Papa hält zu Hause die Stellung

  • Heini und Sonja Lüthi mit ihrer Tochter Aline, die am allerliebsten mit Lego spielt.
    Heini und Sonja Lüthi mit ihrer Tochter Aline, die am allerliebsten mit Lego spielt. (Bild: Urs Bucher)
08.09.2017 | 14:00

STADTRATSWAHL ⋅ Sonja Lüthi fährt Elektro-Bike und Rikscha. Und baut mit ihrer Tochter Fahrzeuge aus Lego-Steinen. Die grünliberale Stadtratskandidatin ist sich sicher: Der Spagat zwischen Familie und Karriere ist möglich.

Christina Weder

Christina Weder

christina.weder@tagblatt.ch

Das Zuhause von Sonja Lüthi ist nicht zu verfehlen. Die Stadtratskandidatin der Grünliberalen ­lächelt am Eingang von einem Wahlplakat. Sie wohnt mit ihrer Familie in Bruggen in einer ehemaligen Textilfabrik. Die Wohnräume sind loftartig und hell. Die kleine Aline, Sonja Lüthis Tochter, ist soeben aus dem Mittagsschläfchen erwacht. Schlaftrunken schmiegt sie sich an ihre Mama. Auf dem Boden liegt ein Haufen Lego-Duplo-Steine, das Lieblingsspielzeug der anderthalbjährigen Aline. Bei den Lüthis herrscht der ganz normale Familienalltag. Und doch ist einiges anders als in anderen Familien.

Die Kandidatin mit dem Kleinkind

Während andere Mütter beruflich eine Pause einlegen oder das Pensum zurückschrauben, wenn das erste Kind da ist, setzt Lüthi auf die Karriere und kan­didiert für die Grünliberalen als Stadträtin. Für sie habe sich nie die Frage gestellt, sich zwischen Familie und Beruf zu entscheiden. Auch für Frauen müsse beides möglich sein, sagt die 36-Jährige. Dafür will sie sich einsetzen. «Mit meiner Kandidatur vertrete ich die jüngere Generation.»

Sonja Lüthi arbeitet derzeit 80 Prozent in einer leitenden Funktion beim LV-St. Gallen. Daneben sitzt sie im Kantonsrat und engagiert sich ehrenamtlich in mehreren Präsidien, etwa bei den kantonalen Grünliberalen, bei der Genossenschaft Solar oder der DenkBar. Sie ist im Vorstand des Solarkinos und des WWF St. Gallen. Insgesamt beträgt ihr Pensum über 100 Prozent.

Wenn Sonja Lüthi nicht zu Hause ist, besucht Aline die Kita oder wird von ihrem Mann Heini und einer Nanny betreut. Eine Bekannte von ihr sagt, Sonja Lüthi lebe das Modell der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Rollen zwischen Frau und Mann sind nicht mehr klar verteilt. Für die Lüthis ist ganz selbstverständlich, dass sie vieles täglich neu absprechen müssen – wer einkaufen geht oder am Abend kocht. Klar ist dagegen: Während Sonja Lüthi in der Öffentlichkeit steht und um Wählerstimmen wirbt, hält ihr Mann Heini Lüthi in Bruggen die Stellung. Der selbstständige Ingenieur im Bereich der erneuerbaren Energien arbeitet von zu Hause aus. Er springt ein, wenn die kleine Aline krank ist oder sonst etwas nicht nach Plan läuft.

 

Das Gärtnern überlässt sie ihrem Mann

Sonja Lüthi geht auf die kleine Gartenterrasse hinaus, wo sie sich mit ihrer Familie gerne aufhält. In Töpfen gedeihen gelbe Cherry-Tomaten. Weiter oben am Hang hat die Familie Zucchetti, Lauch, Rüebli, Sellerie und Kartoffeln angebaut. Lüthi ist im Aargauischen mit einem grossen Garten aufgewachsen und liebt Gemüse. Aus Zeitgründen überlässt sie das Gärtnern aber vor allem ihrem Mann. Für Hobbys bleibt ihr im Moment ­wenig Zeit. In früheren Jahren ist sie mit dem Quervelo, das einem Rennvelo ähnelt, aber dickere Reifen hat, nach Paris gefahren oder an die Ostsee. Nun kommt es nicht mehr so häufig zum Einsatz. Auch im Wahlkampf ist Lüthi mit einem speziellen Gefährt unterwegs. Sie fährt mit einer Rikscha durch die Stadt, die ihr ein Bekannter ausgeliehen hat.

Auch mit Töchterchen Aline ist sie gerne unterwegs. An ihrem fixen Mami-Tag trifft sie andere Mütter mit kleinen Kindern oder fährt mit dem Elektro-Bike und Veloanhänger zu den Weihern hoch. Oder sie joggt mit dem Kinderwagen um den Gübsensee. Hie und da legt sie einen Halt ein, um mit Aline den Entli zuzuschauen. Da tickt die Uhr merklich langsamer als im hektischen Wahlkampf. Ihre Freizeit sei ­Familienzeit, sagt Lüthi. «Dann machen wir vor allem das, was Aline will.» Meist packt die Tochter dann die Lego-Steine aus.

Kommentare
Kommentar zu: Papa hält zu Hause die Stellung
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geschrieben am 09.09.2017 00:32 | von Monika Diethelm-Knoepfel, Dr. med.

Man sollte endlich aufhören, nur Frauen, dies ich für ein Amt bewerben, danach zu fragen, wie sie die Kinderbetreuung regeln. Männer mit minderjährigen Kindern geht dieses Thema genauso an. Die Zeiten, in denen Politiker ungestraft ihre Familie als ihr Hobby angeben konnten, sind hoffentlich vorbei.

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