In die Welt der Bienen eintauchen

  • Beim Gymnasium Untere Waid wird bis Frühling 2018 das erste «didaktische Zentrum für Bienenwerte» in der Ostschweiz erstellt. Otto Hugentobler, Präsident des Bienenzüchtervereins, und Florin Rupper (links), Stiftungsratspräsident der Waid, freuen sich gleichermassen.
    Beim Gymnasium Untere Waid wird bis Frühling 2018 das erste «didaktische Zentrum für Bienenwerte» in der Ostschweiz erstellt. Otto Hugentobler, Präsident des Bienenzüchtervereins, und Florin Rupper (links), Stiftungsratspräsident der Waid, freuen sich gleichermassen. (Bild: Benjamin Manser)
10.07.2017 | 05:17

MÖRSCHWIL ⋅ In einem didaktischen Zentrum will der Bienenzüchterverein St. Gallen und Umgebung lehrreiche Einblicke in die Welt der Bienen geben. Ein Standort ist gefunden, noch fehlen aber rund 400 000 Franken.

Corinne Allenspach

Corinne Allenspach

corinne.allenspach@tagblatt.ch

Bienen sind weit mehr als Honiglieferanten. Und ein Leben ohne die fleissigen Tiere ist undenkbar. Das wissen spätestens nach dem mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilm «More than Honey» des Schweizer Regisseurs Markus Imhof auch jene Leute, die sich vorher noch nicht direkt mit dem Thema befasst haben. Dass der Wissensdurst betreffend Bienen auch abseits der Kinoleinwand gross ist, weiss auch der Bienenzüchterverein St. Gallen und Umgebung. Zu seinem 150-jährigen Bestehen organisierte er 2013 im Botanischen Garten St. Gallen eine umfassende Ausstellung über das Leben der Bienen. Mit einem «Riesenerfolg», wie Vereinspräsident Otto Hugentobler sagt. Allein er leitete 46 Führungen. Damals entstand auch die Idee, eine solche Ausstellung dauerhaft einzurichten, um jederzeit Führungen und Vorträge für Klassen, Vereine, Firmen oder andere Gruppen anbieten zu können. «Für unsere Mitglieder, die das ja alle hobbymässig machen, ist es sonst jedes Mal ein Riesenaufwand», sagt Hugentobler.

Perfekter Standort im Bermudadreieck der Natur

Ein Aufwand, den der Bienenzüchterverein immer gern auf sich nahm. Denn so gross das Interesse der Bevölkerung sei, so gross sei bei vielen auch das Unwissen über das Leben der Bienen. Diese haben heutzutage zwischen Pestiziden, Antibiotika und Monokulturen keinen leichten Stand. Umso wichtiger ist für den Verein, der Bevölkerung zu zeigen, wie Biene, Mensch und Natur in gegenseitiger Abhängigkeit leben. Die Idee eines «Didaktischen Zentrums für Bienenwerte» war geboren. Eine Idee, die auch bei der St. Galler Kantonalbank Anklang fand. Sie wählte das Projekt aus fast 340 Bewerbungen als eines von 37 Siegerprojekten aus und unterstützt es mit 100 000 Franken (Tagblatt vom 8. Oktober 2016). Das didaktische Zentrum wird das erste seiner Art in der Ostschweiz sein. Etwas Ähnliches gebe es erst im Luzernischen, sagt Hugentobler.

Inzwischen ist der Bienenzüchterverein einen entscheidenden Schritt weiter in der Realisierung: Seit kurzem ist ein Standort fürs didaktische Zentrum gefunden: Beim Gymnasium Untere Waid, an der Grenze Mörschwil Stadt St. Gallen. Für Hugentobler «ein super Ort mit Biotop, und quasi im Bermudadreieck der ­Natur». Sprich, nahe beim Naturmuseum und dem Botanischen Garten. Einrichten wird der Verein seine Dauerausstellung in zwei Räumen des Gymnasiums, dazu kommen Bienenstände im Freien. Die Eröffnung ist für Frühling 2018 geplant.

Für die Standortsuche hat der Verein alle Gemeinden in seinem Einzugsgebiet von Rorschach bis Gossau angeschrieben. «Praktisch alle zeigten uns eine Möglichkeit in ihrem Dorf», freut sich Hugentobler. Dass die Wahl schliesslich auf die Untere Waid gefallen sei, habe auch mit der guten ÖV-Erschliessung zu tun. Auch in der Unteren Waid freut man sich. «Als die Anfrage kam, waren wir uns schnell einig, dass das eine Win-win-Situation ist», sagt Stiftungsratspräsident Florin Rupper. Für den Verein und die Bienen sei es ein guter Ort, und zum Gymnasium passe das didaktische Zentrum mit seinem pädagogischen Hintergrund bestens. «Wir haben den Verein darum mit offenen Armen empfangen», sagt Rupper.

Wie die Ausstellung im Detail aussehen wird, das müsse man im Verein als Nächstes besprechen. Auf jeden Fall soll das Wissen sehr praxisorientiert vermittelt werden. Hugentobler macht ein Beispiel. Jeder kenne die sechseckigen Bienenwaben. «Bienen bauen aber eigentlich rund», sagt der Vereinspräsident. Wie sie trotzdem sechseckig werden, veranschaulicht er in Vorträgen gerne mit Bällchen aus Ton, die er nebeneinander legt und mit dem Wallholz auswallt. Durch das Verdichtungsprinzip entstehe das perfekte Sechseck.

Ausstellung kostet eine halbe Million Franken

Nicht nur die Details der Ausstellung sind noch offen, auch die Finanzierung. Hugentobler rechnet mit ähnlichen Kosten wie bei der Ausstellung im Botanischen Garten: rund einer halben Million Franken. Um das Geld aufzutreiben, sei man auf Sponsoren angewiesen.

www.honigbienen.ch

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