SPITZENSPORT

St.Gallen braucht mehr Sport-Tempel

Trotz strömenden Regens war das Spiel der Schweizer Nati vergangene Woche in St.Gallen ein Publikumsmagnet. Die Stadt St.Gallen will auch internationale Anlässe anderer Sportarten austragen. Doch dafür fehlt die Infrastruktur - noch.
04.09.2017 | 07:12
David Gadze

David Gadze

david.gadze@taglbatt.ch

Wer am vergangenen Donnerstag dem Treiben im Kybunpark zuschaute, konnte nicht ganz sicher sein, ob sich die Schweiz und ­Andorra im Fussball oder im Wasserball duellierten. Der viele Regen hatte das WM-Qualifi­kationsspiel in eine regelrech­- te Wasserschlacht verwandelt. Doch den meteorlogischen Widrigkeiten zum Trotz: Die Augen der Schweizer Sportliebhaber waren an jenem Abend auf St. Gallen gerichtet. Das ist ganz im Sinn des Stadtrats: «St. Gallen ist eine Stadt mit nationaler und internationaler Ausstrahlung für Kultur und Sport», heisst es in der Vision 2030, die er im Mai zusammen mit den Legislaturzielen 2017–2020 präsentierte.

Doch was heisst das konkret? «Der Stadtrat hat den Auftrag erteilt, dass künftig vermehrt grössere Sportanlässe in St. Gallen stattfinden sollen», sagt «Sportminister» Markus Buschor. Also Anlässe wie der jährlich im Gründenmoos stattfindende CSIO – die wichtigste Reitsportveranstaltung der Schweiz – oder die Curling-EM, die im November im Eissportzentrum Lerchenfeld durchgeführt wird.

Die Infrastruktur muss ausgebaut werden

Nur: Bei der Infrastruktur hinkt die Stadt den selbst gesteckten Ansprüchen teils hinterher. Mit dem Kybunpark und dem Athletik-Zentrum verfügt St. Gallen zwar über zwei der modernsten und grössten Sportstätten für Fussball beziehungsweise Leichtathletik der Schweiz. Doch das Länderspiel der Handball-Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation gegen Portugal von Anfang Mai vergab der Verband ins handballerische Niemandsland Biel statt in die Handballhochburg St. Gallen. Der Grund: Die Sporthalle Kreuzbleiche genügt den Anforderungen des Verbands an Catering und VIP-Betreuung nicht mehr. Und im vergangenen Jahr hatte St. Gallen bei der Bewerbung um den Halbfinal des Fed-Cups, des Nationenturniers im Damentennis, unter anderem aufgrund mangelnder Zuschauerkapazitäten der Kreuzbleichehalle und des Athletik-Zentrums gegenüber Luzern das Nachsehen. «Es muss unser Ziel sein, dass solche Anlässe künftig in St. Gallen stattfinden können», sagt Buschor.

Welche Infrastruktur es für das Erreichen dieses Ziels und der Vision 2030 braucht, müsse jetzt abgeklärt werden. Derzeit arbeitet die Stadt am sogenannten Gemeindesportanlagen-Konzept (Gesak), einer Auslegeordnung aller Angebote im Sport- und im Bewegungsbereich. Darin werden beispielsweise auch jene für Velofahrer und Wanderer enthalten sein. «Das Gesak soll aufzeigen, was wir haben und was wir noch brauchen», sagt Bu­schor. Wichtig seien nicht nur Anlagen für den Spitzen-, sondern gerade auch solche für den Breiten- und den Schulsport. «Die Vereine leisten wichtige Arbeit für die Gesellschaft und die Kinder, etwa bei der Integration.»

Bis im kommenden Sommer soll die Auslegeordnung abgeschlossen sein, dann geht es an die Ausarbeitung eines Masterplans mit konkreten Massnahmen. Dieser soll noch in dieser Legislatur, also spätestens bis 2020 vorliegen. «Der Stadtrat muss sich dann selbst beim Wort nehmen und den nächsten Schritt machen», sagt Buschor. Es darf also nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben, sondern es müssen Taten – und entsprechende Investitionen – folgen. So bedarf die Leichtathletikanlage im Neudorf einer Modernisierung. Der Ausbau des Hallenbads Blumenwies ist bereits aufgegleist. Auch grössere Vorhaben seien denkbar, etwa eine neue, moderne Sporthalle sagt Buschor. «Man darf aus der Vision aber nicht ableiten, dass wir bis 2030 fünf neue Sportstätten bauen werden.»

Neue Olma-Halle 1 bietet neue Möglichkeiten

In wenigen Jahren könnte die Stadt ein weiteres Ass im Ärmel haben: die neue Olma-Halle 1. Diese soll dereinst auch dem Sport dienen. Wird sie wie geplant realisiert, entsteht die grösste stützenfreie Messe- und Eventhalle der Deutschschweiz. Die rund 9000 Quadratmeter grosse Halle werde sich durchaus auch für grössere Sportveranstaltungen wie Davis-Cup- oder Fed-Cup-Spiele eignen, verspricht ­Olma-Direktor Nicolo Pagani- ni. Auch Handball-Länderspiele gegen namhafte Gegner wären dort möglich, ja sogar Spiele einer EM-Endrunde wie im Jahr 2006. Letzteres schliesst der Verband in der Kreuzbleichehalle inzwischen aus, allein schon aus Kapazitätsgründen.

Bis es soweit ist, muss St. Gallen nicht ganz auf Handballländerspiele verzichten: Der Verband habe erst kürzlich wegen zweier EM-Qualifikationsspiele der Herren-Nationalmannschaft in der Kreuzbleichehalle für Anfang 2018 angeklopft, sagt Markus Buschor. «So schlimm steht es um die Handballhochburg St. Gallen also doch nicht.»

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