ST.GALLEN

Gutscheine für St.Galler Glasfaser-Abo: Investition oder Geldverschwendung?

Wer bei den Stadtwerken ein Abo auf dem Glasfasernetz abschliesst, erhält einen Einkaufsgutschein im Wert von bis zu 100 Franken. Das sei marktüblich und keine Verschwendung, sind die Verantwortlichen überzeugt.
13.10.2017 | 06:30
Luca Ghiselli

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Man kennt sie, die Goodies bei einem Abo-Abschluss in der Telekommunikation. Die ersten drei Monate gratis, ein Tablet dazu oder andere Zusatzrabatte. Auch die Stadtwerke machen vor diesem Trend nicht Halt: Wer ein Internet-Abo auf dem St. Galler Glasfasernetz abschliesst, erhält nach Vertragsabschluss einen Einkaufsgutschein der Detaillistenvereinigung Pro City. Damit kann in über 150 Geschäften der Stadt eingekauft werden. Die Höhe des Gutscheins variiert je nach Ansprechpartner – maximal werden Gutscheine in der Höhe von 100 Franken ausgehändigt. Aufgrund der finanziell angespannten Situation der Stadtwerke stellt sich da die Frage: Wäre dieses Geld nicht besser andernorts investiert? Und taugen die Gutscheine als Werbemassnahme überhaupt?

20000 Franken in Gutscheinen verschenkt

Peter Jans, Direktor der Technischen Betriebe, ist überzeugt, dass sich die Pro-City-Gutscheine als Marketingmassnahme auszahlen. «Das ist nur eine in einer ganzen Reihe von Massnahmen im Werbekonzept der Stadtwerke», sagt Jans. Seit April 2016, also seit der Eröffnung des Online-Shops der Stadtwerke, werden solche Aktionen durchgeführt. Seither wurden Gutscheine im Wert von rund 20000 Franken verteilt. «Zum Teil sprechen wir damit Personen an, die umgezogen sind», sagt Jans. In anderen Fällen würden unter dem Titel «Kunden werben Kunden» auch bestehende Abonnenten angeschrieben. Solche Massnahmen seien marktüblich, jeder grössere Telekommunikationsanbieter führe ähnliche Aktionen durch. «Wir sind mit dem Glasfasernetz im Markt, wir wollen Kunden gewinnen», sagt Jans. Abgesehen von der Swisscom, die eine eigene Leitung im Netz betreibt und vermarktet, gibt es elf weitere Provider auf dem St. Galler Glasfasernetz. Viele davon sind kleine Anbieter. «Die meisten haben die Möglichkeiten gar nicht, grosse Werbekampagnen durchzuführen», sagt Jans. Das übernehmen also die Stadtwerke, mit Plakaten, Werbung auf den Bildschirmen in den Bussen, und eben, Gutscheinen. Finanziert wird das über eine Provision, welche die Provider den Stadtwerken für jeden Abschluss bezahlen, der über das Kundenzentrum an der Vadianstrasse oder den Online-Shop zustande kommt. Ein Teil dieser Provision würde dann zu Marketingzwecken weiterverwendet – und dazu gehören auch die Pro-City-Gutscheine. Der Zusammenhang zu den 318 Millionen Schulden, welche die Stadtwerke 2016 ausgewiesen haben und die SVP-Fraktion im Stadtparlament dazu bewogen, sich bei der Genehmigung des Geschäftsberichts zu enthalten, kann laut Jans nicht hergestellt werden.

«Das sind finanzielle Mittel, die investiert wurden», sagt Jans. Einen Teil davon mache auch das Glasfasernetz aus. Ziel sei, diese Investition zu refinanzieren. Dafür brauche es aber eine positive Entwicklung bei den Kundenzahlen. «Wir haben alle Interesse daran, dass diese Zahlen weiter steigen. Dafür müssen wir aber aktiv sein», sagt Jans. Telekommunikation sei ein umkämpfter Markt, die Stadtwerke operierten innerhalb dieses Markts als Unternehmen und müssten auch so handeln, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Mit der Entwicklung der Kundenzahlen zufrieden

Wie steht’s mit der Effizienz? «Wir sind mit der Entwicklung der Kundenzahlen zufrieden», sagt Peter Jans. Rund 7000 Haushalte würden bis Ende Jahr das Glasfasernetz nutzen – Swisscom-Nutzer nicht mitgerechnet. Die Zahlen zeigten, dass sich die Gutscheinaktion lohne. Deshalb daure sie auch noch an. «Wenn wir damit noch das lokale Gewerbe unterstützen, schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe.»

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