ST.GALLEN

Extrawurst für Globus und PKZ - mehr Abendverkäufe als erlaubt

In der Stadt St.Gallen verzichten die Geschäfte auf einen Sonntagsverkauf an Heiligabend, öffnen dafür am Samstagabend, 23. Dezember, ihre Türen länger. Beinahe hätte dieser Abendverkauf ohne Globus und PKZ stattgefunden.
07.12.2017 | 05:20
Elisabeth Reisp

Elisabeth Reisp

elisabeth.reisp@tagblatt.ch

Die Vorweihnachtszeit gilt im Detailhandel als die umsatzreichste des ganzen Jahres. Zu keiner anderen Zeit treibt es so viele Kunden in die Geschäfte wie im Dezember. Alle sind auf der Suche nach Geschenken und Mitbringseln für die diversen Familienessen oder füllen einfach die eigene Vorratskammer auf. Mit Sonntags- und Abendverkäufen im Dezember wollen die Detaillisten der gesteigerten Nachfrage gerecht werden. Wie ein Sonntagsverkauf allerdings ausgestaltet sein soll, das ist gesetzlich bis ins Detail festgelegt. Und dieses Gesetz ist im Kanton St.Gallen vergleichsweise strikt. Jetzt hat das Volkswirtschaftsdepartement unter der Führung von Regierungsrat Bruno Damann aber eine Ausnahme bewilligt.

Sonntagsverkauf am 24. Dezember war nicht erwünscht

Im Kanton St.Gallen gilt: Ein Geschäft darf pro Jahr vier Sonntagsverkäufe abhalten, höchstens aber zwei im selben Monat. Der Sonntagsverkauf darf von 10 bis 18 Uhr stattfinden, im Dezember allerdings nur von 12 bis 17 Uhr. Abendverkäufe sind einmal in der Woche am jeweiligen lokal festgelegten Termin erlaubt. Zudem darf jedes Geschäft an zwei ausserordentlichen Abenden im Jahr einen Abendverkauf veranstalten. Die Ausgangslage ist strikt, normalerweise wird diese problemlos eingehalten. Weil dieses Jahr der 24. Dezember aber auf einen Sonntag fällt, ist alles etwas komplizierter.

Soll man am 24. Dezember einen Sonntagsverkauf abhalten? «Wir von Pro City waren klar dagegen», sagt Ralph Bleuer, Präsident der städtischen Detaillistenvereinigung.

Die Pro City ist aber nicht alleine ausschlaggebend. Gerade grössere Ketten haben andere Vorstellungen und Wünsche. Im Sinne eines Kompromisses habe man sich auf einen Abendverkauf am Samstag, 23. Dezember, geeinigt. Da dieser Entscheid aber erst vor gut zwei Monaten fiel, gab es drei Geschäfte, die ihre zwei ausserordentlichen Abendverkäufe bereits anders eingeplant oder bereits durchgeführt hatten: Globus, PKZ und Jeanswerk. «Wenn ausgerechnet ein grosses Kaufhaus mit drei Standorten am Abendverkauf nicht mitmachen kann, wirkt sich das auf den ganzen Abendverkauf aus», sagt Bleuer. Also habe man nach einer Lösung für alle Betroffenen gesucht. Bei der städtischen Gewerbepolizei blitzte die Pro City aber ab. Die Polizei wollte keine Ausnahme für Globus, PKZ und Jeanswerk machen.

Schliesslich gelangte Globus St.Gallen mit einem Gesuch um eine Ausnahmebewilligung an den Kanton, genauer gesagt ans Volkswirtschaftsdepartement. Gestern hat es die Bewilligung für einen weiteren Abendverkauf erhalten. PKZ ist gemäss Ralph Bleuer noch in der Vernehmlassung. Das sei aber reine Formsache, PKZ werde diese Verfügung auch erhalten. Das Jeanswerk habe von sich aus entschieden, nicht mitzumachen.

Was den Kanton bewogen hat, den Geschäften einen weiteren Abendverkauf zu bewilligen, konnte noch nicht in Erfahrung gebracht werden. Gestern Nachmittag waren die zuständigen Personen nicht erreichbar.

Unia findet den Entscheid unproblematisch

«Wir sind natürlich sehr froh über diese Lösung», sagt Pirmin Schnellbaum, Geschäftsführer von Globus St.Gallen. «Als relativ kurzfristig der Entscheid fiel, am 23. Dezember einen Abendverkauf in der Stadt zu machen, hatten wir unsere aber schon abgehalten, respektive geplant.» Es habe Seltenheitswert, dass der 24. Dezember auf einen Sonntag falle, dies sollte man den Mitarbeitern gönnen, sagt Schnellbaum. Daher begrüsse er den Entscheid von Pro City, auf offene Läden an Heiligabend zu verzichten und stattdessen einen Abendverkauf am Samstag abzuhalten.

Bei ausserordentlichen Einsätzen des Verkaufspersonals schlägt die Gewerkschaft Unia in der Regel schnell Alarm. Die verlängerten Öffnungszeiten am Samstag, 23. Dezember, bis 20 Uhr seien aber nicht problematisch, sagt Leena Schmitter, Mediensprecherin der Unia. «Aus gewerkschaftlicher Perspektive sind Sonntagsverkäufe das Problem.» Wichtig sei vor allem, dass Ruhetage eingehalten werden und die Mitarbeiter auch einmal Nein sagen könnten, wenn es ihnen nicht möglich sei, an einem Sonntag oder an einem Abend zu arbeiten, sagt Schmitter.

«Wochenend- und Nachteinsätze sind gesetzlich geregelt und müssen entsprechend entlöhnt werden. Andernfalls wird das Arbeitsrecht verletzt», sagt Schmitter. In St.Gallen sei der Unia aber kein Fall bekannt, wo das Arbeitsrecht nicht eingehalten wurde.
 

Kommentar: Dieser Pragmatismus hilft dem Detailhandel

Der Kanton setzt sich über die städtischen Instanzen hinweg und bewilligt einzelnen Geschäften einen dritten ausserordentlichen Abendverkauf. Schnell ist man versucht, das zu verurteilen. Inkonsequenz, Präjudiz und Beliebigkeit sind die geläufigsten Argumente gegen aussergewöhnliche Entscheide. Die Stadtpolizei hat die Bewilligung für einen weiteren Abendverkauf verweigert und damit alles richtig gemacht. Zu sehr steht sie im Fokus, gerade wenn es um ihre strikte Bewilligungspraxis geht. Einmal von diesem Pfad abgewichen, hätte sich die Stadtpolizei für alle Zeiten Willkür und Beliebigkeit unterstellen lassen müssen.

Hingegen hat auch das Departement von Regierungsrat Bruno Damann alles richtig gemacht und einen Entscheid gefällt, der der Stadt so nicht möglich war. Mit Augenmass und der nötigen Portion Pragmatismus hat sie die Ausgangslage eingeschätzt und die Bewilligungen gesprochen. Denn erstens hat keiner der Beteiligten, weder Pro City noch die Geschäfte, diese Situation provoziert. Und zweitens handelt es sich um eine kleine Ausnahme: Ein zusätzlicher Abendverkauf bis 20 Uhr, drei Stunden länger als einem gewöhnlichen Samstag. Das ist eine marginale Ausweitung. Der Stadt, ja der ganzen Ostschweiz wird nur allzu oft vorgehalten, sie sei träge, dem Jammern verfallen und drifte immer mehr in die Bedeutungslosigkeit. Mit der in kürzester Zeit ausgestellten Ausnahmebewilligung hat der Regierungsrat jetzt gezeigt, dass es auch anders geht: pragmatisch.

Zweifellos werden Nörgler und Neider auf diesem Entscheid herumhacken. Wer aber weniger Bürokratie und dafür mehr Pragmatismus von der Verwaltung wünscht, muss diese Vorgehensweise gutheissen. Ob es wirklich notwendig ist, am Samstag vor Heiligabend die Geschäfte bis um 20 Uhr offen zu halten, ist eine andere Frage. Der Publikumsfrequenzen von 17 bis 20 Uhr werden diese Frage fürs nächste Weihnachtsgeschäft beantworten.

Elisabeth Reisp
elisabeth.reisp@tagblatt.ch

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