Gutscheine für St.Galler Glasfaser-Abo: Investition oder Geldverschwendung?

  • Bis 2018 wird der flächendeckende Bau des Glasfasernetzes abgeschlossen sein.
    Bis 2018 wird der flächendeckende Bau des Glasfasernetzes abgeschlossen sein. (Bild: Urs Bucher)
13.10.2017 | 06:30

ST.GALLEN ⋅ Wer bei den Stadtwerken ein Abo auf dem Glasfasernetz abschliesst, erhält einen Einkaufsgutschein im Wert von bis zu 100 Franken. Das sei marktüblich und keine Verschwendung, sind die Verantwortlichen überzeugt.

Luca Ghiselli

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Man kennt sie, die Goodies bei einem Abo-Abschluss in der Telekommunikation. Die ersten drei Monate gratis, ein Tablet dazu oder andere Zusatzrabatte. Auch die Stadtwerke machen vor diesem Trend nicht Halt: Wer ein Internet-Abo auf dem St. Galler Glasfasernetz abschliesst, erhält nach Vertragsabschluss einen Einkaufsgutschein der Detaillistenvereinigung Pro City. Damit kann in über 150 Geschäften der Stadt eingekauft werden. Die Höhe des Gutscheins variiert je nach Ansprechpartner – maximal werden Gutscheine in der Höhe von 100 Franken ausgehändigt. Aufgrund der finanziell angespannten Situation der Stadtwerke stellt sich da die Frage: Wäre dieses Geld nicht besser andernorts investiert? Und taugen die Gutscheine als Werbemassnahme überhaupt?

20000 Franken in Gutscheinen verschenkt

Peter Jans, Direktor der Technischen Betriebe, ist überzeugt, dass sich die Pro-City-Gutscheine als Marketingmassnahme auszahlen. «Das ist nur eine in einer ganzen Reihe von Massnahmen im Werbekonzept der Stadtwerke», sagt Jans. Seit April 2016, also seit der Eröffnung des Online-Shops der Stadtwerke, werden solche Aktionen durchgeführt. Seither wurden Gutscheine im Wert von rund 20000 Franken verteilt. «Zum Teil sprechen wir damit Personen an, die umgezogen sind», sagt Jans. In anderen Fällen würden unter dem Titel «Kunden werben Kunden» auch bestehende Abonnenten angeschrieben. Solche Massnahmen seien marktüblich, jeder grössere Telekommunikationsanbieter führe ähnliche Aktionen durch. «Wir sind mit dem Glasfasernetz im Markt, wir wollen Kunden gewinnen», sagt Jans. Abgesehen von der Swisscom, die eine eigene Leitung im Netz betreibt und vermarktet, gibt es elf weitere Provider auf dem St. Galler Glasfasernetz. Viele davon sind kleine Anbieter. «Die meisten haben die Möglichkeiten gar nicht, grosse Werbekampagnen durchzuführen», sagt Jans. Das übernehmen also die Stadtwerke, mit Plakaten, Werbung auf den Bildschirmen in den Bussen, und eben, Gutscheinen. Finanziert wird das über eine Provision, welche die Provider den Stadtwerken für jeden Abschluss bezahlen, der über das Kundenzentrum an der Vadianstrasse oder den Online-Shop zustande kommt. Ein Teil dieser Provision würde dann zu Marketingzwecken weiterverwendet – und dazu gehören auch die Pro-City-Gutscheine. Der Zusammenhang zu den 318 Millionen Schulden, welche die Stadtwerke 2016 ausgewiesen haben und die SVP-Fraktion im Stadtparlament dazu bewogen, sich bei der Genehmigung des Geschäftsberichts zu enthalten, kann laut Jans nicht hergestellt werden.

«Das sind finanzielle Mittel, die investiert wurden», sagt Jans. Einen Teil davon mache auch das Glasfasernetz aus. Ziel sei, diese Investition zu refinanzieren. Dafür brauche es aber eine positive Entwicklung bei den Kundenzahlen. «Wir haben alle Interesse daran, dass diese Zahlen weiter steigen. Dafür müssen wir aber aktiv sein», sagt Jans. Telekommunikation sei ein umkämpfter Markt, die Stadtwerke operierten innerhalb dieses Markts als Unternehmen und müssten auch so handeln, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Mit der Entwicklung der Kundenzahlen zufrieden

Wie steht’s mit der Effizienz? «Wir sind mit der Entwicklung der Kundenzahlen zufrieden», sagt Peter Jans. Rund 7000 Haushalte würden bis Ende Jahr das Glasfasernetz nutzen – Swisscom-Nutzer nicht mitgerechnet. Die Zahlen zeigten, dass sich die Gutscheinaktion lohne. Deshalb daure sie auch noch an. «Wenn wir damit noch das lokale Gewerbe unterstützen, schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe.»

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Wie viele Räder hat ein Motorrad??
 

Meistgelesen

Wo bis vor kurzem drei bediente Kassen standen, wurde in der Migros Neumarkt ein dritter Eingang geschaffen.
St.Gallen: 18.10.2017, 06:36

Migros ersetzt weitere Kassen im St.Galler Neumarkt durch Selbstbedienung

Die Migros Neumarkt hat im Bleicheli einen neuen Eingang geschaffen.
Süsse Schoggikunst im Chocolarium.
Wirtschaft: 18.10.2017, 05:21

Süsse Verlockung: Ansturm aufs Flawiler Chocolarium

Mit seinem interaktiven Chocolarium zieht der Flawiler Schokoladehersteller weit mehr Besucher ...
Paarungszeit und Balzverhalten setzen bei den Reptilien in freier Wildbahn durch Vibrationen des Bodens ein.
Schauplatz Ostschweiz: 18.10.2017, 05:21

Walter-Zoo: Handgranaten-Lärm macht Krokodile scharf

In der Nähe des Walter-Zoos übt das Militär. Den Tieren macht das offenbar nichts aus.
Aus Lärmschutzgründen solle man Tempo-30-Zonen nicht einführen dürfen. Das fordert eine parlamentarische Initiative des SVP-Nationalrats Gregor Rutz.
Schweiz: 17.10.2017, 21:04

Bürgerliche bremsen Tempo 30 aus

Die Städte führen vermehrt auf Hauptverkehrsachsen Tempo 30 ein.
Marc F. Suter im Mai 2016 an einem Medienanlass auf der Bundesterrasse.
Schweiz: 18.10.2017, 06:00

Ex-FDP-Nationalrat Marc F. Suter gestorben

Der ehemalige Berner FDP-Nationalrat Marc F. Suter ist mit 64 Jahren verstorben.
In diesem Haus an der Neugasse in Bazenheid kam es zum Streit.
Unfälle & Verbrechen: 17.10.2017, 09:11

Tödlicher Streit unter Brüdern: Der mutmassliche Täter galt als jähzornig

Am frühen Montagnachmittag hat sich in Bazenheid ein Familiendrama ereignet.
In diesem Haus an der Neugasse in Bazenheid kam es zum Streit.
Kanton St.Gallen: 18.10.2017, 09:17

Bruder getötet: Täter ist in der Klinik

Der 28-jährige Schweizer, der am Montagnachmittag in Bazenheid seinen Bruder mit einem Messer ...
Am Mittwoch kommen die neuen Zehnernote in Umlauf.
Schweiz: 18.10.2017, 08:26

Quiz: Wie gut kennen Sie die Schweizer Banknoten?

Nur Bares ist Wahres: Heute kommt die neue Schweizer Zehnernote in Umlauf.
Ist eine Person vermisst, sind die ersten Stunden der Suche laut der Polizei die wichtigsten.
Kanton St.Gallen: 17.10.2017, 08:39

Spurlos verschwunden: Das Leiden der Angehörigen

Ende Oktober sind es 15 Monate, dass ein Mann aus der Ostschweiz verschwand.
Die Hostie ist für Katholiken der Leib Christi und kein Snack: Liveübertragung des Festgottesdienstes in Sachseln an den Gedenktagen für den Heiligen Niklaus von Flüe vom September.
Schweiz: 18.10.2017, 10:00

Eine Hostie ist kein Snack: Rüffel für SRF

Der SRG-Ombudsmann Roger Blum hat eine Beanstandung gegen einen Beitrag der SRF-Sendung "Schweiz ...
Zur klassischen Ansicht wechseln