KAFFEEKULTUR

Eine Familie für Kaffeeliebhaber

Die Kaffeerösterei Baumgartner in der Multergasse hat ihren Laden umgebaut und nimmt mit einer neuen Kaffeemaschine den Barista-Trend auf. Aber das traditionelle Handwerk wird weiterhoch gehalten.
06.07.2017 | 07:51
Beda Hanimann

Beda Hanimann

beda.hanimann

@tagblatt.ch

Manche Geschäfte laden schon ein Jahr nach ihrer Eröffnung zum grossen Jubiläumsfest, mit Rabatten und Sonderangeboten. Auch in der Kaffeerösterei Baumgartner an der Multergasse wird am Samstag gefeiert. Aber es geht nicht um den erfolgreichen Start eines Jungunternehmers, der gerade die neue Faszination am Kaffee entdeckt hat. Christoph Baumgartner ist Inhaber eines der traditionsreichsten Geschäfte in der Stadt.

Da gab es schon manches Jubiläum zu feiern. Diesmal aber ist ein Umbau des Ladenlokals der Grund zur Freude. Eigentlich habe er nur die Schaufensterfront erneuern wollen, sagt Baumgartner, doch dann habe eines das andere ergeben. Nun kommt das altehrwürdige Haus zu einem neuen Lift mit teilweise verglastem Liftschacht.

Mit Holzeinfassungen und abgerundeten Schaufenstern ist die Gassenfront nach dem Umbau eine Reminiszenz an die klassischen alten Comestiblesläden. «Die Schaufensterfront sieht jetzt wieder aus wie etwa 1900», sagt Baumgartner. Im Innern wurden die fast vierzig Jahre alten Regale nicht herausgerissen, sondern bis zur Decke hochgezogen. «Das gibt eine schönere Raumwirkung, und das Gewölbe im niedrigeren hinteren Teil kommt besser zur Geltung», sagt Baumgartner.

Familienbetrieb seit 1799

Dieses Bewusstsein für Historisches passt zum 72-jährigen Firmeninhaber – und zu seinem Betrieb. Die über dem Laden liegenden Räume strahlen eine schon fast museale Aura aus. Im ersten Stock steht die Röstmaschine aus dem Jahr 1953, die Baumgartner noch fast täglich in Betrieb nimmt. Mit einer ebenso simplen wie einleuchtenden Erklärung: «Die ist immer noch gut.» Die Büroräume sind voller kleiner Handröstgeräte aus der Zeit, als Kaffeeliebhaber die Bohnen noch zu Hause rösteten. Und an den Wänden hängen Porträts von Baumgartners Vorfahren.

Als Gründungsjahr des Unternehmens gilt 1799, das Jahr, in dem die Familie Baumgartner das Haus an der Multergasse 6 gekauft und ein Lebensmittel­geschäft eröffnet hatte. Ob sie schon vorher mit Lebensmitteln gehandelt hat, weiss Baumgartner nicht. Später wurden Zucker und Salz von der Kaffeerösterei verdrängt, dann kam Tee dazu. «Kaffee und Tee, das ergänzt sich gut», sagt Baumgartner, der den Familienbetrieb in sechster Generation führt. «Die Betriebsübergaben kamen immer recht überraschend», sagt er. «Die haben gearbeitet, bis sie tot umfielen», ergänzt er mit trockenem Humor. Er selber stieg 1974 als 29-Jähriger direkt aus dem HSG-Studium ein, nachdem sein Vater einen Hirnschlag erlitten hatte. Nun steht ein weiterer Generationenwechsel an, ein fliessender endlich einmal: Im Herbst tritt Baumgartners Tochter, die derzeit noch im Grand Resort Bad Ragaz arbeitet, ins Unternehmen ein.

Jede Maschine verlangt ihre Kaffeemischung

In den gut vier Jahrzehnten seiner Tätigkeit hat Baumgartner manche Veränderung erlebt. Den Markt sehr nachhaltig beeinflusst habe die Erfindung von Nespresso, sagt Baumgartner. Interessant findet er, wie die Entwicklung neuer Kaffeemaschinen die Beliebtheit der verschiedenen Kaffeemischungen beeinflusst habe. «Eine neue Maschine verlangt auch eine andere Mischung, weil die Eigenschaften der einzelnen Sorten je nach Zubereitungsart anders hervortreten», erklärt der Experte.

Eine neue Kaffeemaschine spielt auch beim nun realisierten Ladenumbau eine Rolle. Dank ihr können Kunden künftig die zehn Baumgartner-Mischungen im Laden probieren. «Damit nehmen wir den Barista-Trend auf», sagt Baumgartner. Eine Etage höher jedoch bleibt alles beim Alten. Für seine Mischungen wird Baumgartner weiterhin die 64-jährige Röstanlage einheizen.

Eröffnungsfest

Samstag, 8. Juli, mit Kostproben, Italo-Jazz von The Mozzarellas und 10 Prozent Eröffnungsrabatt aufs ganze Sortiment.

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