FASNACHTSEHRE

Géraldine Brot ist die neue St.Galler Ehren-Födlebürgerin

Jede Fasnacht zeichnen die St.Galler Ehren-Födlebürger (Föbü) jemanden aus, der speziellen Mut - eben "Födle" - bewiesen hat oder sich speziell für die Allgemeinheit einsetzt. Am Samstagabend ging der diesjährige Titel einer Ehren-Födlebürgerin (Föbine) an die Boxerin und Polizistin Géraldine Brot.
10.02.2018 | 20:10
Aktualisiert:  10.02.2018, 21:00
Reto Voneschen
Die neue Trägerin des Ehrentitels der St.Galler Fasnacht wurde wie üblich am Abend des Fasnachtssamstags im Rahmen eines ausgeklügelten Rituals in die Reihen der Föbüs und Föbinen aufgenommen. Der Ehrentitel wurde damit seit 1973 zum 44. Mal vergeben. Zum Kreis der so geehrten gehören jetzt neun Frauen und 37 Männer.

Video: Géraldine Brot im Konfettihagel

Der "Verschuss" der neuen Ehren-Födlebürgerin: Géraldine Brot wird der letzte Rest Spiessertum mit einer Konfettiladung aus der Kanone von Ur-Ehren-Födlebürger Max Oertli ausgetrieben. (Reto Voneschen)


 
Die neue Föbine ist die Tochter der St.Galler Boxlegende Hugo Brot. Er hatte als Aktiver 438 Boxkämpfe bestritten. In den meisten blieb er siegreich: Brot verlor gerade einmal 28 seiner Kämpfe und 44 endeten unentschieden. Im Mai 2017 starb er 89-jährig. Beim Boxclub St.Gallen tritt Géraldine Brot als Präsidentin und als Trainerin in die Fussstapfen ihres Vaters.
 

Drei letzte Wünsche

Als Hommage an ihren Vater kam die neue Föbine maskiert als Hugo Brot auf die Bühne. Wie üblich durfte sie vor der Dusche mit Konfetti drei letzte Wünsche äussern. Géraldine Brot wünschte sich als erstes einen neuen, attraktiven Marktplatz – und zwar mit einer richtig grossen Tiefgarage und das noch vor ihrer Pensionierung. Zweitens wünschte sie sich die Teilnahme der St.Galler Stadtratsmitglieder am nächsten Boxmeeting vom 8./9. September im St.Galler Waaghaus, und zwar aktiv im Ring im Rahmen eines Sparringkampfes.
Bildergalerie: Géraldine Brot ist Ehren-Födlebürgerin

Jede Fasnacht zeichnen die St.Galler Ehren-Födlebürger (Föbü) jemanden aus, der speziellen Mut bewiesen hat oder sich speziell für die Allgemeinheit einsetzt. Der diesjährige Titel ging an die Boxerin und Polizistin Géraldine Brot.



Der dritte Wunsch stiess bei den wie üblich zahlreich zum Föbü-Verschuss aufmarschierten Schaulustigen auf viel Zustimmung: Géraldine Brot wünschte sich nämlich, dass künftig die zehn Olma-Tage offiziell das werden, was sie informell für viele Städterinnen und Städter schon sind, nämlich «heilige Feiertage». Danach wurde die neue Föbine per Konfettikanone ins Fasnachtsparadies geschossen.
 

Disziplin und Verantwortung lernen

Die Leidenschaft für die Kampfsportart hat die neue Föbine von ihrem Vater. Die 43-Jährige trainierte schon als Teenager, konnte aber keine Wettkämpfe bestreiten, da es in ihrer Grösse (1,80 Meter) und Gewichtsklasse keine Gegnerinnen gab. Sie absolvierte die Ausbildung zur Punktrichterin und war auch die erste Frau in der Schweiz, die das Trainer-Diplom in dieser Sportart erhielt.

«Boxen hat auch eine erzieherische Komponente», liess sich Géraldine Brot in der Vergangenheit von den Medien immer wieder zitieren. Das Training könne auch schwierigen Typen helfen, sich besser zu kontrollieren. Heute boxt Géraldine Brot nicht mehr wettkampfmässig, sondern unterstützt vor allem andere beim Training. Sie ist überzeugt, dass man beim Boxen Disziplin und Verantwortung lernen kann.
 

Polizistin und Fasnächtlerin

Géraldine Brot ist in der Stadt St.Gallen aufgewachsen und hat hier ursprünglich eine KV-Lehre absolviert. 1995/96 durchlief sie die Polizeischule. Heute arbeitet sie beim Auftragsdienst der Stadtpolizei St.Gallen. Die neue Föbine hat aber auch fasnächtliche Spuren im Lebenslauf: In einer Guggenmusik spielte sie verschiedene Instrumente, darunter Saxophon und Zugposaune. Bis 2009 stand sie als Präsidentin auch eine Zeit lang dem Dachverband der Stadtsanktgaller Guggerinnen und Gugger, den Vereinigten Guggen St.Gallen, vor.
 
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