Boris Tschirky: Kirchenmusik und Zarenbücher

  • Boris Tschirky in der Stube seines Einfamilienhauses in Abtwil.
    Boris Tschirky in der Stube seines Einfamilienhauses in Abtwil. (Bild: Jil Lohse)
12.09.2017 | 13:17

ST.GALLER STADTRATSWAHL ⋅ Boris Tschirky setzt sich regelmässig an die Kirchenorgel oder klopft mit der Familie einen Jass. Zwei Dinge lassen den Politiker bis heute nicht los: seine Rheintaler Herkunft und sein Interesse als Historiker.

Roger Berhalter
Schon ein Blick in die Stube zeigt, dass Boris Tschirky nicht nur Politik, sondern auch Musik macht. Neben dem weissen Sofa steht ein schwarzer Flügel, auf dem Tschirky jeweils kirchliches Liedgut übt. Schon in der Kanti nahm er Orgelunterricht und spielte in der Kirche seines Heimatdorfs Kriessern im Rheintal. Das tut Tschirky bis heute. Alle drei bis vier Wochen setze er sich noch an die Kirchenorgel, in Gottesdiensten in Kriessern, Montlingen oder Eichenwies. «Wenn Not am Mann ist», springt der Gaiserwalder Gemeindepräsident auch einmal in Abtwil und Engelburg als Organist ein. Der 52-Jährige bezeichnet das Orgeln als Freizeitbeschäftigung, die ihn fordere und Abwechslung zum Berufsalltag bringe. «Wer Musik macht, kann an nichts anderes denken, sonst kommt keine gute Musik dabei heraus.»

20 Jahre im Kirchenrat

Tschirky ist ein gläubiger Mensch, sozusagen von Haus aus. Er stammt aus einem katholischen Dorf, wo man früher «die Sonntagspflichten noch ernst nahm», wie er sagt. Schon als 22-jähriger Student sass Tschirky im Kriessner Kirchenrat, wo er 20 Jahre lang aktiv war.

Auch wenn er schon seit zehn Jahren nicht mehr dort wohnt, ist Tschirky bis heute regelmässig im Rheintal anzutreffen. Seine Eltern leben in Kriessern, die Schwiegereltern in Altstätten. Die Herkunft hört man ihm an: Auch nach vielen Berufsjahren in der Stadt St.Gallen und in der Gemeinde Gaiserwald redet er noch breiten Rheintaler Dialekt. Dieser ist zu einem seiner Markenzeichen geworden, ebenso sein lautstarkes Stimmorgan. Das sei nun einmal so, dafür könne er nichts, sagt Tschirky und lacht.

Ebenso wenig könne er dafür, dass er gerne unter Leuten sei. «Das ist kein Kalkül!», versichert Tschirky. Als Gemeindepräsident gehöre es für ihn dazu, präsent zu sein. An der Unterhaltung des Männerchors, des Musik- oder Turnvereins, an der Generalversammlung der Raiffeisenbank, an den Appowila Highland Games. Er tue dies, um die Leute zu spüren und um ihnen Anerkennung entgegenzubringen. Die ehrenamtliche Arbeit der Vereine sei wichtig für eine Gemeinde. Reden schwingen müsse er an solchen Anlässen nicht. «Es braucht nämlich nicht immer grosse Worte. Oft höre ich dann trotzdem: ‹Schön, bist du da.›»

Jassen, Lesen und Zügeln

Viel Zeit für Hobbys bleibt Tschirky nicht. Neben seiner politischen Arbeit als Gemeindepräsident, Kantonsrat und Präsident der Vereinigung der St.Galler Gemeindepräsidenten ist er von Berufs wegen auch in Stiftungen und Verwaltungsräten aktiv. Dazwischen klopft er gerne einen Jass – nicht in der Beiz, sondern mit der Familie. Mit seiner Frau Beatrice und den beiden Kindern Alexander (14) und Céline (16) geht er auch gerne auf Reisen und erkundet geschichtsträchtige Stätten im In- und Ausland.

Tschirky liest auch regelmässig, derzeit ein Buch über die ­russische Zarendynastie der Romanows, manchmal auch einen Wälzer über den Ersten Weltkrieg. Als studierter Historiker ­interessieren ihn die grossen ­Zusammenhänge.

Seit Sommer 2013 lebt Tschirky mit seiner Familie in Abtwil am Sonnenberg. Nach seiner Wahl zum Gemeindepräsidenten von Gaiserwald zügelte er dorthin. Würde er Stadtrat werden, müsste er gemäss Gemeinde­gesetz wieder nach St.Gallen zügeln. Schon einmal lebte er in der Stadt, von 2007 bis 2013 in Bruggen. Sind die Tschirkys in St.Gallen schon auf Haussuche? Der Stadtratskandidat wiegelt ab: «Nein, es wäre vermessen, schon jetzt nach einem neuen Heim Ausschau zu halten.»

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