BESTNOTEN

Der Musterschüler

Im Zeugnis von Sebastian Linke stehen fast nur Sechser. Er ist der beste Maturand seines Jahrgangs an der Kantonsschule am Burggraben. Zurücklehnen kommt für ihn trotz Bestleistung nicht in Frage – die HSG wartet.
11.07.2017 | 05:16
Luca Ghiselli

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Als er erfuhr, dass er der Beste seines Jahrgangs ist, machte Sebastian Linke keine Freudensprünge. Das hätte auch nicht ­ zu ihm gepasst. Der Maturand strahlt für seine 17 Jahre eine fast schon stoische Ruhe aus. «Klar, ich habe mich schon gefreut», sagt er. Er sehe das Resultat aber einfach als Lohn für die harte Arbeit. Sein Notenschnitt beträgt 5,925. Das ist elfmal die Note 6 und zweimal die Note 5,5. Nur in der Maturaarbeit und in Musik verpasste Linke die Höchstnote knapp. Sein Notenschnitt ist der beste aller 285 Maturandinnen und Maturanden, die in diesem Jahr die Kantonsschule am Burggraben abgeschlossen haben.

«Ich werde oft gefragt, wie ich das gemacht habe», sagt der Maturand. Seine Antwort? «Dranbleiben und Freude haben», sagt er. «Ich habe mehr gemacht als andere. Weil ich gute Vornoten hatte, wollte ich mich aber nicht ‹nur› mit Fünfern zufriedengeben.»

Das Militär muss noch warten

Aufgewachsen ist Sebastian Linke in Rotmonten, einen Steinwurf von der Universität St. Gallen (HSG) entfernt. Sein Vater, der Stadtschreiber Manfred Linke, hat bereits auf dem Rosenberg studiert – und der Sohn will es ihm nun gleichtun. «Ich weiss seit der Primarschule, dass ich an die HSG will.» Er habe sich immer für Aussenpolitik interessiert, habe im Elternhaus schon viel davon mitbekommen. «Nun freue ich mich, im Herbst mein Studium der Internationalen Beziehungen aufnehmen zu können.» Im Gegensatz zu vielen seiner Schulkollegen geht Sebastian Linke also nicht nach Zürich, Basel oder Bern, sondern bleibt in St. Gallen. «Ich fühle mich wohl hier und habe alles, was ich brauche. Warum sollte ich dann weg?» Ein Zwischenjahr, wie es viele seiner Mitmaturanden einlegen, lässt Linke aus. «Ich bin noch zu jung fürs Militär, daher absolviere ich die Rekrutenschule erst nach dem Bachelor», sagt er. Also wolle er jetzt lieber vorwärts machen.

Er sei immer ein guter Schüler gewesen, sagt Linke von sich selbst. Nur mit Fleiss liessen sich aber solche Resultate auch nicht erzielen. «Es ist eine Mischung aus Willen, Talent und Spass», sagt er. Vor allem sein Schwerpunktfach Latein und Geschichte hätten ihm immer sehr viel Freude bereitet. «Lateiner sind oft Generalisten.» Er sei ein Kopfmensch, denke gerne vernetzt und möge Zusammenhänge. «Der Hinweispfeil ist mein Lieblingssymbol.» Auch deshalb fokussiere er sich nur ungern auf ein Teilgebiet, sondern sei vielfältig interessiert. So könne er sich zum Beispiel gut vorstellen, dereinst in die Politik zu gehen. «Ich habe einfach noch nicht die Partei dazu gefunden.»

Mehr Zeit fürs Tischtennis

Bevor das Studium losgeht, will Sebastian Linke sich erst einmal entspannen – und wieder mehr seinen Hobbys nachgehen. Er ist im Tischtennisclub St. Gallen aktiv, wegen der Lernphase verpasste er aber die Teammeisterschaft. «Ich freue mich, nun wieder etwas mehr Zeit zu haben», sagt er. Was bleibt ihm von seiner Kantizeit am besten in Erinnerung? «Als der Vizebotschafter der USA die besten Lateiner des Kantons nach Bern eingeladen hat.»

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