Jetzt spricht der Einsprecher

  • Hansjürg Albrecht auf der Wiese, auf der das Alterszentrum entstehen soll. Hinter ihm ist sein eigenes Grundstück.
    Hansjürg Albrecht auf der Wiese, auf der das Alterszentrum entstehen soll. Hinter ihm ist sein eigenes Grundstück. (Michel Canonica)
17.06.2017 | 19:21

OPPOSITION ⋅ Hansjürg Albrecht kämpfte bis vor Verwaltungsgericht gegen das Alterszentrum im Riethüsli. Stein des Anstosses war die Grösse des geplanten Baus. Auch nach dem Gerichtsurteil bleiben für ihn offene Fragen.

DAVID GADZE
Nein, er sei nicht gegen Alterswohnungen. Und nein, es gehe ihm auch nicht darum, durch die Verhinderung des Neubaus für das Projekt «Betreutes Wohnen und Spitex im Riethüsli» den Wert seines eigenen Grundstücks, das direkt dahinter angrenzt, zu sichern. Hansjürg Albrecht hat andere Motive. Der Einsprecher, der bis vors kantonale Verwaltungsgericht gegen das Projekt gekämpft, auf einen Weiterzug des Urteils ans Bundesgericht aber verzichtet hatte, wollte das Quartier vor der Verschandelung bewahren. Denn das Volumen des geplanten Gebäudes mit seinen rund 80 Metern Länge sei viel zu gross. 
 
Im gesamten Projekt habe es von Anfang an verschiedene Widersprüche und Ungereimtheiten gegeben, sagt Albrecht. Vor allem in Bezug auf den geplanten Spitex-Stützpunkt. So sei die Grösse des Längsbaus einst damit begründet worden, dass die Quartierversorgung mit einem 24-Stunden-Service etwa die Hälfte der Spitex-Aufgaben ausmachen werde. Zu diesem Zweck möchte sie alle Räume an einem Ort und auf einem Geschoss angeordnet haben. Mit Punktbauten könne diesem Anliegen nicht nachgekommen werden.
 

Rolle der Spitex immer noch nicht geklärt

Nur: Weder im Betriebskonzept von 2014/15, welches ein Bestandteil des im Dezember 2013 eingereichten Baugesuchs hätte sein müssen, noch in der Absichtserklärung der CWG und der Spitex von 2012 seien der Stützpunkt und die Quartierversorgung mit einem 24-Stunden-Service erwähnt. Das Betriebskonzept sei erst im Rekursverfahren Ende April 2015 nachgereicht worden – unter dem Titel «Betreutes Wohnen im Alter mit externen Dienstleistungsangeboten im Riethüsli». «Damals war offenbar gar nicht klar, in welcher Form die Spitex ein Teil des Projekts ist», sagt Albrecht. 
 
In der Baueingabe sei von Spitex-, Büro- und Therapieräumen gesprochen worden. Aus dem Raumprogramm im nachgereichten Betriebskonzept werde aber ersichtlich, dass ein Mehrzweckraum mit kleiner Küche, ein Hobby- und Werkraum sowie mögliche Mitnutzer im Gebäude wie ein Café, ein Coiffeursalon, ein Blumenladen, ein Carsharing-Standort, eine Velovermietung oder eine Kinderkrippe vorgesehen seien. Die Büro- und Therapieräume für die Spitex würden nicht mehr erwähnt. «Gemäss diesem Betriebskonzept ist also kein Spitex-Stützpunkt vorgesehen», sagt Albrecht.

Folglich fehlten sowohl die Notwendigkeit als auch die Legitimation für einen so grossen Baukörper. Vielmehr könne das Alterszentrum auch durch drei Punktbauten erstellt werden. Diese würden das Quartier nicht wie der geplante Riegel zerschneiden. Schon die städtische Baubewilligungskommission sei zum Schluss gekommen, dass dieses Projekt städtebaulich ungenügend sei, und habe die Baubewilligung deshalb verweigert. Das kantonale Baudepartement sah dies jedoch anders. «Und einen Wettbewerb für ein Bauprojekt hat die Bauherrschaft entgegen der Empfehlung des Stadtrats abgelehnt.»
 

«Ein Stück des Riethüsliswird zerstört»

Er sei enttäuscht, sagt Hansjürg Albrecht. Enttäuscht darüber, dass seinen Argumenten gegen das Projekt kein Gewicht beigemessen wurde. Auch das Parlament habe seinerzeit der Umzonung unter dem Vorbehalt zugestimmt, dass ein Spitex-Stützpunkt realisiert werde. Indem das Verwaltungsgericht auf die Fragen der Gestaltung gar nicht eingegangen sei, sondern bloss diesen Vorbehalt für unrechtmässig erklärt habe, sei die Umzonung nun auch ohne den Stützpunkt möglich. «Wird dieses Projekt nun wie geplant realisiert, wird ein Stück des Riethüslis zerstört.» 
Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Wie viele Türen hat ein Adventskalender??
 

Meistgelesen

In diesem Haus an der Neugasse in Bazenheid kam es zum Streit.
Unfälle & Verbrechen: 17.10.2017, 09:11

Tödlicher Streit unter Brüdern: Der mutmassliche Täter galt als jähzornig

Am frühen Montagnachmittag hat sich in Bazenheid ein Familiendrama ereignet.
Der frühere spanische Topstar Fernando Hierro hat soeben die Schweiz aus dem Topf der gesetzten Teams gezogen.
Sport: 17.10.2017, 14:14

Die Schweizer Nationalmannschaft trifft in der WM-Barrage auf Nordirland

Das Los hat entschieden: Will die Schweizer Fussball-Nati an der WM in Russland dabei sein, muss ...
Um diesen Vorfall geht es: Beim Spiel Luzern - St.Gallen vom Februar 2016 warf ein Anhänger Knallkörper auf den Rasen.
Ostschweiz: 17.10.2017, 11:28

St.Galler Pyrowerfer: Jetzt entscheidet das Bundesgericht

Der Fall eines Fans des FC St.Gallen, der in Luzern Knallkörper aufs Spielfeld geworfen hatte, ...
Ist eine Person vermisst, sind die ersten Stunden der Suche laut der Polizei die wichtigsten.
Kanton St.Gallen: 17.10.2017, 08:39

Spurlos verschwunden: Das Leiden der Angehörigen

Ende Oktober sind es 15 Monate, dass ein Mann aus der Ostschweiz verschwand.
Die Büro- und Gewerbeliegenschaft an der Hungerbühlstrasse 15 im Westen von Frauenfeld brennt lichterloh.
Stadt Frauenfeld: 17.10.2017, 08:28

Immenser Schaden nach Vollbrand

Lichterloh brannte in der Nacht auf gestern ein altes Haus im Westen der Stadt.
Auch im thurgauischen Mattwil hatte der Mann einen Reitstall gemietet - das Geld blieb er zu einem grossen Teil schuldig.
Kanton Thurgau: 17.10.2017, 10:48

Reitstall-Betrüger gibt Urkundenfälschung zu

Um bei Gläubigern Kredit zu erhalten, hat ein hochverschuldeter Pferdestallbetreiber Dokumente ...
Diese roten SBB-Loks werden Schritt für Schritt modernisiert. Bis 2022 sollen alle 119 Fahrzeuge in Yverdon-les-Bains VD für die nächsten zwanzig Jahren fit gemacht werden. (Archiv)
Schweiz: 17.10.2017, 11:24

Rote SBB-Loks werden moderner gemacht

Seit 25 Jahren verkehren auf dem Schweizer Schienennetz die roten Lokomotiven, die mit der ...
Dass Tabakkonsum ungesund ist, wissen die meisten Rauchenden. Das Risiko, selber zu erkranken, schätzen sie laut einer Studie aber zu tief ein.
Schweiz: 17.10.2017, 11:56

Rauchende reden Folgen ihrer Sucht schön

Rauchende unterschätzen die negativen Folgen ihres Konsums.
Unfälle & Verbrechen: 17.10.2017, 16:40

Diebe klauen Wärmeschublade

An der Fürstenlandstrasse in St.Gallen haben sich unbekannte Täter über eine Baustelle Zutritt ...
Ostschweiz: 17.10.2017, 08:26

Ein Rundgang durch die Olma von 1956

Die Olma feiert ihr 75-Jahr-Jubiläum. Wir sind ins Archiv gestiegen und haben einmalige Videos ...
Zur klassischen Ansicht wechseln