OPPOSITION

Jetzt spricht der Einsprecher

Hansjürg Albrecht kämpfte bis vor Verwaltungsgericht gegen das Alterszentrum im Riethüsli. Stein des Anstosses war die Grösse des geplanten Baus. Auch nach dem Gerichtsurteil bleiben für ihn offene Fragen.
17.06.2017 | 19:21
DAVID GADZE
Nein, er sei nicht gegen Alterswohnungen. Und nein, es gehe ihm auch nicht darum, durch die Verhinderung des Neubaus für das Projekt «Betreutes Wohnen und Spitex im Riethüsli» den Wert seines eigenen Grundstücks, das direkt dahinter angrenzt, zu sichern. Hansjürg Albrecht hat andere Motive. Der Einsprecher, der bis vors kantonale Verwaltungsgericht gegen das Projekt gekämpft, auf einen Weiterzug des Urteils ans Bundesgericht aber verzichtet hatte, wollte das Quartier vor der Verschandelung bewahren. Denn das Volumen des geplanten Gebäudes mit seinen rund 80 Metern Länge sei viel zu gross. 
 
Im gesamten Projekt habe es von Anfang an verschiedene Widersprüche und Ungereimtheiten gegeben, sagt Albrecht. Vor allem in Bezug auf den geplanten Spitex-Stützpunkt. So sei die Grösse des Längsbaus einst damit begründet worden, dass die Quartierversorgung mit einem 24-Stunden-Service etwa die Hälfte der Spitex-Aufgaben ausmachen werde. Zu diesem Zweck möchte sie alle Räume an einem Ort und auf einem Geschoss angeordnet haben. Mit Punktbauten könne diesem Anliegen nicht nachgekommen werden.
 

Rolle der Spitex immer noch nicht geklärt

Nur: Weder im Betriebskonzept von 2014/15, welches ein Bestandteil des im Dezember 2013 eingereichten Baugesuchs hätte sein müssen, noch in der Absichtserklärung der CWG und der Spitex von 2012 seien der Stützpunkt und die Quartierversorgung mit einem 24-Stunden-Service erwähnt. Das Betriebskonzept sei erst im Rekursverfahren Ende April 2015 nachgereicht worden – unter dem Titel «Betreutes Wohnen im Alter mit externen Dienstleistungsangeboten im Riethüsli». «Damals war offenbar gar nicht klar, in welcher Form die Spitex ein Teil des Projekts ist», sagt Albrecht. 
 
In der Baueingabe sei von Spitex-, Büro- und Therapieräumen gesprochen worden. Aus dem Raumprogramm im nachgereichten Betriebskonzept werde aber ersichtlich, dass ein Mehrzweckraum mit kleiner Küche, ein Hobby- und Werkraum sowie mögliche Mitnutzer im Gebäude wie ein Café, ein Coiffeursalon, ein Blumenladen, ein Carsharing-Standort, eine Velovermietung oder eine Kinderkrippe vorgesehen seien. Die Büro- und Therapieräume für die Spitex würden nicht mehr erwähnt. «Gemäss diesem Betriebskonzept ist also kein Spitex-Stützpunkt vorgesehen», sagt Albrecht.

Folglich fehlten sowohl die Notwendigkeit als auch die Legitimation für einen so grossen Baukörper. Vielmehr könne das Alterszentrum auch durch drei Punktbauten erstellt werden. Diese würden das Quartier nicht wie der geplante Riegel zerschneiden. Schon die städtische Baubewilligungskommission sei zum Schluss gekommen, dass dieses Projekt städtebaulich ungenügend sei, und habe die Baubewilligung deshalb verweigert. Das kantonale Baudepartement sah dies jedoch anders. «Und einen Wettbewerb für ein Bauprojekt hat die Bauherrschaft entgegen der Empfehlung des Stadtrats abgelehnt.»
 

«Ein Stück des Riethüsliswird zerstört»

Er sei enttäuscht, sagt Hansjürg Albrecht. Enttäuscht darüber, dass seinen Argumenten gegen das Projekt kein Gewicht beigemessen wurde. Auch das Parlament habe seinerzeit der Umzonung unter dem Vorbehalt zugestimmt, dass ein Spitex-Stützpunkt realisiert werde. Indem das Verwaltungsgericht auf die Fragen der Gestaltung gar nicht eingegangen sei, sondern bloss diesen Vorbehalt für unrechtmässig erklärt habe, sei die Umzonung nun auch ohne den Stützpunkt möglich. «Wird dieses Projekt nun wie geplant realisiert, wird ein Stück des Riethüslis zerstört.» 
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