MARKTPLATZ

Nüchterne Antwort auf Markt-Petition

Der Stadtrat hat die von 1700 Personen unterzeichete Petition der Markthändler für einen ständigen Markt beantwortet – mit einem trockenen Hinweis auf das partizipative Verfahren für die Neugestaltung des Marktplatzes. Das sei jedoch kein Präjudiz.
10.07.2017 | 07:13
David Gadze

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Die Zukunft des ständigen Markts ist eine jener Fragen, die beim neuen Anlauf für die Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt am meisten interessieren. Ende April hatten Vertreter des ständigen Markts dem Stadtrat die Petition «Für einen Marktplatz mit ständigem Markt» überreicht, die von rund 1700 Personen unterzeichnet worden war. Die Petition verlangt, dass auch in Zukunft «ein tägliches, alternatives und frisches Einkaufserlebnis» auf dem Marktplatz angeboten wird.

Nun hat der Stadtrat die Petition beantwortet. Und zwar auf ziemlich nüchterne Weise, die den Eindruck erweckt, er habe kein grosses Interesse am ständigen Markt. Zumindest suggeriert das der Wortlaut der Medienmitteilung. In seiner Antwort weist der Stadtrat die Markthändler darauf hin, dass sie in das laufende partizipative Verfahren für die Neugestaltung des Herzens der Innenstadt – das «Forum Marktplatz», in dem verschiedene Anspruchsgruppen beteiligt sind – eingebunden seien. Sie könnten in dieser Form Stellung nehmen und den Schlussbericht kommentieren.

Neue Markthalle wohl ausgeschlossen

Baudirektorin Maria Pappa weist den Verdacht, der Stadtrat habe kein Interesse am ständigen Markt, zurück: «Wir nehmen das Anliegen der Petition ernst und werden es in die Entscheidung über die Zukunft des Markts einfliessen lassen.» Allein die Tatsache, dass die Markthändler innert kurzer Zeit so viele Unterschriften gesammelt hätten, zeige die Wichtigkeit des Themas.

Zunächst werde der Stadtrat nach den Sommerferien das weitere Vorgehen für die Neuge- staltung definieren, sagt Pappa. Also aufgrund der Resultate des «Forums Marktplatz», dessen Schlussbericht noch in der Vernehmlassung ist, entscheiden, ob es einen neuen Wettbewerb gibt oder ob das ursprüngliche Projekt nochmals überarbeitet wird. Die Frage nach der Zukunft des ständigen Markts sei dabei nicht zentral und könne zu einem späteren Zeitpunkt beantwortet werden – unabhängig davon, für welche Variante sich der Stadtrat entscheidet. «Aufgrund der Rückmeldungen in den ersten beiden Forumsrunden ist jedoch davon auszugehen, dass es wohl keine neue Markthalle geben wird», sagt Pappa. Mit anderen Worten: Es geht noch um die Frage, ob es für die Markthändler fixe, aber nicht fest verbaute Häuschen geben wird oder ob man sich für eine Marktform entscheidet, bei der die Stände jedesmal aufs Neue wieder aufgestellt werden müssen.

Marktstände im Union-Gebäude?

Dieser Entscheid sei auch abhängig von der Zukunft des Union-Gebäudes, das Stadt und Kanton gemeinsam mit der Eigentümerin Helvetia-Versicherungen für eine neue gemeinsame Publikumsbibliothek ins Visier genommen haben. «Eine Bedingung ist, dass es im Erdgeschoss öffentliche Nutzungen geben wird», sagt Pappa. Es könne durchaus sein, dass sich in den weiteren Diskussionen über die Zukunft des Markts eine Integration der Marktstände ins Union-Gebäude als sinnvoll herausstelle.

«Bis all diese Fragen geklärt sind, dauert es mindestens noch ein Jahr», sagt die Baudirektorin. Man habe die Antwort an die Petitionäre aber nicht so lange hinauszögern wollen. Als Lehre aus der Abstimmung von 2015 will Maria Pappa die kurzfristige Reaktion nicht verstanden wissen. Damals hatten die Markthändler kurz vor dem Abstimmungstermin kritisiert, sie seien von der Stadt nicht in die Planung einbezogen worden – und so womöglich einen Beitrag zum Volksnein geleistet. «Aus meiner Sicht ist diese Antwort ein Zeichen der Wertschätzung. Das Anliegen wird wahrgenommen.»

www.stadtsg.ch/marktplatz

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