TALENT AUS EGGERSRIET

Noah sagt «Schachmatt»

Noah Fecker ist erst 13 Jahre alt und besiegt im Schach schon fast jeden. Kürzlich wurde er zum U14-Schach-Schweizer-Meister gekürt. Der Eggersrieter hat noch weitere Pläne.
12.07.2017 | 05:18
Angelina Donati

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@tagblatt.ch

Eigentlich sind die Feckers richtig froh, dass das mittlere von drei Kindern das Schachspielen entdeckt hat. «Denn Noah langweilt sich rasch», sagt seine Mutter Claudia Fecker. Mehr noch: Der 13-Jährige sei allergisch auf Wiederholungen. So hängte er das Geigenspielen vor einem Jahr an den Nagel. Jeden Tag das gleiche Musikstück zu proben, bis es perfekt sitzt, ist so gar nicht sein Ding. Beim Schach scheint alles anders: Diesem Hobby kann er sich widmen, ohne zu ermüden. «Jedes Spiel ist anders», sagt der dreifache Schweizer Meister.

Sein Grossvater hat ihn in die Kunst des Spiels eingeführt, als er fünf Jahre alt war. Seither vergeht kaum ein Tag, an dem Noah Fecker nicht übt. Obwohl er an Turnieren erst seit dreieinhalb Jahren teilnimmt, reihen sich die Pokale in der Vitrine in seinem Zimmer. «Das ist der Neueste», sagt Noah Fecker und zeigt auf eine Auszeichnung, die in der Form einer Schachdame gestaltet ist. Soeben wurde er zum U14-Schach-Schweizer-Meister gekrönt. Ebenfalls talentiert sind seine beiden Geschwister.

Am diesjährigen Wettkampf warteten auf Noah Fecker gleich mehrere Gegner, die ähnlich stark sind wie er. «Hinzu kommt, dass ich ein Jahr jünger bin als die meisten Konkurrenten.» Bei den Stichkämpfen ist es dem Eggersrieter aber dann gelungen, seine Konkurrenz abzuhängen. Keiner seiner Züge macht er dabei zufällig, sondern berechnet bis zu acht Züge strategisch im Kopf. Ein Mathegenie also? So leicht wie sich alles anhört, ist es auch für ihn nicht, wie seine Mutter erklärt. «Bestimmt ist Noah talentiert, doch dazu gehört auch viel Fleiss.» Oder wie es Noahs Trainer nach dem Titelgewinn formulierte: «Das harte Training bringt sein Talent erst richtig zum Funkeln.» Um sein Niveau halten und steigern zu können, trainiert Noah Fecker 20 Stunden pro Woche. Zugute kam ihm die Zeit in der Sportschule Blumenau in St. Gallen, die er nun abgeschlossen hat. Damit er genügend Zeit fürs Training aufwenden konnte, durfte er jeweils mehrere Mathestunden sausen lassen. «Beim Sport hingegen darf er nicht fehlen. Wer auf einem solch hohen Niveau Schach spielt, findet im Sport den nötigen Ausgleich», sagt Claudia Fecker. In seiner noch verbleibenden Freizeit spielt der Schüler auch gerne Pingpong und Tennis.

Nach den Sommerferien beginnt für den Eggersrieter in der Kantonsschule am Burggraben ein neuer Lebensabschnitt. «Die Talentschule in Trogen ist einfach zu weit weg. Mit dem Hin- und Rückweg würde er Zeit verlieren, die er in sein Training investieren könnte», sagt seine Mutter.

Zuerst die Matura abschliessen

Ein weiteres grosses Ereignis wartet auf den jungen Eggersrieter im September: Zum dritten Mal in Folge darf er an den Schach-Weltmeisterschaften teilnehmen. Dieses Mal führt die Reise nach Montevideo in Uruguay. Nur vier Schüler stammen aus der Schweiz, die sich mit Schachtalenten aus der ganzen Welt messen. Elf Partien sind es, die Noah Fecker spielen wird. «Mein Ziel ist es, die Hälfte der Punkte zu erreichen», sagt er. Dass es keine einfachen Kämpfe werden, ist ihm bewusst. «Besonders die Spieler aus Indien, China und Russland sind sehr stark.»

Verunsichern lässt sich Noah Fecker aber nicht. «Mein Ziel ist, es im internationalen Ranking in meinem Jahrgang unter die besten 50 Spieler zu schaffen», sagt der 13-Jährige, der auch schon gleichzeitig und «blind» seinen Vater und seine Schwester schachmatt setzte. Strebt er eine Profikarriere als Schachspieler an? «So genau weiss ich es noch nicht. In der Schweiz ist dies sehr schwierig.» Erst möchte er nun die Kanti in Angriff nehmen – natürlich mit Schwerpunkt Mathe.

 

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