KANTONALBANK

Bankrat: SVP legt leer ein

Der Thurgauer Grosse Rat wählt den parteilosen Aargauer IT-Unternehmer Mike Franz in den Bankrat.
19.04.2017 | 20:27
Die heftigste Diskussion fand abseits der Öffentlichkeit statt. SVP-Finanzdirektor Jakob Stark bekam an der Fraktionssitzung den Unmut zu spüren. Die SVP goutierte nicht, dass der Regierungsrat den parteilosen Mike Franz für den Bankrat der Thurgauer Kantonalbank (TKB) nominiert hatte. Eine öffentliche Erklärung gab es von der SVP am Wahltag keine mehr. Die Parteimeinung kam nur in den 38 eingelegten Leerstimmen zum Ausdruck. Der Grosse Rat wählte am Mittwoch in Frauenfeld den 52-jährigen Aargauer IT-Unternehmer Mike Franz in geheimer Wahl mit 86 von 124 gültigen Stimmen zum Nachfolger von Werner Dickenmann (SVP).  Am Rande der Sitzung bezeichnete der Dozwiler SVP-Kantonsrat Jürg Wiesli die Wahl Franz’ als "Pyrrhussieg". IT-Firmen würden es sich zukünftig zweimal überlegen, ob sie der TKB eine Offerte machen sollten. Sie würden fürchten, dass ein Mitbewerber Einblick in ihre Geschäftsgeheimnisse erhielte. 

Damit dürfte der Ersatz der Parteienvertreter im Bankrat durch Fachleute ein Ende gefunden haben. Bis 2011 waren alle neun Bankräte Parteienvertreter gewesen. Die SVP ist nun nur noch durch Max Soller vertreten. Allerdings haben die übrigen drei Regierungsparteien auch nur einen der ihren im Bankrat: Die FDP hat René Bock, die SP Roman Giuliani, die CVP Christoph Kohler.  Die SVP erhebt jedoch Anspruch auf zwei Vertreter. In einer Stellungnahme von Ende März betonte sie, dass sie mehr als doppelt so viele Wähler als die zweitstärkste Fraktion vertrete.

Als einziger ergriff der Präsident der Grünen, Kurt Egger, offiziell das Wort zur Wahl. Seit sechs Jahren werde ein IT-Vertreter für den Bankrat gesucht: "Mit Mike Franz hat der Regierungsrat endlich jemanden gefunden." Vier Parteienvertreter im Bankrat seien genug. Gemäss Egger fällt die Mandatsabgabe eines Bankrats für manche Parteikasse ins Gewicht. Ein Bankrat wird mit über 50'000 Franken pro Jahr entschädigt; die Thurgauer Parteien haben wenig derart gut dotierte Posten zu vergeben. Regierungsrat Stark habe der SVP empfohlen, Franz als ihren Vertreter anzusehen, sagte Egger. Franz wolle aber nicht der SVP beitreten. (wu)
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