Gemeinde sucht Genossenschafter

  • Das Restaurant Rebstock in Berg steht zum Verkauf. Nun zieht sich die Gemeinde als möglicher Käufer zurück.
    Das Restaurant Rebstock in Berg steht zum Verkauf. Nun zieht sich die Gemeinde als möglicher Käufer zurück. (Bild: Ralph Ribi)
07.10.2017 | 08:45

BERG SG ⋅ Die Gemeinde möchte die Liegenschaft des Restaurants Rebstock nicht kaufen. Stattdessen gibt sie den Ball weiter an die Berger Bürger. Und sucht nach «innovativen Ideen».

Noemi Heule

Noemi Heule

noemi.heule@tagblatt.ch

Die Zukunft des «Rebstocks» in Berg bleibt ungewiss. Sicher ist: Die Gemeinde sieht von einer Rettung durch die öffentliche Hand ab. Wie er im aktuellen Mitteilungsblatt schreibt, hat sich der Gemeinderat gegen einen Kauf entschieden. «Der Grund liegt unter anderem darin, dass bereits mehrere finanzintensive Projekte laufen», heisst es in der Mitteilung. Mit einer Schliessung des Restaurants gehe aber auch ein Stück Dorfleben, ein Stück Kultur verloren, räumt der Gemeinderat ein. Ganz zurückziehen will sich die Gemeinde deshalb nicht. Vielmehr sucht sie nach «alternativen Lösungen» –und gibt den Ball weiter an die Bergerinnen und Berger.

«Wir wollen vorerst klären, ob überhaupt ein Interesse da ist», sagt Gemeindepräsident Sandro Parissenti. Die Bürger werden im «Berg Aktuell» aufgefordert, sich einzubringen. Dem Gemeinderat schwebt etwa eine Genossenschaft als Betreiberin der Liegenschaft vor. Wie das Haus im Dorfkern dereinst genutzt werden soll, ist aber noch völlig offen. Nun sind innovative Ideen gefragt. Bis zum 15. Oktober bleibt der Bevölkerung Zeit, Vorschläge einzureichen.

Findige Köpfe und Geldgeber

Ein Restaurant allein bleibt der «Rebi», wie ihn die Berger liebevoll nennen, wohl nicht. Eine «isolierte Nutzung» sei schwierig zu realisieren, sagt Parissenti. Dagegen könnte sich eine Kombination aus mehreren Angeboten aufdrängen, etwa als Wo­chen­end-Café und gleichzeitig als Plattform für Hofläden oder Verkaufsfläche für frisches Brot. Doch nicht nur findige Köpfe mit Ideen sind gesucht, sondern auch Geldgeber. «Wir wollen kein Luftschloss bauen», sagt Parissenti und ergänzt. «Die Zukunft des ‹Rebstocks› muss uns auch etwas wert sein.» Parissenti wünscht sich eine Trägerschaft aus der Berger Bevölkerung. Er ist sich sicher: «Der Genossenschaftsgedanke ist in der Schweiz fest verankert.» Diese Schweizer Besonderheit soll bestenfalls in Berg zum Tragen kommen.

Der Gemeinderat möchte die Bevölkerung nun möglichst schnell mobilisieren. Er erwarte nämlich nicht, dass Eigentümer Riccardo Frick mit dem Verkauf der Liegenschaft zuwarte, bis eine Lösung gefunden sei. «Schlimmstenfalls ist es dann halt zu spät», räumt er ein.

Der «Rebstock», das einzige Speiserestaurant im Berger Dorfkern, schliesst per 31. Oktober, wie Riccardo Frick Anfang September bekannt gab. Gleichzeitig bot er die Liegenschaft via Inserat zum Verkauf feil. Sechs Interessenten haben sich seither gemeldet, darunter die Gemeinde und zwei Hobbygastronomen, die den Betrieb nebenbei oder als Pächter übernehmen wollten, was für ihn keinesfalls in Frage komme. Ein konkreter Vorschlag sei bis anhin nicht eingegangen, sagt Frick, der sich noch immer wünscht, dass der «Rebstock» überlebt. Dieser sei schliesslich «eine Herzensangelegenheit». Dennoch möchte er die Liegenschaft auf jeden Fall verkaufen, notfalls an einen Investoren, der die Gaststube in Wohnungen verwandelt.

1,1 Millionen Franken beträgt der Wert der Liegenschaft laut einer Schätzung aus dem Jahr 2015. Da er seither ins Gebäude investiert habe, werde er es im November erneut schätzen lassen, sagt Frick, für den das Haus nicht rentierte: «Solange die Bevölkerung nicht öfters einkehrt, bleibt es ein Verlustgeschäft.»

 

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Wie viele Türen hat ein Adventskalender??
 

Meistgelesen

In diesem Haus an der Neugasse in Bazenheid kam es zum Streit.
Unfälle & Verbrechen: 17.10.2017, 09:11

Tödlicher Streit unter Brüdern: Der mutmassliche Täter galt als jähzornig

Am frühen Montagnachmittag hat sich in Bazenheid ein Familiendrama ereignet.
Der frühere spanische Topstar Fernando Hierro hat soeben die Schweiz aus dem Topf der gesetzten Teams gezogen.
Sport: 17.10.2017, 14:14

Die Schweizer Nationalmannschaft trifft in der WM-Barrage auf Nordirland

Das Los hat entschieden: Will die Schweizer Fussball-Nati an der WM in Russland dabei sein, muss ...
Ist eine Person vermisst, sind die ersten Stunden der Suche laut der Polizei die wichtigsten.
Kanton St.Gallen: 17.10.2017, 08:39

Spurlos verschwunden: Das Leiden der Angehörigen

Ende Oktober sind es 15 Monate, dass ein Mann aus der Ostschweiz verschwand.
Um diesen Vorfall geht es: Beim Spiel Luzern - St.Gallen vom Februar 2016 warf ein Anhänger Knallkörper auf den Rasen.
Ostschweiz: 17.10.2017, 11:28

St.Galler Pyrowerfer: Jetzt entscheidet das Bundesgericht

Der Fall eines Fans des FC St.Gallen, der in Luzern Knallkörper aufs Spielfeld geworfen hatte, ...
Die Büro- und Gewerbeliegenschaft an der Hungerbühlstrasse 15 im Westen von Frauenfeld brennt lichterloh.
Stadt Frauenfeld: 17.10.2017, 08:28

Immenser Schaden nach Vollbrand

Lichterloh brannte in der Nacht auf gestern ein altes Haus im Westen der Stadt.
Unfälle & Verbrechen: 17.10.2017, 16:40

Diebe klauen Wärmeschublade

An der Fürstenlandstrasse in St.Gallen haben sich unbekannte Täter über eine Baustelle Zutritt ...
Auch im thurgauischen Mattwil hatte der Mann einen Reitstall gemietet - das Geld blieb er zu einem grossen Teil schuldig.
Kanton Thurgau: 17.10.2017, 10:48

Reitstall-Betrüger gibt Urkundenfälschung zu

Um bei Gläubigern Kredit zu erhalten, hat ein hochverschuldeter Pferdestallbetreiber Dokumente ...
Die Arapaima schwammen am Dienstag bereits in ihren neuen Wasserbecken in der Aquatis-Anlage in Lausanne herum. Die in Südamerika heimischen Süsswasserfische können bis 4,5 Meter lang werden.
Panorama: 17.10.2017, 17:03

Am Samstag eröffnet in Lausanne das grösste Süsswasser-Aquarium Europas

Aquatis, das grösste Süsswasser-Aquarium-Vivarium Europas, wird am Samstag in Lausanne die Türen ...
Diese roten SBB-Loks werden Schritt für Schritt modernisiert. Bis 2022 sollen alle 119 Fahrzeuge in Yverdon-les-Bains VD für die nächsten zwanzig Jahren fit gemacht werden. (Archiv)
Schweiz: 17.10.2017, 11:24

Rote SBB-Loks werden moderner gemacht

Seit 25 Jahren verkehren auf dem Schweizer Schienennetz die roten Lokomotiven, die mit der ...
Vereinspräsident Bernhard Koch freut sich über die Auszeichnung für die «Freunde des Wasserschlosses Hagenwil» als Oberthurgauer des Jahres.
Amriswil: 17.10.2017, 17:51

Der Verein "Freunde des Wasserschlosses Hagenwil" wird Oberthurgauer des Jahres

Grosse Ehre für den Verein "Freunde des Wasserschlosses Hagenwil": Die Regionalplanungsgruppe ...
Zur klassischen Ansicht wechseln