ST.GALLEN

Weihern-Festival kapituliert

Mitte September findet wieder das Weihern-Festival statt. Allerdings nicht wie gewohnt unter freiem Himmel auf Dreilinden, sondern in der Grabenhalle. Mit den Behörden gab es keine Einigung.
18.05.2017 | 20:35
David Gadze
Das Weihern-Festival findet dieses Jahr nicht statt. Zumindest nicht in der bisherigen Form. Wie die Veranstalter am Donnerstag mitgeteilt haben, verlegen sie den dreitägigen Anlass vom Familienbad Dreilinden in die Grabenhalle. Der Grund: «Es war dem einen oder anderen zu laut.» Im vergangenen Jahr sind acht Lärmklagen bei der Stadtpolizei eingegangen. Nun seien die Verhandlungen mit den städtischen Behörden über eine erneute Durchführung gescheitert.   

«Ein solcher Anlass funktioniert nicht, wenn er nur geduldet ist. Er muss auch gewollt sein.»Dario Aemisegger, Veranstalter Weihern Festival. (Luca Linder)
Bei der Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten habe man sich Anfang April auf die Drehung der Bühne zum Wald hin geeinigt, sagt Veranstalter Dario Aemisegger. «Damals hiess es, damit seien alle Anforderungen für zusätzliche Lärmschutzmassnahmen erfüllt.» Doch nach einer zusätzlichen verwaltungsinternen Vernehmlassung mit allen involvierten Ämtern habe das Amt für Umwelt und Energie schliesslich Anfang Mai weitere «Lärmschutzziele» definiert. Dabei handle es sich nicht um Auflagen, sondern um Vorschläge, die gemeinsam verhandelt werden müssten. Welche genau das waren, will Aemisegger nicht sagen. «Für mich war jedenfalls klar, dass das Festival unter diesen Bedingungen nicht mehr stattfinden kann.» Zumal aufgrund der Verzögerung bereits verschiedene Gruppen, darunter auch der Hauptact, abgesagt hätten. «Wir wollten vom Stadtrat ein klares Ja oder Nein hören, ob er uns unterstützt. Am Ende war es ein ‹Ja, aber›.» Ein solcher Anlass könne jedoch nicht funktionieren, wenn er nur geduldet sei. «Er muss auch von der Politik und den Behörden gewollt sein.»
 

Nur Empfehlungen, keine Auflagen

Stadtpräsident Thomas Scheitlin weist die Vorwürfe zurück. Der Stadtrat habe immer gesagt, dass er das Festival als wichtig für die Stadt erachte und es weiterhin stattfinden können soll. Aus diesem Grund sei auch der städtische Beitrag in diesem Jahr verdoppelt worden. Verschärfte Auflagen habe es jedoch keine gegeben. Denn dafür hätte ein Gesuch vorliegen müssen. Der Veranstalter habe jedoch noch keins gestellt. Bei den Lärmschutzzielen habe es sich bloss um Empfehlungen gehandelt, sagt Scheitlin. Eine davon sei gewesen, ab 22 Uhr die Musik leiser zu machen oder ruhigere Gruppen spielen zu lassen. Der Stadtpräsident versichert auch, dass diese Empfehlungen primär nichts mit der Schutzverordnung Dreilinden und der grundsätzlichen Frage, ob so ein ein Festival dort überhaupt rechtlich zulässig sei, zu tun hätten. «Wenn wir eine Bewilligung unter bestimmten Auflagen erteilen, gehen wir davon aus, dass er Anlass unter diesen Voraussetzungen bewilligungsfähig ist. Das war unseres Erachtens auch in den vergangenen Jahren der Fall.»

Doch warum formuliert die Stadt dann überhaupt solche Empfehlungen? Wegen der acht Lärmklagen im vergangenen Jahr? Man suche auch mit anderen Veranstaltern immer wieder nach Verbesserungsmöglichkeiten, sagt Scheitlin. «In diesen Diskussionen muss es für solche Empfehlungen Platz haben.» Dass sie bei einer Nichtberücksichtigung als Auflagen an die Bewilligung für dieses Jahr geknüpft worden wären, streitet Scheitlin ab.
 

Die Zukunft des Festivals ist offen

Die Zukunft des Festivals sei derzeit noch ungewiss, sagt Dario Aemisegger. «Eigentlich handelt es sich bei der Verlegung in die Grabenhalle um eine Notlösung. Wir sehen aber das Potenzial, auch dort ein tolles Festival durchzuführen.» Das Ziel sei aber nach wie vor, im nächsten Jahr wieder unter freiem Himmel feiern zu können.

"Ein familienfreundlicher Anlass mit friedlicher Atmosphäre und ruhigen Konzerten – nicht einmal das ist in dieser Stadt also noch möglich", schreibt Redaktor Roger Berhalter in seinem Kommentar zum Aus des Weihern Open Air.

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