FRAUENFELD

Fasnachtsmeile Vorstadt

Die Zürcherstrasse von «Arco’s» bis «Barbarossa» wird zur närrischen Hochburg. Acht Bars und Restaurants laden zwischen Bechtelistag und Mitte Februar zur Beizenfasnacht. Sivel vom «Anker» hat koordiniert.
12.01.2018 | 05:18
Mathias Frei

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Die Vorstadt wird zur inoffiziellen, närrischen Begegnungszone. Hier darf man auch mal Gas geben – falls man das Auto danach brav stehen lässt. Denn in acht Lokalen steigt ab dem Bechtelistag für fünf Wochenenden (also bis zum Wochenende vom 17./18. Februar) eine organisierte Beizenfasnacht. 275 Meter lang ist der Abschnitt der Zürcherstrasse und der kleine Zipfel Zeughausstrasse. Silvio «Sivel» Reinhard vom «Anker» hatte die Idee dazu und verschiedene befreundete Gastronomen an Bord geholt. Nebst dem «Anker» sind das «Arco’s», das «El Rey», die Imperio-Bar (im Touringkeller), die Pizzeria Löwen, das Restaurant Tell und das Ristorante Pizzeria Barbarossa dabei. Zudem haben Sivel und Fritz Wüthrich den derzeit leer stehenden «Roten Ochsen» für die Fasnachtszeit gemietet, um gemeinsam eine Event-Bar zu betreiben.

Das Gastgewerbe jammere, es laufe in der Fasnachtszeit nichts mehr, sagt Sivel. Er hat mit dem «Anker» aber ganz andere Erfahrungen gemacht. Heuer ist seine Beiz im 27. Jahr hintereinander dekoriert. Und Sivel hat Erfolg damit. «Es ist vielmehr so, dass die Beizer zu wenig machen.» Über zehn Jahre ist es her, als Sivel versuchte, die goldenen Zeiten der Beizenfasnacht wieder aufleben zu lassen. Ein Fasnachtsführer, Dekorationen, Tänzerinnen und ein Taxidienst: Alles war organisiert. Aber ein Wirt nach dem anderen machte einen Rückzieher. Vor zwei Jahren dann startete alt Obernarr Markus Frei einen neuen Versuch. Er weibelte und brachte aus der ganzen Innenstadt Gastrobetriebe zusammen.

Aus Wil, Weinfelden und Winti sollen sie kommen

«Wir in der Vorstadt sind eben innovativ», sagt Sivel. Es gehe darum, die Vorstadt zu beleben und an der Fasnacht die Auswärtigen nach Frauenfeld zu holen. Aus Wil, Weinfelden und Winterthur sollen sie kommen. «Und wenn sie den Plausch hatten, kommen sie auch unter dem Jahr wieder einmal.» Letztlich sollten alle Gewerbler davon profitieren, blickt Sivel in die Zukunft. «Wenn man etwas macht, zahlt sich das auch aus», sagt Patrick Wirth, Präsident der IG Vorstadt. Die Vorstadt verfüge über ein breit gefächertes Angebot. Die Wirte müssten aber auch leben, was sie machten.

Freude an der Initiative aus der Vorstadt haben natürlich auch die offiziellen Fasnachtsvertreter. Alt Obernarr Frei spricht Frauenfeld Potenzial zu in Sachen Fasnacht. Die fünfte Jahreszeit sei keine Privatangelegenheit, sondern für alle. «Fasnacht ist ein Lebensgefühl.» Dieses solle man in den Restaurants und Schaufenstern spüren. Murganesen-Präsident Ivan Gubler findet, die Vorstadt-Fasnacht sei «der Brüller» und passe deshalb bestens zum diesjährigen Motto. Er ist froh um die Initiative der Beizer, denn die Fasnachtsvereine seien schon mit vielen Veranstaltungen beschäftigt. Und es brauche nicht immer Volldekoration, auch mit einem speziellen Menü werde die närrische Zeit erlebbar.

Frauenfeld – Rio de Janeiro – Venezia retour

Was die Lokale bieten, fängt in Frauenfeld an und geht bis zum Carnevale di Venezia und dem Carnaval do Rio de Janeiro. Der «Anker» ist seit Jahren volldekoriert, heuer zum Motto «Crazy Chicken». Vor dem Lokal wird ein Pouletgrill aufgestellt. Neu bei Sivel ist der «Bödelitag», am Sonntag vor dem Bechtelis. Damit man einen Boden hat, gibt es am Sonntagnachmittag eine Stubete mit Speck und Bohnen. Im «Barbarossa» gibt es während der Fasnacht Maltagliati, eine spezielle Pasta, sowie ein Fasnachtsdessert. «Fruchtig und farbig», sagt Leandro Napoli. Das Restaurant Tell wird sanft zum Thema Venedig dekoriert. Und er überlege sich ein spezielles Fasnachtssteak, sagt Fritz Wüthrich. Zudem bietet er am Bechtelistag Salzissen und Gerstensuppe an. Sivel und Wüthrich betreiben während der Fasnacht den «Roten Ochsen». Dort ist am Bechtelis sowie von Donnerstag bis Samstag Barbetrieb mit Live-Bands, Table-Dance, Thai- und Brasil-Nights. Keine Deko, aber eine Pizza Carnevale gibt es in der Pizzeria Löwen. «Diese Pizza hat Schärfe», verspricht Ivano Pizzini. Heiss wird’s in der Imperio-Bar von Kika Spörri. Shows von Sambatänzerinnen, Latin-Sound, Deko im Carnaval-Stil und brasilianischer Bohneneintopf lassen auf viel hoffen. Bei Nathalie und Bruder Claudio Arcorace im «Arco’s» gilt am Bechtelistag und danach das Motto «Chum, wie du willsch». Angesagt sind Konzerte und Partys bei House und Electro. Das «El Rey» setzt auf diskrete Deko und Oriental-Nights mit Bauchtanz.

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