Höchster St.Galler mit 26 Jahren

  • Der Thurweg ist ein Lieblingsplatz von Ivan Louis.
    Der Thurweg ist ein Lieblingsplatz von Ivan Louis. (Martin Knoepfel)
19.05.2017 | 16:54

NESSLAU ⋅ Ivan Louis wird in seinem Präsidialjahr unter anderem je einen Tag auf einem Bauernhof und als Maurerpolier arbeiten. Obwohl er als Unternehmer in der IT-Branche tätig ist, findet er es gut, dass das Parlament seine Sitzungen nicht virtuell durchführt.

Martin Knoepfel
Der Nesslauer SVP-Vertreter Ivan Louis wird voraussichtlich im Juni Präsident des Kantonsrats. 

Ivan Louis, wie viele Termine haben Sie schon auf der Agenda? 
Ich kann es noch nicht sagen. ­Peter Göldi sprach an rund 100 Terminen. Ich erwarte, dass die meisten Einladungen erst nach der Wahl kommen. 

Wie gross ist der Zeitbedarf fürs Kantonsratspräsidium?
Mindestens doppelt so gross wie der eines Kantonsrats, ohne Kommissionssitzungen. Zeit­intensiv ist vor allem die Teilnahme an kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Anlässen rund um den Kanton.

Wie geht das mit der Koexistenz von Politik und Beruf?
Ich bin selbstständigerwerbend und daher glücklicherweise flexibel. Wenn ein Anlass am Abend ist, kann ich an diesem Tag kürzer arbeiten. 

Nehmen Sie sich etwas Spezielles vor fürs Präsidialjahr?
Ich habe mit der Einladung zur Präsidentenfeier den Gästen drei Mottos zur Auswahl gestellt: «anpacken», das heisst, einen Tag in einem anderen Beruf ar­beiten. Das zweite ist «agil bleiben». Das bedeutet, ich nehme an allen Laufsportanlässen im Kanton teil. Als ich das schrieb, wusste ich allerdings nicht, dass es so viele sind. Das dritte Motto lautet «digitalisieren». Ich dokumentiere in Echtzeit meine Spuren im Internet. Das Motto «anpacken» gewann mit 60 Prozent. Ich habe schon einige Arbeitstage abgemacht, zum Beispiel auf einem Bauernhof und als Baupolier, und ich werde einen Tag eine Lehrerin an der Berufsschule vertreten.

Sind Sie vom Angriff mit «Wanna Cry»betroffen?
Nein, aber ich hatte auch schon Probleme mit Hackerangriffen. Einmal gab es einen Angriff auf fast alle meine Server. Mit dem Back-up konnte ich das Problem aber rasch beheben.

In Ihrem Präsidialjahr könnte der Baukredit für die Kanti Wattwil ins Parlament kommen. Wurmt es Sie, dass Sie nicht für die Kanti reden und stimmen können?
Ja, es wurmt mich, aber ich bin überzeugt, dass sich alle Toggenburger Kantonsräte mit aller ­Vehemenz für die Kanti Wattwil engagieren werden. Die Toggenburger Deputation im Kantonsrat ist gut aufgestellt. Die Region wird für die kantonale Volks­abstimmung bereit sein müssen. Wenn Wattwil am 21. Mai Ja sagt zur neuen Sportanlage, was ich annehme, hilft das der Realisierung des Campus Wattwil. 

Was möchten Sie als Kantonsratspräsident anders machen als Peter Göldi?
Ich wüsste nichts, das ich anders machen müsste. Peter Göldi hat als Präsident eine hohe Messlatte gesetzt, beispielsweise in Bezug auf das Zeitmanagement.

Wäre es sinnvoll, Kantonsratssitzungen virtuell, mit Webcams, durchzuführen?
Noch nicht. Ich hatte an der Universität virtuelle Vorlesungen. Das war immer auch ein gewisser Verlust. Im Kantonsrat finde ich es wichtig, dass man sich direkt in die Augen schauen kann. Man könnte einiges digitalisieren. Die Ratskanzlei fragte, wohin sie die Post schicken solle. Ich antwortete, am liebsten wäre mir, wenn sie die Post scannt und mailt. Mit Papier kann ich nicht viel anfangen. Nach dem Präsidialjahr stelle ich auf ein gänzlich papierloses System um. Das Ratsinformationssystem ermöglicht das. 

Sie sagten vor einem Jahr, dass Sie das Sarganserland, das Rheintal und die Bodenseeregion weniger gut kennen. Haben Sie das aufgeholt?
Noch nicht, obwohl ich für einige Sitzungen im Rheintal war. Ich freue mich darauf, in den nächsten zwölf Monaten im ganzen Kanton herumzukommen. 

Bleibt es dabei: Sie kandidieren 2019 nicht als Nationalrat?
Es bleibt dabei. Man soll niemals nie sagen, aber ich strebe mit dem Kantonsratspräsidium nicht ein Nationalratsmandat an, da ich im Kantonsrat glücklich bin. 

Kennt man Sie im Zug, auf der Strasse oder beim Einkauf?
Nein, und ich bin froh darüber. Ich erschrecke immer, wenn jemand meinen Namen kennt.

Wie haben Ihre Freunde und Bekannten auf Ihre rasche politische Karriere reagiert?
Die meisten finden es spannend. Es gab durchs Band positive Reaktionen. Dass die SVP-Fraktion mich als Vizepräsidenten des Kantonsrats nominierte, überraschte meine Bekannten. Ich selber bin ja in der Annahme in die interne Ausmarchung gegangen, dass es nicht klappt. 

Gibt es Mentalitätsunterschiede im Toggenburg und zwischen dem Toggenburg und anderen Regionen im Kanton?
Im Toggenburg sehe ich keine grossen Mentalitätsunterschiede. Im Wahlkampf 2016 ist mir aufgefallen, dass etwa Mosnang ein viel intensiveres Dorfleben hat als andere Gemeinden. Bei den Rheintalern und den Sarganserländern ist der Diskussionsstil oft konfrontativer als im Toggenburg. Im Linthgebiet spürt man, dass die Region wirtschaftlich nach Zürich orientiert ist.

Es heisst, das politische Klima sei in den grossen Kantonen rauer. Können Sie das nach Ihren Besuchen in Kantonsparlamenten bestätigen?
Ich kann das nicht bestätigen. Ich bin gerade mit Zürcher Kantonsräten zusammengesessen. Der abtretende Kantonsratspräsident kommt von der SP, die amtierende Präsidentin von der SVP und die Vizepräsidentin von der CVP. In Appenzell Ausserrhoden werden Meinungsunterschiede deutlicher ausgesprochen als im Kanton St. Gallen, doch rauer würde ich das politische Klima nicht nennen. An einer Veranstaltung im Thurgau war ich positiv überrascht, dass der Umgang zwischen Kantons- und Regierungsräten sehr zwangslos ist.

Haben Sie noch Hobbys, neben der Politik und dem Irish Open Air Toggenburg?
Ich habe in letzter Zeit viele Anlässe organisiert, z. B. am letzten Wochenende die Irish- Open-Air-Toggenburg-Party in der Brauerei. Letztes Jahr bin ich sehr viel gereist. Dieses Jahr werden es weniger Reisen sein. Zudem versuche ich, täglich zu joggen. 

Haben Sie einen Lieblingsplatz im Toggenburg?
Ich bin fast täglich auf dem Thurweg anzutreffen. Sehr gut gefällt es mir etwa auch in der Oberen, oberhalb von Ennetbühl, wo meine Grosseltern lebten. Wenn ich ein Gebäude nennen muss, ist es die Brauerei in Neu St. Johann. Vor kurzem haben wir dort einen Verein gegründet, die Toggenburger Biergilde. Er fördert die Bierkultur im Toggenburg. 
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