Yendi-Filialen

Das Freiburger Modehaus Yendi hat vor rund zwei Wochen Konkurs angemeldet.
Mitten auf der Autobahn ging das Benzin aus: Doch das Auto neu zu starten ging gründlich schief.
Unfälle & Verbrechen: 26.04.2017, 11:57

Während voller Fahrt plötzlich ohne Benzin

Am Dienstag, um 18.30 Uhr, ist ein 28-Jähriger mit seinem Auto auf der Autobahn A13, ...
St.Galler Kantonsangestellte demonstrieren für die 200-Millionen-Einlage in die Pensionskasse.
Kanton St.Gallen: 26.04.2017, 09:41

"Das Parlament betreibt eine Hinhaltetaktik"

Die Entscheidung über die Einmaleinlage in die St.Galler Pensionskasse ist vom Kantonsparlament ...
Hat FCSG-Coach Joe Zinnbauer noch Rückhald in der Mannschaft?
FC St.Gallen: 26.04.2017, 16:38

Kann man gegen den Trainer spielen?

Die ketzerischen Fragen mögen nach dem jüngsten Absturz des FC St.
Die St.Galler Kantonspolizei hat Hinweise zu den Böllerwerfern erhalten (Symbolbild).
Kanton St.Gallen: 26.04.2017, 08:30

Böllerwürfe: Sachschaden beträgt rund 3000 Franken

Nach den Böllerwürfen auf ein Postauto und einen Stadtbus am Rande der Offa sucht die Polizei ...
Zur klassischen Ansicht wechseln