Wittenbach braucht neuen Pfarrer

  • Die Pfarrstelle im evangelischen Kirchenzentrum Vogelherd ist ab Juli vakant.
    Die Pfarrstelle im evangelischen Kirchenzentrum Vogelherd ist ab Juli vakant. (Urs Bucher)
19.05.2017 | 14:17

VOGELHERD ⋅ Nach einer Auseinandersetzung im Konfirmandenlager ist Daniel Kiefer noch bis Ende Juni teilweise in Wittenbach tätig. Danach wird er anderswo als Pfarrer wirken.

Corinne Allenspach
Die Meldung hatte für Verwirrung gesorgt.  Wer aber seither das evangelische Kirchenzentrum Vogelherd in Wittenbach betrat, traf Pfarrer Daniel Kiefer wie üblich in seinem Büro an. Dort erfüllt er weiterhin verschiedene Aufgaben. «Wir bedauern, dass unsere Kommunikation bei den Wittenbachern Fragen aufgeworfen hat», sagt Johannes von Heyl, Präsident der Kirchenvorsteherschaft von Evangelisch-Tablat. Der gebürtige Deutsche begründet es damit, man habe «nicht bedacht, dass der Begriff freistellen in der Schweiz anders verstanden wird als in Deutschland».

Richtig sei: Pfarrer Kiefer sei nach einem Vorfall im Konfirmandenlager seit der Osterwoche nicht mehr in all seinen pfarramtlichen Aufgaben in Wittenbach tätig. Das heisst, er leite grundsätzlich keine Gottesdienste mehr. Die seelsorgerischen Aufgaben, etwa Besuche im Alterszentrum Kappelhof, theologische Kurse oder Gesprächsangebote, führe er aber weiter. «Viele Gemeindemitglieder und auch wir als Arbeitgeber schätzen die Arbeit von Daniel Kiefer», sagt von Heyl. Trotzdem wird Kiefer ab Juli nicht mehr Pfarrer in Wittenbach sein. Sein befristeter Vertrag läuft aus und wird nicht erneuert.
 

Keine Übergriffe, aber lautstarker Wortwechsel

Es war im Sommer 2015, als der heute 31-Jährige aus Rheinland-Pfalz mit seiner Frau nach Wittenbach kam. «Mit viel Elan und neuen Ideen» wirkt der dreifache Familienvater seither in Wittenbach, wie von Heyl sagt. Kiefers «frische Art» kommt aber nicht bei allen Wittenbachern gut an. Oder wie es Daniel Kiefer selber formuliert: «Kein Pfarrer kann alle an ihn herangetragenen Wünsche erfüllen.» Ende April hätte er an der Kirchbürgerversammlung von Evangelisch-Tablat zum Pfarrer gewählt werden sollen. Dazu kam es nicht, da er kurz vorher seine Kandidatur aus persönlichen Gründen zurückgezogen hatte. «Ich habe mich in meinem Umfeld einfach nicht wohl gefühlt», begründet Daniel Kiefer. Nicht Auslöser, aber mit ein Grund für den Rückzug der Kandidatur sei eine Auseinandersetzung im Konfirmandenlager gewesen. In der Karwoche waren rund zwei Dutzend Wittenbacher Jugendliche nach Holland gereist. Dort kam es nach Spannungen im Leiterteam «zu lautstarken Wortwechseln», wie von Heyl es nennt. Nach Rücksprache mit Kirchenvorsteherschaft und Leiterteam reiste Kiefer frühzeitig aus dem Lager heim.

Pfarrpersonen, die aus dem Ausland kommen, erhalten in der Schweiz nicht automatisch eine Wahlfähigkeit. Es gelte gewissermassen eine «Probezeit» von zwei Jahren, erklärt Christina Hegelbach, Geschäftsführerin von Evangelisch-Tablat. Während dieser Zeit sei das Anstellungsverhältnis befristet. Danach steht die Pfarrwahl an, die in der Regel Formsache ist. Dass jemand seine Kandidatur zurückziehe, komme nur sehr selten vor. Wie sich aber im Fall von Daniel Kiefer zeige, «passen Umfeld und Arbeitnehmer manchmal halt einfach nicht zusammen».

Um dem 31-Jährigen genug Zeit zu geben, eine neue Stelle zu suchen, habe der Kirchenrat von Evangelisch-Tablat diese Woche beschlossen, den Vertrag mit Daniel Kiefer um sechs Monate zu verlängern. Um die Situation zu entschärfen, werde er aber nicht mehr in Wittenbach eingesetzt, sondern im Kirchkreis Heiligkreuz, wo ab Juli eine Pfarrstelle vakant ist. Man wolle Kiefer nicht zumuten, sich am bisherigen Wirkungsort durchzubeissen, sagt der Kirchenpräsident.


Nach Sommerferien mit Pfarrersuche anfangen

Der Konfirmationsgottesdienst im Vogelherd wird wie geplant morgen Sonntag stattfinden, gestaltet von Diakon Ueli Bächtold. Bis Ende Juni wird Bächtold viele der pfarramtlichen Tätigkeiten übernehmen, zusammen mit Pfarrern aus anderen Kirchkreisen von Evangelisch-Tablat. Ab 1. Juli wird Ueli Friedinger als Stellvertreter in Wittenbach wirken, wie der Kirchenrat in einer Mitteilung schreibt. Die Suche nach einem neuen Pfarrer, gemäss von Heyl «erfahrungsgemäss eine langwierige Geschichte», beginnt nach den Sommerferien. Vor seinem Weggang können sich die Wittenbacher noch von Pfarrer Kiefer verabschieden. Er wird am 18. Juni um 10 Uhr seinen Abschiedsgottesdienst geben, musikalisch gestaltet vom Gospelchor.
 
Kommentare
Kommentar zu: Wittenbach braucht neuen Pfarrer
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()

geschrieben am 19.05.2017 15:13 | von Georg Ritter

Offenbar hat die Kirchenvorsteherschaft grössere Schwierigkeiten bei der unmissverständlichen Wortwahl. Was heisst "Vorfall im Konfirmandenlager", und weshalb hat es "Spannungen im Leiterteam" gegeben? Worüber gab es den "lautstarken Wortwechsel"? Das alles spielt eine grosse Rolle. Der Beitrag ist also nichts weiter als eine ärgerliche "Vertiefung von Desinformation". Und deshalb geht ein weiterer Vorwurf an den Journalisten: Ein Journalist fragt nach und gibt unter Umständen bekannt, man habe seine Fragen nicht beantwortet. Interessant ist auch, dass den Kirchgemeindemitgliedern die Sache egal zu sein scheint.

antworten
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Welcher der folgenden Begriffe ist keine Farbe: Gelb, Blau, Tisch?
 

Meistgelesen

Die Rodelbahn am Kronberg war schon mehrfach Schauplatz von Unfällen.
Unfälle & Verbrechen: 23.05.2017, 17:12

Zwei Verletzte bei Unfall auf Rodelbahn am Kronberg

Bei einem Zusammenstoss zweier Bobs auf der Rodelbahn am Kronberg sind am Dienstagmittag zwei ...
In Bielefeld hat Jeff Saibene sein Meisterstück abgeliefert. Sein Marktwert steigt.
Fussball: 24.05.2017, 05:18

Der Graf von Bielefeld

In nur acht Wochen hat sich Jeff Saibene in Bielefeld zum gefeierten und besungenen Trainer ...
Präsidentenwechsel bei der CVP-Stadtpartei: Michael Hugentobler (links) übergibt an Raphael Widmer.
St.Gallen Aufschlag: 23.05.2017, 21:42

Hugentobler nimmt sich aus dem Rennen

An der gestrigen Hauptversammlung der CVP Stadt St.
Sinnbild für den Wandel in St.Gallen: Unter Joe Zinnbauer spielte Mario Mutsch keine Rolle mehr - nach dem GC-Match wurde er vom Espenblock gefeiert.
Gegentribüne: 23.05.2017, 14:42

Die Zinnbauer-Verweigerer sind zurück

St.Gallen – Grasshoppers: Das war weit mehr als nur ein Testspiel im Hinblick auf die nächste ...
Bewaffnete Polizisten in Manchester
International: 24.05.2017, 05:18

Drei weitere Festnahmen in Manchester

Die Polizei in Manchester sucht nach dem Anschlag vom Dienstag mit mindestens 22 Toten nach ...
Der Wolf M75 ist nun auch in Appenzell Ausserrhoden nicht mehr sicher. (Symbolbild)
Ausserrhoden: 24.05.2017, 09:39

Appenzell Ausserrhoden gibt Wolf M75 zum Abschuss frei

Wie die Kantone Graubünden, Tessin und St.Gallen hat sich nun auch Appenzell Ausserrhoden dazu ...
Die Feuerwehr musste den Fahrer aus der Führerkabine befreien.
Unfälle & Verbrechen: 23.05.2017, 18:19

Lastwagen fährt in Muldenkipper: Ein Verletzter

Bei einem Auffahrunfall auf der Autobahnausfahrt St.Margrethen ist am Dienstagnachmittag der ...
105 junge Flüchtlinge sind derzeit in der Marienburg in Thal untergebracht.
Ostschweiz: 24.05.2017, 05:18

«Wir sind ihre Familie»

Im Kanton St.Gallen werden Asylsuchende unter 18 Jahren zentral im Internat Marienburg in Thal ...
Roger Moore hat nicht nur in der Schweiz gelebt, sondern sich auch engagiert - wie hier beim Werben für Organspenden in Anzere (Wallis) im Jahr 2002.
Kultur: 24.05.2017, 06:32

007 und seine Liebe zur Schweiz

Wie so viele Prominente aus aller Welt liess sich auch der britische Schauspieler Roger Moore ...
Strittiger Gewässerabstand: In den Schutzzonen links und rechts von Bächen dürfen Landwirte nicht düngen und keine Herbizide, Fungizide oder Insektizide ausbringen.
Ostschweiz: 24.05.2017, 05:18

Ostschweizer Bächen droht Gefahr durch Giftstoffe

Die Ostschweiz ist durchzogen von einem Netz aus Bächen und Flüssen.
Zur klassischen Ansicht wechseln