Eine Villa wird reisetauglich

  • Bald bereit für den grossen Rutsch: Auf den stählernen Schienen wird die Villa Jacob nach vorne geschoben.
    Bald bereit für den grossen Rutsch: Auf den stählernen Schienen wird die Villa Jacob nach vorne geschoben. (Urs Bucher)
09.06.2017 | 07:38

ST.GALLEN ⋅ Kurze Distanz, lange Vorbereitung: Damit die Villa Jacob im August um 20 Meter verschoben werden kann, fallen rund 20'000 Arbeitsstunden an. Im Moment ist die Villa auf 200 Stahlstützen aufgebockt.

Christina Weder
Der Termin für den grossen Rutsch steht fest. Am 16. August soll die denkmalgeschützte Villa Jacob am Rosenberg verschoben werden. Sie macht Platz frei für den Neubau des Marthaheims, den die Gemeinnützige und Hilfs-Gesellschaft der Stadt St. Gallen (GHG) plant. Die Villa wird dafür 20 Meter Richtung Süden an ihren neuen Standort gerutscht. Die Verantwortlichen rechnen mit bis zu 2000 Schaulustigen, die das Spektakel anlockt. Doch bis es so weit ist, braucht es einiges an Vorarbeit. 

"Der grösste Teil ist bereits gemacht", sagt Rolf Iten. Der Bauingenieur ist Inhaber der Innerschweizer Firma Iten AG, die sich auf Gebäudeverschiebungen spezialisiert hat. Jährlich verschiebt die Firma Iten schweizweit ein bis vier Häuser. Ihr bisher grösstes Projekt war die Verschiebung der Maschinenfabrik Oerlikon vor fünf Jahren.
 

Kosten betragen über zwei Millionen

Rolf Iten schaut alle zwei Wochen persönlich auf der Baustelle bei der Villa Jacob auf dem Kreuzacker vorbei. Er klärt Fragen und bespricht Details. "Die Verschiebung ist nicht zu unterschätzen", sagt er. Sie kostet über zwei Millionen Franken. Rund 20'000 Arbeitsstunden sind nötig, um die Villa auf den grossen Rutsch vorzubereiten.

Seit November sind täglich sechs bis zehn Arbeiter auf der Baustelle beschäftigt. Sie haben den künftigen Standort vorbereitet und ein neues Fundament errichtet. Und sie haben die Villa Jacob am alten Standort freigelegt. Im Moment ist es möglich, unter dem Gebäude hindurchzuschauen. Iten schätzt dessen Gewicht auf 3600 Tonnen. Gestützt wird es zurzeit mit einem Betonriegel und rund 200 Stahlstützen, die später entfernt werden.

Unter der Villa Jacob haben die Arbeiter im Mai zwölf Schienen verlegt, sogenannte Verschubbahnen aus rund 100 Tonnen Stahl. Auf ihnen wird die Villa im August an ihren neuen Standort befördert. Sie muss dafür noch auf Stahlträger "gesetzt" werden, die dann mittels hydraulischer Pressen auf den Schienen entlanggestossen werden. Zwei der zwölf Stahlträger werden mit Rollen ausgestattet. Die Villa wird also sowohl gerutscht als auch gerollt. Man habe sich aufgrund des zu überwindenden Gefälles für eine Kombination entschieden, sagt Iten. 
Er rechnet damit, dass die Villa drei bis vier Meter pro Stunde zurücklegen wird. Voraussichtlich dauert die Verschiebung etwa sieben Stunden – "wenn alles reibungslos läuft". Am Abend des 16. Augusts soll die Villa Jacob dann an ihrem neuen Standort ankommen.
 

Gefälle muss überwunden werden

Dieser liegt 20 Meter vom bisherigen entfernt, zwei Meter tiefer und zwei Meter weiter westlich. Das Gebäude muss also leicht diagonal verschoben werden und Gefälle überwinden. "Das macht die Sache anspruchsvoll", sagt Iten. Heikel ist das Manöver aber auch, weil eine Hausecke auf dem abgestützten Bereich des Schorentunnels zu stehen kommt. Da der Tunnel aber unter keinen Umständen zusätzlich belastet werden darf, musste eine Lösung gesucht werden. Es wurde eine Plattform betoniert, die auf Pfählen ruht und den Tunnel nirgends berührt. Auf ihr wird die betreffende Hausecke abgestellt. Dieses Problem sei gelöst, sagt Iten.

Doch es warten weitere Herausforderungen auf den Bauingenieur und sein Team. So muss laut Iten jeder Schlauch der Hydraulikpresse richtig sitzen, damit der enorme Druck aufgebaut werden kann, den es braucht, um die Stahlträger nach vorne zu bewegen. Er entspricht dem Druck in 3000 Metern Wassertiefe. Zudem müssen die 600 Meter Verschubbahnen dem Gewicht standhalten. "Da müssen wir jeden Meter überprüfen." Bis am 16. August bleibt dafür noch Zeit. 
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