Feuerwehr auf Schienen

  • Der Lösch- und Rettungszug fährt aus dem Güterbahnhof St. Gallen aus. Die Diesellok zieht die Komposition mit drei Wagen, zuhinterst rollt der Löschwagen mit zwei Leitständen für die Wasserwerfer und dem 4
    Der Lösch- und Rettungszug fährt aus dem Güterbahnhof St. Gallen aus. Die Diesellok zieht die Komposition mit drei Wagen, zuhinterst rollt der Löschwagen mit zwei Leitständen für die Wasserwerfer und dem 4 (Bilder: Reto Voneschen)
17.07.2017 | 05:17

SOMMERPROGRAMM ⋅ Lokomotivführer bei der Feuerwehr. Den Beruf, der nach dem ultimativen Bubentraum tönt, gibt es tatsächlich. Auch in der Stadt St. Gallen.

Reto Voneschen

Reto Voneschen

reto.voneschen@tagblatt.ch

Die Berufs- und Milizfeuerwehr kennt in der Stadt St. Gallen jedes Kind. Den wenigsten Städterinnen und Städtern ist aber bewusst sein, dass es im alten Güterbahnhof eine Feuerwehr auf Schienen gibt. St. Gallen ist einer von 17 Orten in der Schweiz, an denen die SBB einen Lösch- und Rettungszug stationiert haben. Und das ist kein Zufall: Hauptthema der Eisenbahnfeuerwehr ist ein Brand oder eine andere Katastrophe in einem Tunnel. In der Gallusstadt ist so etwas im Rosenbergtunnel zwischen Hauptbahnhof und St. Fiden möglich.

Ein Lösch- und Rettungszug im alten Güterbahnhof

Am vergangenen Samstag liess sich die FDP-Stadtpartei im zweiten Anlass ihres diesjährigen Sommerprogramms über Organisation, Aufgaben und Ausrüstung des Lösch- und Rettungszuges St. Gallen informieren. Dessen Equipe hat ihre Piketträume und ihre Einsatzzentrale im alten Cargo-Domizil-Gebäude im Güterbahnhof. Der Zug selber ist am Perron auf der Rückseite der alten Lagerhallen einsatzbereit parkiert. Gleich daneben sind die Radfahrzeuge der SBB-Feuerwehr abgestellt. Darunter ist auch ein speziell «hochbeiniger» Lastwagen, der über Gleisfelder an einen Einsatzort fahren kann.

Der Lösch- und Rettungszug besteht aus einer 2500 PS starken Diesellok. Sie verfügt über zwei Führerstände, damit sie, ohne zu wenden, in beide Richtungen fahren kann. Hinter ihr rollen ein Rettungs-, ein Material- und ein Löschwagen. Im Zug ist alles vorhanden, was es für jeden nur denkbaren Einsatz braucht – von der Brandbekämpfung über das Bergen entgleister Eisenbahnwagen bis hin zum Aufräumen nach einem Unfall. Angehörige der SBB-Feuerwehr leisteten im Jahr 2015 schweizweit 9527 Einsätze. Die 17-köpfige Equipe in St. Gallen kommt rund 150-mal pro Jahr zum Einsatz.

Gerüstet für eine Vielzahl möglicher Zwischenfälle

Brände und andere Zwischenfälle in Eisenbahntunnels sind – zum Glück – sehr selten. Bisher hat sich erst ein gravierender Zwischenfall dieser Art mit dem Brand eines Güterzugs im Simplontunnel ereignet. Wenn etwas passiert, ist das Schadenpotenzial für Reisende, Güter und In­frastruktur aber so hoch, dass den SBB per Gesetz das Betreiben einer speziellen Rettungsorganisation vorgeschrieben ist.

Zur Brandbekämpfung auf und neben den Schienen werden die Lösch- und Rettungszüge der SBB relativ wenig eingesetzt. Obwohl sie dafür ausgezeichnet ausgerüstet sind: Der Löschwagen im alten Güterbahnhof führt 44000 Liter Wasser mit. Dieses kann über je einen Werfer vorne und hinten am Wagen eingesetzt werden, und zwar mit einer Leistung von je 2500 Litern pro Minute. Das heisst, wenn beide Werfer voll arbeiten, ist der Wassertank innert gerade einmal zehn Minuten geleert. Die Wasserwerfer haben eine Reichweite von 70 Metern.

Gerüstet ist der Lösch- und Rettungszug auch für eine Vielfalt anderer möglicher Unfälle. Immer wieder einmal gerufen wird er, wenn ein entgleister Waggon aufs Gleis zu stellen ist; das passiert meist auf Industriegleisen, viel seltener auf normalen Bahnstrecken. Gerufen werden die Eisenbahnfeuerwehrleute aber auch, wenn es gilt, nach einem Personenunfall aufzuräumen oder einen Tierkadaver zu bergen. Oder wenn einmal ein Zug auf offener Strecke stecken bleibt. Oder eine Oberleitung heruntergerissen wird.

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