Familien das Leben erleichtern

  • Nadja Munafo unterschreibt die Petition von Wilma Moritzi (Mitte) und Franziska Frei.
    Nadja Munafo unterschreibt die Petition von Wilma Moritzi (Mitte) und Franziska Frei. (Bild: Jil Lohse)
13.06.2017 | 06:34

GAISERWALD ⋅ Was andere Gemeinden längst haben, wünschen sich zwei Abtwilerinnen auch für ihr Dorf: familienergänzende Tagesstrukturen. Ihre Unterschriftensammlung ändert aber nichts am Zeitplan des Schulrats.

Corinne Allenspach

Corinne Allenspach

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@tagblatt.ch

Es ist kein einfaches Unterfangen an diesem Morgen. Das Gebiet Erlen ist wie ausgestorben. Für Wilma Moritzi und Franziska Frei kein Problem. Sie versuchen es einfach später wieder. Schliesslich haben sie noch etwas Zeit und gut 100 Unterschriften sind seit Anfang Mai schon gesammelt. Noch bis 7. Juli wollen sie in Abtwil in möglichst vielen Quartieren für ihr Anliegen werben und weiter sammeln: Für familienergänzende Tagesstrukturen in den Schulhäusern Grund und Ebnet. Denn: «Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist heutzutage nicht so einfach, wie viele glauben», sagt Franziska Frei, Mutter von zwei Kindern im Vorschulalter und zu 40 Prozent als schulische Heilpädagogin tätig. «Tagesstrukturen würden es extrem vereinfachen für alle.»

«Auch sozial ein Gewinn für alle»

Mit ihrer Petition wollen sie informieren und sensibilisieren. «Wir haben festgestellt, dass viele Leute gar nicht wissen, was familienergänzende Tagesstrukturen sind», sagt Wilma Moritzi, dreifache Mutter und gelernte Kindergärtnerin. Tagesstrukturen sind ein niederschwelliges ganztägiges Betreuungsangebot für Schulkinder, ergänzend zum Mittagstisch. Anders als in einer Krippe kann es auch nur stundenweise genutzt werden. Dabei können die Kinder je nach Lust spielen, basteln, reden oder Hausaufgaben machen – aber immer unter Aufsicht. «Ich weiss nicht, wie viele Kinder heute allein daheim sind und ihre Zeit mit Gamen oder Fernsehen verbringen», sagt Franziska Frei.

Vor diesem Hintergrund seien Tagesstrukturen auch «sozial ein Gewinn für alle». Zumal Gleichaltrige für Kinder ab einem gewissen Alter die wichtigsten Spielkameraden seien, wie Wilma Moritzi ergänzt. Ausserdem könnten von Tagesstrukturen, bei denen jeder das zahlt, was er beansprucht, vor allem auch die Mittelschicht und sozial schwächer Gestellte profitieren.

Mit dem Ruf nach Tagesstrukturen sind die Abtwilerinnen nicht allein. Viele Städte oder grösseren Gemeinden, beispielsweise St. Gallen, Wil und Flawil, kennen solche Angebote schon lange. In Kürze folgt auch Gossau. Nachdem die Stimmbürger im November 2016 knapp Ja gesagt haben zu familienergänzenden Tagesstrukturen, wird nach den Sommerferien in drei Schulhäusern gestartet. Der Stadtrat geht von jährlichen Kosten von rund 812 000 Franken aus. Bis zu 45 Prozent könnten mit Elternbeiträgen gedeckt werden, wie Gossaus Schulpräsident Urs Blaser vor der Abstimmung sagte. Er betont, dass Tagesstrukturen in Gossau längst überfällig seien, wenn man die Anstrengungen anderer Städte anschaue.

Der Schulrat hätte es auch von sich aus gemacht

Auch in Gaiserwald ist man sich dessen bewusst. «Dass wir heute veränderte Arbeits- und Gesellschaftsmodelle haben, ist eine Tatsache», sagt Schulpräsident Jürg Seitter. «Aber ich weiss nicht, ob das Bedürfnis für Tagesstrukturen in Gaiserwald tatsächlich besteht.» Wenn ja, müsse man es selbstverständlich befriedigen. Unabhängig von der Petition habe der Schulrat in seinen Legislaturzielen 2017–2020 festgehalten, die Einführung von Tagesstrukturen zu prüfen. Dies natürlich für ganz Gaiserwald, nicht nur für Abtwil. «Das würde sonst niemand verstehen», sagt Seitter. Die Unterschriftensammlung sieht er dennoch positiv. «Ich finde es gut, wenn sich Bürgerinnen und Bürger für ihre Gemeinde einsetzen.» Zeitlich unter Druck setzen lasse man sich wegen der Petition nicht. Sollte Gaiserwald dereinst Tagesstrukturen einführen, müsse die Lösung langfristig «verhebe»: «Ein Schnellschuss bringt nichts.»

In einem ersten Schritt werde der Schulrat darum eine Bedarfsanalyse bei allen Gaiserwaldern machen, Schweizern und Ausländern. Zudem werde man sich mit der Kinderkrippe Fiorino besprechen, um zu schauen, wo eine ­Zusammenarbeit sinnvoll und möglich wäre. Wie der Zeitplan aussieht, kann Seitter nicht abschätzen. Franziska Frei und Wilma Moritzi haben der Gemeinde indes angeboten, aktiv zu helfen, falls gewünscht: «Wir wollen nicht nur fordern, sondern auch etwas beitragen.»

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