OLMA-PLAKATE

Das Tattoo des Anstosses

Was macht die Olma aus? Wofür steht die Olma? Diesen Fragen muss sich die Jury bei jedem Plakatwettbewerb aufs Neue stellen, wenn sie die eingereichten Vorschläge begutachtet. Im Jahr 2004 hatte es den Jurymitgliedern ein Sujet besonders angetan: ein Bauer in einem Edelweisshemd mit einem Tattoo auf dem Unterarm (ja, dort hatte es ursprünglich ein Tattoo).
12.10.2017 | 05:19

Die Gestalterin Carol Pfenniger wollte die Olma als traditionell, aber auch jung und zeitgemäss widerspiegeln. Mit der Idee, das Datum als Tattoo auf dem Unterarm zu zeigen, war ihr ein frecher Brückenschlag gelungen. Ein Tattoo, das war der Jury 2004 dann doch etwas zu gewagt, wie Bruno Kleger von der Agentur TKF, die in der Jury vertreten ist, im Nachhinein lachend zugibt. «Heute, dreizehn Jahre später, wäre wohl auch das kein Problem mehr.» Denn die Idee sei «sackstark» gewesen.

Mit dem Verzicht auf den gesellschaftlich noch nicht ganz akzeptierten Hautschmuck seien alle Minenfelder geschickt umgangen worden, hatte sich die Jury damals gedacht. Und: Ohne Tattoo sei der hemdsärmelige Bauer ein rundum gefälliges Plakatsujet. Falsch gedacht. Denn das Plakat hat auch so mindestens eine Kritik provoziert, erinnert sich Bruno Kleger. Das hochgekrempelte Hemd sei unschicklich. Anständige Leute würden die Hemdsärmel nicht hochrollen, sondern die Arme angemessen verdecken, sei moniert worden. Was hätte der unbekannte Kritiker wohl erst gesagt, hätte auf dem blutten Arm noch ein Tattoo geprangt? (rsp)

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