SENNWALD

«Es ist eine ‹läbtige› Alp»

Zwei Saisons lang wirteten Silvia und Ivana Oberhänsli auf der Alp Rohr. Nun verlassen sie den ihnen lieb gewordenen Ort. Die Ortsgemeinde sucht neue Pächter – auch für den Alpbetrieb.
10.11.2017 | 05:19
Hanspeter Thurnherr

Hanspeter Thurnherr

hanspeter.thurnherr@wundo.ch

Für Mutter Silvia und Tochter Ivana Oberhänsli endete am 1. November mit einem grossen Fest die zweite Saison auf der Alp Rohr. Es war wohl ein Abschied für immer. Denn Ivana wird demnächst ihre Studienzeit mit der Masterarbeit beenden und sich auf die Suche nach einer festen Stelle machen. «Und alleine ist das Wirten auf der Alp nicht zu schaffen. Weil man sehr, sehr ­viele Stunden zusammenarbeitet, möchte ich dies nicht einfach mit irgendwem machen», sagt Mutter Silvia. So entschloss sie sich, ebenfalls aufzuhören.

Nach einem schwierigen Start im Frühsommer 2016 – «Die Latte war für die beiden hoch», sagt da­zu Ortsgemeindepräsident Daniel Göldi – habe sich die Sache zum Guten gewandelt, sagen Mutter Silvia und Tochter Ivana und ­ergänzen: «Wir sind von der Be­völkerung angenommen worden. Wir hatten bald viele Stamm­kunden, die teilweise mehrmals auf dem Weg vom Tal zur unterhalb des Hohen Kastens gelegenen Alp Rohr heraufstiegen.»

Sogar bei schlechtem ­Wetter selten alleine

Immer wieder bekamen sie von den Besuchern zu hören, dass sie die Atmosphäre sehr familiär empfanden. Dies kam nicht von ungefähr, denn Silvia und Ivana Oberhänsli arbeiteten nach dem Leitsatz: «Ufe cho zum abe cho». «Wir haben viel Liebe in den Gastbetrieb gesteckt und gerne gekocht. Uns war es wichtig, dass sich die Gäste wohlfühlten», sagt Silvia Oberhänsli. Vor allem die Spezialität «Alp Röhrli» habe sich weit herumgesprochen und die Menschen angelockt. Die Kehrseite: «Wir hatten eine hohe Präsenzzeit, weil auch immer Gäste da waren – sogar bei schlechtem Wetter waren wir ­selten alleine», erzählt Ivana. 17-Stunden-Tage und zur Schlafenszeit schnarchende Gäste ­waren keine Seltenheit. Dazu kam die einfache Infrastruktur bei Strom- und Trinkwasser­versorgung. Doch das Wirten auf dieser Alp sei für beide eine tolle Erfahrung gewesen. Nicht selten seien sie auch eine Art «Seelendoktor» gewesen. Und die Be­ziehung zwischen Mutter und Tochter habe sich «von gut zu sehr gut» entwickelt.

Besonders fasziniert habe beide die Einfachheit des Lebens, die Verbundenheit mit der Natur da oben auf der Alp. «Auch das Wetter in all seinen Ausprägungen hatte stets seinen Reiz. Und, du verlierst das Konsumdenken», sagt Silvia Oberhänsli. Beide sind sie dankbar für die Begegnungen mit den vielen Menschen. «Auf dieser Alp wird getanzt, gesungen, gejasst, diskutiert. Kurz: es ist eine ‹läbtige› Alp», sagt die Mutter. Ihr Traum bleibt es jedenfalls, ­irgendwann wieder auf einer Hütte mitzuhelfen. «Denn der Berg ruft!»

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