ST.GALLEN

Aus für die Hecht-Apotheke

Die zur Hausmann Holding AG gehörende Hecht-Apotheke an der Marktgasse in St.Gallen schliesst. Die Geschichte des Unternehmens ist lang – zumindest ein Teil davon geht gerade kurios und unrühmlich zu Ende.
14.09.2017 | 06:55
Daniel Wirth

Daniel Wirth

daniel.wirth@tagblatt.ch

Das Sanitätsgeschäft hat geöffnet! Die Apotheke bleibt heute geschlossen! Diese zwei Sätze stehen auf zwei A4-Blättern, die mit Klebestreifen an der gläsernen Schiebetür der Liegenschaft Marktgasse 11 im Zentrum der Stadt festgemacht sind. Hinter weissen Leinentüchern steht eine Pharmaassistentin am Verkaufspult. Sie winkt ab. «Die Apotheke ist geschlossen». Der Mann, der fortgeschickt wird, wollte etwas gegen seinen Husten. Schon wieder betritt eine potenzielle Kundin das Geschäft, das im 19. Jahrhundert gegründet wurde (siehe Zweittext). Auch sie wird von der Pharmaassistentin enttäuscht.

Eine geordnete Geschäftsauflösung sieht anders aus. Die Apothekerhelferin gibt sich wortkarg. Heute morgen sei der Rechtsanwalt des Geschäftsführers vorbeigekommen und habe der Belegschaft mitgeteilt, die Hecht-Apotheke werde Ende September schliessen und den Mitarbeitenden unter Einhaltung der Fristen gekündigt. Das ist dicke Post. Die Belegschaft der Hecht-Apotheke – das sind sieben bis acht Frauen, die meisten von ihnen arbeiten im Teilpensum. Alle sind dem Vernehmen nach ihren Job früher oder später los. Der Apotheker sei schon weg, heisst es. «Aus diesem Grund dürfen wir keine rezeptpflichtigen Medikamente mehr herausgeben», sagt die Pharmaassistentin. Für weitere Auskünfte sei der Geschäftsführers oder dessen Rechtsvertreter zuständig. Der Geschäftsführer war gestern Abend für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Reto Kern, der Bruder des Geschäftsführers, sagte gegenüber dem «Tagblatt», es sei richtig: Dem Personal der Hecht-Apotheke sei am Mittwochmorgen gekündigt worden. Der Kantonsapotheker habe bereits vorbeigeschaut und kontrolliert, ob keine Medikamente, die eines ärztlichen Rezeptes bedürfen, über den Verkaufstisch gingen. Im Moment gehe nur noch Traubenzucker über den Tresen.

Zur Hausammann Holding AG gehört an der Marktgasse auch eine Parfumerie. Gemäss Reto Kern stehe auch diese Sparte der Hausmann Holding AG vor der Schliessung. In der Parfumerie arbeiten momentan zwei Frauen. Von der Schliessung nicht betroffen sei das Sanitätsgeschäft im ersten Stock der Liegenschaft an allerbester Lage.

Die Zukunft des Unternehmens ist ungewiss

Der Anwalt der Hausmann AG in St.Gallen bestätigt schliesslich die Schliessung der Hecht-Apotheke. Der Apotheker sei unlängst ordentlich pensioniert worden. Seine Nachfolge habe nicht geregelt werden können. Er sei bis zuletzt darum bemüht gewesen, die Stellen der acht Pharmaassistentinnen der Hecht-Apotheke zu sichern. Er habe Übernahmegespräche mit Verantwortlichen verschiedener Apothekenketten geführt. Diese hätten ihm nun alle eine Absage erteilt, sagt der Rechtsvertreter der Hausammann AG. Gestern habe er der Belegschaft der traditionsreichen Hecht-Apotheke die Kündigung mitteilen müssen.

Was mit dem Ladengeschäft im Herzen den Stadt geschieht, ist gegenwärtig unklar. Mit Sicherheit gebe es aber keine Apotheke mehr an der Marktgasse 11, sagt der Rechtsvertreter der Gesellschaft. Er bestätigte auch die Aussage Reto Kerns, wonach den Parfumerieverkäuferinnen gekündigt worden sei. Das Parterre der Liegenschaft könne in Zukunft als vermietetes Objekt nicht mehr unterteilt werden.

Die Pharmassistentin, die am Mittwochabend hinter den windigen Leinentüchern die Kundschaft zur Konkurrenz schicken musste und ihre Kolleginnen waren enttäuscht – das war ihnen anzusehen. Den Job zu verlieren ist unangenehm. Die Art und Weise, wie’s bei Hausammann passiert, macht’s unerträglich.

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