TRÜFFEL

Essen bei den Besten

Von den 568 Gastro-Betrieben in der Stadt kochen neun auf höchstem Niveau. So viele Lokale listet jedenfalls der neue «Gault-Millau»-Führer auf. An der Spitze rangiert das «Einstein». Der «Jägerhof» ist nach einem Jahr Pause wieder bewertet.
07.10.2017 | 08:33
Roger Berhalter

Roger Berhalter

roger.berhalter@tagblatt.ch

Das Telefon im «Jägerhof» läuft seit Tagen heiss. «Seit wir die Gault-Millau-Punkte bekommen haben, klingelt es ständig», sagt Agron Lleshi, Geschäftsführer und Küchenchef des Restaurants. Der «Jägerhof» ist eine Institution in St. Gallen und seit langem eine der besten Adressen der Stadt. Lleshi ist seit 15 Jahren im Team dabei. Er machte hier schon die Lehre, arbeitete sich nach oben, war sechs Jahre lang Küchenchef unter Vreni Giger. Im August 2016 übernahm er schliesslich das Restaurant von seiner Vorgängerin.

«In der obersten Liga der Stadt»

Kurz darauf, gut einen Monat später, erschien der Gastroführer «Gault-Millau 2017». Für eine Bewertung der neuen Küche reichte das nicht mehr. Die Tester führten den «Jägerhof» zwar auf, aber ohne Note. Im neuen «Gault-Millau 2018» ist der «Jägerhof» nun aber wieder mit 15 Punkten vertreten. Das sind etwas weniger als die 17 Punkte, die das Restaurant jahrelang trug. Aber nach wie vor kocht das «Jägerhof»-Team «in der obersten Liga der Stadt», wie die Tester vermerken.

«Ich bin stolz auf mein Team», sagt Agron Lleshi. Der 32-Jährige sieht sich nicht als Einzelkämpfer und besteht beim Fototermin mit dem «Tagblatt» darauf, dass sein Team ebenfalls aufs Bild kommt. «Wir haben die Punkte schliesslich gemeinsam erarbeitet.» Das Team ist nach dem Chefwechsel im vergangenen Jahr auch praktisch unverändert geblieben. Das ist einerseits ein Indiz für ein gutes Arbeitsklima. Anderseits hat es dem neuen Chef auch den Start erleichtert. «Schon am ersten Tag wusste jeder, was zu tun war, und um zwölf Uhr mittags waren wir parat.»

Lleshi und sein Küchenchef Adrian Spiess setzen auf eine leichte, moderne Küche. Regional und saisonal soll es sein, auf den Teller kommen zum Beispiel St. Galler Trüffel, auch das Rapsöl ist aus der Region, und die Brötchen dazu bäckt Leshis Mutter täglich persönlich. Am Mittag gib es zwei einfache Menüs sowie einen gehobeneren Business Lunch. Am Abend ist die Karte geografisch aufgeteilt: «Aus der Region» und «Aus der Ferne». Aktuell stehen auf der Abendkarte zum Beispiel Saiblingfilet mit Pumpernickel und Radiesli («Region») oder Pata-Negra-Schweinebacke mit Knoblauch und Lavendel («Ferne»).

Neben der Küche kommt auch das Lokal moderner und aufgeräumter daher. Lleshi hat beim Rorschacher Künstler Peter Hirzel passende Bilder malen lassen, da und dort setzt schwarze Farbe Akzente. Lleshi ist zufrieden: «Jetzt ist der ‹Jägerhof› so, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Das bin ich.»

Derzeit gibt es in der Stadt 568 Gastrobetriebe, so viele wie noch nie (gestrige Ausgabe). Neben dem «Jägerhof» listet «Gault-Millau» weitere acht Lokale auf, die in der obersten Liga kochen. Eines davon ist neu vertreten: Das «Barz» an der Bankgasse hat die Tester mit einer «Slow-Food-Alpenküche aus regionalen Produkten» überzeugt. Markus Schenk als Gastgeber und Nicola Spimpolo in der Küche haben auf Anhieb 13 Punkte geholt.

Poulet-Kebab als Gruss aus der Küche

An der Spitze der Rangliste ist mit 17 Punkten erneut das Restaurant im fünften Stock des Hotels Einstein. Die Tester schwärmen von einem «unglaublichen Essen», das sie dort genossen hätten, vom Mini-Poulet-Kebab mit Gurken-Ayran als ersten Gruss aus der Küche bis zum vierteiligen zweiten Dessert. Sebastian Zier und Moses Ceylan haben das Restaurant 2015 übernommen. «Das Duo steht für Avantgarde und Perfektion, moderne Techniken und geniale, herausfordernde Kreationen», urteilen die Tester.

Ein Blick auf die Liste der Besten zeigt: Das Essen in St. Gallen ist besser geworden. Das Niveau der Top-Lokale ist entweder gleich geblieben oder gestiegen. Zwei Erststock-Beizen konnten sich verbessern: Die «Alte Post» an der Gallusstrasse um Cornelia und Alexander Zimmermann hat neu 14 Punkte. Dort assen die Tester einen «der besten Hackbraten, den wir je hatten». Das «Neubad» von Timo Zuberbühler an der Bankgasse hat neu 13 Punkte und zählt gemäss «Gault-Millau» «zu den stimmungsvollsten Lokalen der Stadt».

1Leserkommentar
Weitere Artikel