150 Hühner ausgesetzt - 24-Jähriger muss vor Gericht

  • Indem er die Hühner in Kartonschachteln verpackte und in einem Wald fuhr, wollte der Hanfzüchter die Tiere loswerden.
    Indem er die Hühner in Kartonschachteln verpackte und in einem Wald fuhr, wollte der Hanfzüchter die Tiere loswerden. (Mario Testa)
09.08.2017 | 14:21

TIERQUÄLEREI ⋅ Ein junger Mann, der vor knapp zwei Jahren in einem Thurgauer Wald 150 Hühner ausgesetzt hatte, kommt vor Gericht. Wegen Tierquälerei und weiterer Delikte drohen ihm eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten und eine Geldstrafe.

Im Oktober 2015 wurden in einem Wald bei Happerswil auf dem Thurgauer Seerücken 150 Masthühner gefunden. Nachdem die Polizei zuerst im Dunkeln tappte, verhaftete sie einige Tage später einen jungen Mann.

Er hatte im Keller des Einfamilienhauses, wo er wohnte, einen Hühnerstall eingerichtet. Laut Anklageschrift kaufte der Beschuldigte 250 Küken und mästete diese zwei Monate lang. Als die Mastpoulets schlachtreif waren, tötete er 62 Tiere - auf qualvolle Art, wie es in der Anklageschrift heisst.

Lebend in Schachteln verpackt

Die übrigen wollte er loswerden, indem er die lebenden Hühner in Kartonschachteln verpackte und zusammen mit seiner Freundin in den Wald fuhr. «Dort überliess er die Tiere sich selbst, um damit mögliche Streitigkeiten mit der Nachbarschaft zu vermeiden», heisst es in der Anklageschrift.

Bei der Hausdurchsuchung entdeckte die Polizei im Wohnhaus neben dem stinkenden Hühnerstall eine Indoor-Hanf-Anlage. Ausserdem soll der Schweizer zahlreiche weitere Delikte begangenen haben.

Unter anderem soll er ohne Bewilligung Kampfhunde gehalten und seine Freundin derart an den Haaren gezogen haben, dass sie die Treppe einer Unterführung hinunter stürzte. Auch habe der Mann mit einem Baseballschläger ein mobiles Radargerät beschädigt, Fahrzeuge zum Gebrauch entwendet, und er sei trotz Ausweisentzugs Auto gefahren.

Schwierige Jugend

Der Beschuldigte habe eine schwierige Jugend hinter sich, heisst es in der Anklageschrift weiter. Er hatte mitansehen müssen, wie sein Vater im Jahr 2008 auf dem Schulhausplatz in Kümmertshausen einen 19-jährigen Jugendlichen tötete. Der damals 15-Jährige hatte seinen Vater wegen eines Streits unter Jugendlichen zu Hilfe gerufen. Dieser kam mit einem Revolver auf den Schulhausplatz und schoss dem 19-Jährigen in den Kopf.

Nach der Inhaftierung des Vaters habe sich das Verhältnis zur Mutter verschlechtert. Wegen fehlender schulischer und beruflicher Perspektiven sei der Jugendliche immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten, was zu mehreren Heimaufenthalten geführt habe, schreibt die Staatsanwaltschaft.

Abgekürztes Verfahren

Der geständige Beschuldigte kommt Mitte September vor das Bezirksgericht Weinfelden. Gegen den vorbestraften Mann wird im abgekürzten Verfahren verhandelt. Der Urteilsvorschlag sieht eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten und eine unbedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 50 Franken vor. Ausserdem sollen eine frühere Busse sowie eine bedingte Geldstrafe vollzogen werden. Das abgekürzte Verfahren findet am 19. September statt.

Ist das Gericht mit dem zwischen Staatsanwaltschaft und dem Beschuldigten ausgehandelten Urteilsvorschlag einverstanden, erhebt es diesen zum Urteil. Andernfalls kommt es zu einem ordentlichen Gerichtsverfahren.

Kommentare
Kommentar zu: 150 Hühner ausgesetzt - 24-Jähriger muss vor Gericht
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()

geschrieben am 09.08.2017 19:33 | von Monika Diethelm-Knoepfel, Dr. med.

Warum wird eine Massnahme für junge Erwachsene (früher Arbeitserziehungsanstalt genannt) nicht in Erwägung gezogen. Wenn der junge Mann es schafft, eine Lehre zu machen, ist die Chance deutlich grösser, dass er nicht mehr kriminell wird.

antworten
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Was ist das Gegenteil von Weiss??
 

Meistgelesen

Wenn Marco Aratore nicht trifft, springen zu selten andere in die Bresche.
Sport: 24.10.2017, 06:16

Der Jahrmarkt ist vorbei, die Achterbahnfahrt des FC St.Gallen geht weiter

Der FC St.Gallen hatte in sechs Partien nur eine Niederlage kassiert, ehe er gegen Lausanne 0:4 ...
Über die Höhe des Sachschaden liegen noch keine Informationen vor.
Unfälle & Verbrechen: 23.10.2017, 22:52

Nur Rauch statt Grossbrand

Am frühen Montagabend ist es in Romanshorn zu einem Grosseinsatz der Feuerwehr gekommen.
Die beiden serbischen Staatsangehörigen würden aus der Schweiz gewiesen und müssten mit einer Einreisesperre rechnen. Gegen den Arbeitgeber laufen noch weitere Abklärungen.
Ausserrhoden: 23.10.2017, 14:35

Ohne Arbeitsbewilligung in Hundwiler Restaurant gearbeitet

Am letzten Freitag sind bei einer Kontrolle in Hundwil AR zwei serbische Staatsangehörige ...
Die Zecken sind auch im Herbst noch aktiv - und können Krankheiten übertragen.
Schauplatz Ostschweiz: 24.10.2017, 06:53

Doppelt so viele Hirnhautentzündungen nach Zeckenbissen

FSME, eine Infektionskrankheit durch Zeckenstiche, kommt schweizweit fast doppelt so häufig vor ...
Der Fahrer des Militär-Jeeps war abgelenkt und hatte Glück: Er blieb unverletzt, als sich sein Puch überschlug.
Unfälle & Verbrechen: 23.10.2017, 18:12

Militär-Puch landet nach Salto in Wiese

Ein spektakulärer Selbstunfall eines Militär-Jeeps ist am Montag im glarnerischen Mitlödi ...
«Etwas Einfacheres täte es auch», sagen die Gegner des PH-Erweiterungsbaus im Weinfelder «zur Rebe». Christian Mader (EDU), Andrea Vonlanthen (SVP), Aline Indergand (SVP) und Alex Frei (CVP).
Kanton Thurgau: 24.10.2017, 07:29

«Der PH-Neubau verlocht Geld»

Gegenwind für die Ausbaupläne der Pädagogischen Hochschule (PH) in Kreuzlingen.
Auf dem Flumser Postplatz kam es am Sonntagabend zur ersten Attacke.
Ostschweiz: 24.10.2017, 06:11

Schulpsychologischer Dienst über Täter von Flums: "Wir gingen nicht von einer akuten Gefahr aus"

Der 17-jährige Angreifer aus Flums war den Behörden bekannt.
Der Tatort wurde von der St.Galler Kantonspolizei weiträumig abgesperrt
Ostschweiz: 23.10.2017, 09:45

Täter war den Behörden bekannt - Untersuchung blieb ohne Folgen

Der Amokläufer von Flums war den Behörden bekannt.
Bei Radarkontrollen erwischte die Kantonspolizei jüngst Schnellfahrer in Lömmenschwil, Wittenbach und Waldkirch
Region St.Gallen: 23.10.2017, 18:16

Raser sind oft über 40 Jahre alt

Praktisch täglich erwischt die Kantonspolizei St.Gallen etliche Schnellfahrer.
Die mutmassliche Tatwaffe.
Ostschweiz: 23.10.2017, 16:59

Reportage aus Flums: "Der Junge hat immer freundlich gegrüsst"

Ausnahmezustand in Flums am Sonntagabend. Versuch der Rückkehr zur Normalität am Tag danach.
Zur klassischen Ansicht wechseln