Das Tschudiwies sagt Tschüss

  • Lehrpersonen, Schulkinder und Eltern haben mit einem Fest bereits Abschied vom Schulhaus Tschudiwies genommen.
    Lehrpersonen, Schulkinder und Eltern haben mit einem Fest bereits Abschied vom Schulhaus Tschudiwies genommen. (Bild: Ralph Ribi)
19.06.2017 | 05:17

ST.GALLEN ⋅ In weniger als drei Wochen wird das Schulhaus Tschudiwies geschlossen. Aus diesem Anlass haben Lehrpersonen, Schulkinder und Eltern am Freitag ein Fest gefeiert. Der Abschied fällt nicht allen leicht.

Luca Ghiselli

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

«This is the End», singt ein Chor von Primarschülerinnen und Primarschülern. Die Anfangszeile von Adeles Titelsong zum James-Bond-Film «Skyfall» ist Programm am Abschiedsfest vor dem Schulhaus Tschudiwies. Eltern sitzen bei Kaffee und Kuchen im Schatten der Bäume, einige Schulkinder spielen Fussball oder vergnügen sich auf der Rutschbahn. Das Ende ist zwar noch nicht ganz da, es naht aber.

Die ersten Umzugskisten stapeln sich bereits in den Gängen. Am 7. Juli wird im «Tschudiwies» letztmals unterrichtet, bevor der Schulbetrieb nach den Sommerferien im sanierten und ausgebauten Schulhaus St. Leonhard startet. Aus diesem Anlass hat die Schulleitung am Freitag zum Abschiedsfest geladen. Mit einer Kinderdisco, einer Schatzsuche und einer Festwirtschaft für die Erwachsenen wurde dem altgedienten Schulhaus bei bestem Sommerwetter die letzte Ehre erwiesen.

Die Schulanlage ist allen ans Herz gewachsen

Nicht bei allen überwiegt die Traurigkeit. Manche freuen sich auch, dass der Umzug ins neue Schulhaus bevorsteht. «Wir gehen mit gemischten Gefühlen von hier weg», sagt Schulleiter Urban Fuchs in seiner Ansprache. Zwar werde man die Schulanlage vermissen, habe man hier doch ein «schulisches Zuhause gefunden». Nun freue man sich auf die grosszügigen Räume im sanierten Schulhaus St. Leonhard, lasse gleichzeitig aber etwas zurück, das Lehrern und Schülern gleichermassen ans Herz gewachsen sei. «Man kann aber nicht alles haben. Es gehört dazu, loslassen zu können», sagt Fuchs. Das Abschiedsfest sei dazu da, «Danke» zu sagen für die schöne Zeit, die Lehrpersonen und Kinder im Tschudiwies hatten.

Auch Alfred Mallepell war am Abschiedsfest anwesend. Der Präsident des Quartiervereins Tschudiwies-Centrum hat sich von Anfang an für den Erhalt des Schulhauses eingesetzt und unter anderem eine Petition zur Rettung des Schulhauses gestartet. «Heute ist ein trauriger Tag», sagt er. Es sei eher eine Beerdigung als ein Freudenfest, auch wenn er die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben habe. «Fürs nächste Jahr ist eine Kompromisslösung inzwischen aber unwahrscheinlich, die Einteilungen sind gemacht.»

Am Samstag findet der Workshop statt

1952 wurde das Schulhaus Tschudiwies eröffnet, 65 Jahre später hat es ausgedient. «Ich kann bis heute nicht nachvollziehen, warum man das Schulhaus ohne Not einfach schliesst», sagt Mallepell. Und er werde sich am Workshop vom kommenden Samstag erneut für den Erhalt einer Grundstufe und einer Tagesbetreuung im Schulgebäude starkmachen. «Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Ich bezweifle, dass das Schulhaus ausgedient hat», sagt Mallepell. Vor über 40 Jahren hätten bereits einmal Pläne zur Schliessung des Schulhauses existiert. Um sich dagegen zu wehren, wurde damals der Quartierverein gegründet.

Das Schulhaus Tschudiwies doch noch zu retten, wird aber von Tag zu Tag unwahrscheinlicher. Das weiss auch der Quartierverein. Vizepräsidentin Ingrid Jacober verteilt Ansteckpins mit der Aufschrift «Tschudi lebt» an die anwesenden Eltern und mobilisiert für den Workshop. «Wir alle wollen ein belebtes Quartier und ein belebtes Schulareal», sagt sie.

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