Hindernisfreies Perron als Hindernis

  • Die Parkplätze im hinteren Teil der Haltestelle Spisertor (links hinter dem Zug) müssten im Zuge der Perronerhöhung weichen.
    Die Parkplätze im hinteren Teil der Haltestelle Spisertor (links hinter dem Zug) müssten im Zuge der Perronerhöhung weichen. (Bild: Ralph Ribi)
12.07.2017 | 05:18

ST.GALLEN ⋅ Die Appenzeller Bahnen müssen die Haltekanten am Spisertor erhöhen. Die Parkplätze vor der Weinhandlung Schwander müssten deshalb aufgehoben werden. Der Eigentümer der Liegenschaften hat Widerstand angekündigt – ebenso die Stadt.

David Gadze

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Bis 2023 müssen alle ÖV-Haltestellen in der Schweiz behindertengerecht sein. Das heisst, dass ein stufenloser Ein- und Ausstieg möglich sein muss. Das betrifft auch die Haltestellen der Appenzeller Bahnen auf Stadtgebiet. Bisher sind gemäss Alexander Liniger, Mediensprecher der Appenzeller Bahnen, die Haltestellen Hauptbahnhof, Birnbäumen und Schützengarten sowie die neue Haltestelle im Riethüsli behindertengerecht, der Umbau der Haltestelle Notkersegg ist eingereicht. Bis Herbst wollen die Appenzeller Bahnen auch das Plangenehmigungsgesuch für die Erhöhung der Perrons am Spisertor beim Bundesamt für Verkehr (BAV) einreichen, zusammen mit dem Ersatz der Gleise im ganzen Abschnitt vom Spisertor bis zum Waaghaus. Die Kosten für die Arbeiten an Haltekanten und Gleisen belaufen sich auf rund 2,5 Millionen Franken. Die Bauarbeiten sollen 2019 und 2020 ausgeführt werden.

Perronhöhe verunmöglicht Zufahrt zu Parkplätzen

Das hindernisfreie Perron in stadtauswärts führender Richtung dürfte dabei ein ziemliches Hindernis darstellen. Die Appenzeller Bahnen planen, es im hinteren Bereich – also vor den Liegenschaften Burggraben 22 und 24, wo auch die Weinhandlung Schwander ist – auf 32 Zentimeter zu erhöhen. Grund dafür ist, nebst den Vorschriften zum Behindertengleichstellungsgesetz, die Verlängerung der Haltestelle für die rund 50 Meter langen Züge, die ab der Eröffnung der Durchmesserlinie Ende 2018 zwischen Appenzell und Trogen fahren werden. Deshalb müssten die neun privaten Parkplätze vor jenen Liegenschaften aufgehoben werden. Der vordere Teil des Perrons ist bereits beim Bau des Spisertor-Kreisels auf 22 Zentimeter erhöht worden. Dies soll so bleiben, da am Spisertor auch Busse halten. Im Sommer ist der Bäderbus im Einsatz und ab Dezember soll die Regiobus-Linie 151 aus Gossau, die heute am Hauptbahnhof endet, bis zum Spisertor verlängert werden.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass sich der Besitzer der Liegenschaften am Burggraben gegen die Perronerhöhung beziehungsweise die Parkplatzaufhebungen wehren wird: «Wir haben mit ihm gesprochen und wir rechnen mit Einsprachen», sagt Liniger.

Auf der anderen Strassenseite, bei der Kantonsschule am Burggraben, ist dieselbe Abstufung bei der Perronhöhe vorgesehen. Aufgrund der Anforderungen der kantonalen Denkmalpflege sei vor dem Kantiheim nur eine Höhe von 22 Zentimetern möglich. Der Abschnitt entlang des angrenzenden Pärkleins soll eine Haltekantenhöhe von 32 Zentimetern aufweisen. «Ob das BAV diese Abstufung akzeptieren wird, ist eine andere Frage», sagt Liniger. Alternativen zu den Perronerhöhungen am Spisertor gebe es nicht. «Eine Aufhebung der Haltestelle kommt für uns nicht in Frage.»

Stadt fordert eine «pragmatische Lösung»

Widerstand droht den Appenzeller Bahnen jedoch auch von der Stadt. Ihre Fachleute würden den Sachverhalt anders beurteilen, sagt Christian Hasler, Leiter Verkehr beim Tiefbauamt. «Aus unserer Sicht braucht es eine pragmatische Lösung.» Eine solche sei das vorliegende Projekt für die Haltestelle stadtauswärts nicht. «Es würde reichen, das Perron im Bereich des Unterstands bei 22 Zentimeter zu belassen und im hinteren Teil vor den Parkplätzen 12 Zentimeter hoch zu gestalten», sagt Hasler. Das BAV würde dies jedoch nicht als Lösung ansehen, da so nur eine statt mindestens zwei Zugtüren einen behindertengerechten Ein- und Ausstieg ermöglichen würde. «Wir sind von einer Einigung mit den Appenzeller Bahnen also noch weit entfernt», sagt Hasler. Je nachdem, wie das Projekt schliesslich beim BAV eingereicht werde, müsse sich die Stadt die Frage stellen, ob sie eine Einsprache machen wolle.

Letztlich gehe es um die Frage der Verhältnismässigkeit, sagt Hasler. So viele Parkplätze aufzuheben, damit die Haltestelle auf der ganzen Länge behindertengerecht werde, gehe aus Sicht der Stadt zu weit – zumal diese es aus Sicht der Standortattraktivität begrüssen würde, wenn die Weinhandlung von Philipp Schwander dort bleiben würde. «Es gibt auch einige Bushaltestellen in der Stadt, die nicht behindertengerecht sein werden, weil der bauliche Eingriff in den Strassenraum zu massiv wäre.» Bei diesen Haltestellen müsse auch weiterhin mit den ausklappbaren Rampen gearbeitet werden – ein Vorgehen, das nach Meinung der Stadt auch bei Zughalten am Spisertor möglich sein müsste.

Tiefes Perron kommt für BAV nicht in Frage

Das Perron der Haltestelle Spisertor stadtauswärts im hinteren Abschnitt nur 12 Zentimeter hoch zu bauen, sei keine Lösung, sagt AB-Sprecher Alexander Liniger. «Diese Variante haben wir bereits in einem frühen Projektstadium zusammen mit der Stadt ausgearbeitet und dem BAV zur Vorprüfung eingereicht.» Die Antwort sei negativ gewesen. Zudem sei eine Faltrampe als permanente Lösung weder für die Fahrgäste mit einer Behinderung noch für die Appenzeller Bahnen aus betrieblicher Sicht ideal.

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