ST.GALLEN

Das Gartenhäuschen als Todesfalle

Kaum wird das Wetter frühlingshaft mild, verschwinden überall in der Stadt Katzen. Zum Verhängnis wird ihnen ihre Neugier, ihr Jagdtrieb, eine offene Türe oder auch einmal ein fremder Futternapf.
19.05.2017 | 07:01
Nina Rudnicki

Nina Rudnicki

stadtredaktion@tagblatt.ch

In einigen Quartieren der Stadt fallen derzeit viele Vermisstmeldungen von Katzen auf. Vom «Tigerli» über kleine schwarze «Panther» bis hin zu Bauernhof- und Rassekatzen: Kaum werden die Tage wärmer, zieht es die Stubentiger auf Erkundungstour in die Natur hinaus. Nicht alle kehren aber wieder nach Hause zurück. Jeden Monat greift die Stadtpolizei im Schnitt fünf bis zehn Katzen auf, wobei es in der warmen Jahreszeit deutlich mehr sind als im Winter. Die Polizei erfasst die Tiere in einer Liste und bringt sie danach ins Tierheim Sitterhöfli. Andere landen via Tierschutzverein St. Gallen und Umgebung oder auch einmal via Private dort.

Keine fremden Katzen füttern

Peter Baumann, der Tierschutzbeauftragte der Stadtpolizei, nennt mehrere Gründe, weshalb derzeit wieder so viele Katzen abgängig sind. «Katzen sind Jäger. Und im Frühling gibt es viele Jungvögel. Das stärkt den Jagdtrieb.» Und eine Katze, die sich auf der Pirsch befindet, kann durchaus auch einmal ihr gewohntes Revier verlassen. Einen grösseren Einfluss als Wetter und Natur hat aber der Mensch auf das Verhalten der Katzen. Es kommt gemäss Baumann immer wieder vor, dass jemand aus falsch verstandener Tierliebe eine fremde Katzen füttert, so dass es für das Tier keine wirkliche Notwendigkeit mehr gibt, nach Hause zurückzukehren.

«Einer unseren wichtigsten Hinweise ist daher, dass man niemals fremde Katzen füttern soll», sagt der Tierschutzbeauftragte der Stadtpolizei. Katzenhaltern rät er zudem, ihr Tier auf jeden Fall chippen zu lassen. Ein Chip, über den Name und Adresse des Halters relativ einfach eruiert werden können, sei die wirksamste Methode, seine Katze wiederzufinden. Auch tote Tiere erfasst die Polizei dank des Chips und informiert anschliessend die Halter. Diese haben dann wenigstens Gewissheit, was mit ihrem Hausgenossen geschehen ist.

Offene Türen und Fenster ziehen Katzen an

Die grösste Gefahr für Katzen sind allerdings offenen Scheunen, Garagen und Gartenhäuschen. Während jemand beispielsweise draussen auf dem Vorplatz ein Autorad wechselt oder im Garten ein Beet umgräbt, verstecken sich die Katzen im Raum und werden dann aus Versehen eingeschlossen. Immer wieder kommt es vor, dass auf diese Weise Katzen elendiglich verhungern und verdursten müssen.

Das ist denn auch die grösste Angst von Lidia Haag. Sie vermisst ihren Kater Ferguson seit dem 22. April. Auf der Vermisstmeldung, die sie an mehreren Orten zwischen Schneeberg- und Felsenstrasse aufgehängt hat, bittet sie Anwohnerinnen und Anwohner, in Keller- und Garagenräumen nachzuschauen, ob sich der neun Monate alte Kater hineingeschlichen hat.

Obwohl er bereits seit drei Wochen weg ist, hat Lidia Haag die Hoffnung noch nicht aufgegeben, Ferguson zurückzubekommen. Sie weiss, die Chance ist gross, dass der Kater irgendwo eingeschlossen ist. In der Nachbarschaft seien im vergangenen Jahr auf diese Weise drei Katzen wiedergefunden worden, wobei für eine jede Hilfe zu spät gekommen sei. «Ich habe meinen Kater bei der Polizei als vermisst gemeldet und in der Nachbarschaft Info-Schreiben in den Briefkästen verteilt. Jetzt muss ich abwarten», sagt die Katzenhalterin.

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