WILD

Unfall dezimiert Wildschweinbestand

Bei einer Karambolage auf der Autobahn sind acht Wildschweine getötet worden. In der Region Mörschwil sind weitere Tiere unterwegs. Sie hinterlassen unverkennbare Schäden in der Landwirtschaft.
07.10.2017 | 08:45

Acht Wildschweine verirrten sich am Donnerstag in den frühen Morgenstunden auf die Autobahn bei Mörschwil und lösten ein Verkehrschaos aus. Während drei Lenker mit einem Schrecken und Blechschäden an ihren Fahrzeugen davonkamen, fanden die Tiere allesamt den Tod (Ausgabe von gestern). Dass Wildsauen auf die Fahrbahn gelangen, ist laut Wildhüter Mirko Calderara keine Seltenheit. Dass gleich acht Tiere in einen Verkehrsunfall verwickelt sind, hingegen schon.

Der Familienverband mit zwei Bachen, einem jungen Keiler und fünf Frischlingen gelangte trotz Schutzzaun auf die A1 in Richtung Rheintal, rund anderthalb Kilometer vor der Verzweigung Meggenhus. Mittlerweile konnte der Wildhüter den Ort aus­machen, der den Tieren als Zugang diente. Die Sauen über­wanden einen Lärmschutzwall, so steil, dass niemand damit rechnete, dass ihn Wildtiere bezwingen können. «Mittlerweile ist das Schlupfloch behoben», sagt Calderara.

Die getöteten Tiere waren dem Wildhüter nicht unbekannt. Die Rotte Wildsauen war eine von zwei Familienverbänden, die sich im Raum Mörschwil, Berg und Wittenbach aufhielten. Hier tappten sie immer wieder in Fotofallen. Auf einen Ort begrenzen liess sich der Lebensraum der Tiere allerdings nicht. «In einer Nacht legt eine Rotte problemlos 10 bis 20 Kilometer zurück», sagt Calderara. Diese Wander­bewegungen werden im Osten durch die Autobahn begrenzt. Einzelne Tiere können aber auch dieses Hindernis überwinden und schaffen den Weg bis ins Rheintal.

Ein wehrhaftes Wildtier

Während der Raum Werdenberg derzeit unter einer Wildschweinplage leidet, sei die Lage im Fürstenland und im Raum Bodensee eher ruhig, sagt Calderara. Dennoch: «Eine Rotte Wildschweine hinterlässt zwangs­läufig ihre Spuren.» Rund 30-mal musste der Wildhüter in diesem Jahr wegen Schäden in der Landwirtschaft ausrücken. Auch beim Obstbauer Walter Mäder aus Mörschwil haben die Tiere auf der Suche nach Futter bis zu 30 Zentimeter tiefe Löcher in den Boden gegraben. Diese störten beim Aufbereiten des Bodens, wie der Bauer gegenüber TVO sagte.

Die nachtaktiven Tiere kommen dem Menschen dagegen ­selten zu Gesicht. Und wenn, sollte er Abstand halten. «Die Wildsau ist das wehrhafteste Huftier in einheimischen Wäldern», sagt Calderara. Eine Bache beschützt ihre Jungtiere mit Bissen; Keiler setzten dagegen ihre Eckzähne gegen Feinde ein. Calderara rät deshalb, im Auto zu bleiben, sollte man ein Wildschwein angefahren haben. «Ein verletztes Tier kann dem Menschen ge­fährlich werden.» (nh)

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