Die Wehmut schwingt mit

  • «Habe viel ausprobiert»: Daniel Kiefer startete seine Laufbahn als Pfarrer in Wittenbach.
    «Habe viel ausprobiert»: Daniel Kiefer startete seine Laufbahn als Pfarrer in Wittenbach. (Jil Lohse)
16.06.2017 | 09:17

ABSCHIED ⋅ Nach der Probezeit verlässt der evangelisch-reformierte Pfarrer Daniel Kiefer Wittenbach. Die Trennung nach bereits zwei Jahren stimmt Kiefer traurig, aber auch hoffnungsvoll.

Sebastian Schneider
Er hatte es sich gewiss anders vorgestellt, als er vor zwei Jahren mit seiner Frau, der Tochter und den beiden Söhnen nach Wittenbach zog. Daniel Kiefer gab im Juli 2015 auf dem Vogelherd seinen Einstand als evangelisch-reformierter Pfarrer. Mit viel Elan und neuen Ideen nahm er seine Arbeit auf. Nun sind seine Arbeitstage in Wittenbach gezählt. Kiefer sitzt am Pult seines Büros im neuen Kirchenzentrum Vogelherd. T-Shirt, kurze Hosen und Turnschuhe. Der 31-Jährige macht einen lockeren Eindruck, obschon im Gespräch eine gewisse Vorsicht und Zurückhaltung zu vernehmen ist. Im Büro arbeitet Kiefer nur noch bis Ende Monat. Am Sonntag, 10 Uhr, gibt er seinen Abschiedsgottesdienst. Im Juli wechselt er zum Kirchkreis Heiligkreuz und übernimmt dort die Aufgaben als Pfarrer bis Ende Jahr. Damit wurde Kiefer Zeit gegönnt, um eine neue Stelle zu suchen. Ende April stellte sich Kiefer nicht zur Wahl als Pfarrer; er wurde daraufhin von der Kirchgemeinde Tablat von einem Teil seiner Arbeit in Wittenbach entlastet. Kiefer übernahm dafür erste Gottesdienste und Seelsorgebesuche in Heiligkreuz.

«Als Pfarrperson kannst du es kaum allen recht machen», sagt Kiefer. Es habe viele Leute gegeben, die seine Arbeit geschätzt hätten, auf der anderen Seite hätten sich einige einen anderen Stil gewünscht. Kritiker innerhalb der Gemeinde hätten ihn letztlich dazu gebracht, sich nicht zur Wahl zu stellen. «Ich dachte sehr lange darüber nach», sagt er im Rückblick. Die Leitung der Kirchgemeinde Tablat versuchte, in dieser Sache den Ball so flach wie möglich zu halten. Auch mit der Begründung des Persönlichkeitsschutzes wurden Details zu den Hintergründen nicht publik gemacht. Wie es mit Kiefers Nachfolge aussehen wird, darüber werden die Verantwortlichen an einem Treffen informieren, das auf den 27. Juni in der Kirche Vogelherd angesetzt ist.

 

Vieles probiert, vieles gelernt

Daniel Kiefer seinerseits ist noch auf der Suche nach einer neuen Anstellung als Pfarrer. Seinen Beruf liebe er noch immer. «Ich und die Gemeinde passten letztlich nicht zusammen. Das ändert nichts daran, dass ich meinen Beruf gerne ausübe und mir die Arbeit Freude bereitet.» Für die Wittenbacher wünscht sich Kiefer, dass sie einen Pfarrer finden, der sich gut einbringen, der mit viel Akzeptanz seine Arbeit verrichten kann. «Die Zukunft nehme ich auch zum Thema beim Abschiedsgottesdienst», verrät Kiefer. Es soll einen Zukunftsblick mit einem positiven Zugang geben, im Sinne von «fürschi luege». Klar, Wehmut werde bei seinem letzten Auftritt vor der Gemeinde gewiss mitschwingen. «Es stimmt mich schon auch traurig, weil es viele Kirchgänger gibt, die meine Arbeit schätzen.» Trotzdem sei er hoffnungsvoll. Für die Gemeinde, aber auch für sich selber. Daniel Kiefer, der in Ludwigshafen sein Vikariat absolvierte, würde gerne in der Schweiz bleiben, kann sich aber auch vorstellen, wieder in einer Gemeinde in Deutschland zu wirken. «Die Region ist zweitrangig, wichtiger ist das Umfeld.»

Aus der Zeit in Wittenbach habe er viel lernen können. «Ich habe Ideen ausprobiert und dabei erfahren, was funktioniert und was nicht.» Eine Andacht mit poetischen Texten zum Beispiel habe er nur einmal ausprobiert. Der Glaubenskurs oder der Bibelkreis hingegen hätten grossen Anklang gefunden. «Viele der Teilnehmer sind dank der gemeinsamen Stunden Freunde geworden.» Einige hätten versichert, dass sie die Abende auch in Heiligkreuz besuchen werden. So wie es auch einige Gemeindemitglieder gebe, die seine Gottesdienste in Heiligkreuz mitfeiern werden.

 Abschiedsgottesdienst, Kirche Vogelherd, Sonntag, 10 Uhr
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