WITTENBACH

Pfarreirat-Modell stösst an seine Grenzen

Nachdem der Pfarreirat seine Arbeit wegen Unterbesetzung eingestellt hat, denkt der Pfarreibeauftragte über andere Organisationsformen nach.
16.04.2018 | 05:17
Johannes Wey

Der Pfarreirat hat seine Arbeit niedergelegt. Das Gremium war schon seit längerem unterbesetzt. Nach dem Rücktritt der Präsidentin Manuela Keller wird es keine neuen Projekte mehr anstossen oder Sitzungen abhalten. Keller führte für ihren Rücktritt private Gründe an («Tagblatt» vom 12. April).

Die bereits aufgegleisten Anlässe wie die Tiersegnung oder der Schlagergottesdienst werden aber dennoch stattfinden, versichert der Pfarreibeauftragte Christian Leutenegger. Den Rücktritt der Präsidentin könne er nachvollziehen. Nun sei es sinnvoll, die Sache erst einmal ruhen zu lassen und abzuwarten, ob sich mittelfristig neue Kandidatinnen und Kandidaten für den Pfarreirat finden liessen.

Über eine zeitgemässe Lösung nachdenken

Die aktuelle Situation sei aber auch eine Gelegenheit, sich grundsätzliche Gedanken über den Pfarreirat – der vom Bistum eigentlich vorgeschrieben ist – zu machen. Heute werden die Pfarreiräte jeweils für eine vierjährige Amtsdauer gewählt. Das mache die Mitarbeit in Zeiten, wo viele Pfarreimitglieder mit Beruf und Familie schon eine Doppelbelastung zu stemmen hätten, weniger attraktiv. «Und wir brauchen Leute, die mit Lust dabei sind», sagt Leutenegger. Allenfalls wäre die Suche nach Freiwilligen leichter, wenn es mehr Möglichkeiten zur projektbezogenen Mitarbeit gäbe. Wer sich freiwillig engagiere, der wolle eine Aufgabe, die ihm entgegenkomme und ihn erfülle, sagt Leutenegger. «Heute fehlen vielen Leuten die Ressourcen. Da opfert man seine Freizeit nicht mehr, nur um sich nach Aussen als guter Katholik zu präsentieren.»

Um den Pfarreirat neu zu besetzen oder gar zu ersetzen will Leutenegger über den Tellerrand hinauszublicken. «Ich kann mir gut vorstellen, dass andere Gemeinden mit denselben Problemen kämpfen.»

Johannes Wey

johannes.wey@tagblatt.ch

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