PRO UND CONTRA HISTORISCHE CHILBI IN ST.GALLEN

Berechtigte Kritik? Die übliche Nörgelei?

Gewerbler vom Gallusplatz haben im Tagblatt Kritik geübt, dass sie nicht in die Chilbi integriert sind. Ist es wirklich zielführend, sich vor dem Anlass so zu wehren?
09.06.2017 | 08:50
Pro: "Legitime Kritik"

Die Kritik an den Veranstaltern der Historischen Chilbi ist angebracht. Die Gewerbler tragen ihre Anliegen differenziert vor. Sie richten ihren Ärger nicht gegen eine einzelne Person. Und es ist keine Stimmungsmache gegen den Anlass. Es ist Ausdruck von Hilflosigkeit. Das Gewerbe fühlt sich ohnmächtig in der Zusammenarbeit mit der Stadt. Denn es ist nicht das erste Mal, dass es von einem Anlass in der Innenstadt ausgeschlossen wird.

Christoph Renn, Redaktor Stadt St.Gallen (Urs Bucher)
Bereits am St.Gallerfest im vergangenen Jahr stehen die Zelte mit dem Rücken zu den Geschäften am Gallusplatz. Schon damals suchten die Gewerbler das Gespräch mit den Organisatoren. Im Stillen. Ihnen wurden Verbesserungen versprochen. Einer offenen Kommunikation stand nichts mehr im Weg. Doch daraus wurde nichts. Wieder werden sie ausgegrenzt. Dieses Mal mit einer hohen Mauer, die quer durch den Gallusplatz gezogen wurde. Ihr Frust nimmt zu. Sie sind deswegen weder Bünzlis noch Nörgler. Denn alles, was sie fordern, ist, dass die Bahnen so positioniert werden, dass sie nicht ausgeschlossen werden.

Die derzeitige Platzierung ist unbefriedigend. Für ein nächstes Mal müssen sich die Organisatoren der Chilbi unbedingt überlegen, wie sie eine echte Belebung des ganzen Platzes erreichen wollen.

Contra: "Es geht um die guten, alten Nörgler"
Nein, das Wort «Bünzli» ist seit der kolossal gescheiterten Revolution im Stadtpark kontaminiert. Darum geht es hier nicht. Es geht um die guten, alten Nörgler. Die legendären Meckerer und Miesmacher, die für jede Party zu haben sind, es sei denn, sie findet vor ihrer Haustüre statt. Jene Sorte Mensch halt, dem man es nie recht machen kann. Steht der Gallusplatz, der mit Abstand schönste Stadtraum St.Gallens, wie gewohnt leer, beklagt der gemeine Nörgler die Leere, die Tristesse, die Provinzialität der Ostschweizer Metropole.
Stefan Schmid, Chefredaktor St.Galler Tagblatt (Urs Bucher)
Jetzt aber, wo endlich mal etwas los ist – und wie etwas los ist: Diese historischen Bahnen, einfach fantastisch! Jetzt ist es auch wieder kreuzfalsch. Die Bahnen stehen am dümmsten Ort, man habe zu wenig offen kommuniziert. Und der liebe Pfarrer im Dom sieht es sowieso nicht gerne, wenn sich das Fussvolk um seine heilige Stätte herum bei weltlichen Albernheiten verlustiert. 

Mein Tipp an die lokalen Gewerbler: Macht den Laden dicht und kommt am Sonntagabend wieder zurück. Oder aber, um konstruktiver zu bleiben, wartet doch einfach mal diese Chilbi ab. Am Montag wird nüchtern Bilanz gezogen und Verbesserungspotenzial geortet. Niemand weiss, ob es die Veranstaltung in dieser Form je wieder geben wird. Also gemach, gemach.
Bildergalerie: Historische Chilbi

Vom 8. bis am 11. Juni findet im St.Galler Klosterviertel eine historische Chilbi statt. Die Fahrgeschäfte früherer Tage sind eine echte Augenweide.

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