«Bürgli» verliert die Skivermietung

  • Sie brechen nicht ins Winterlager auf: Schüler der Realschule Bürgli helfen mit, die Wintersportausrüstung aus dem Lager zu räumen.
    Sie brechen nicht ins Winterlager auf: Schüler der Realschule Bürgli helfen mit, die Wintersportausrüstung aus dem Lager zu räumen. (Bild: Jil Lohse)
05.09.2017 | 06:59

RÄUMUNG ⋅ Jahrelang konnten Schülerinnen und Schüler der Realschule Bürgli für einen tiefen Betrag Wintersportausrüstungen mieten, die der Schulleiter gekauft hatte. Mit dessen Pensionierung endet das Angebot.

David Gadze

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Es ist ein seltsames Bild, das sich gestern Nachmittag bei der Realschule Bürgli präsentiert: Mehr als 100 Snowboards, Snowblades, Skis, Skischuhe und -stöcke sowie Helme liegen auf dem Pausenplatz, säuberlich aufgereiht und sortiert. Doch die Schülerinnen und Schüler, die mithelfen, die Sachen nach draussen zu tragen, brechen nicht etwa in ein Lager in den Bergen auf. Vielmehr handelt es sich um eine Räumungsaktion von Sergio Spadini, der bis zu den Sommerferien während 27 Jahren Schulleiter war. Und in dieser Zeit eine Wintersportausrüstung zusammengestellt hat, die in St. Gallen wohl ihresgleichen sucht. Oder besser gesagt: suchte. Denn Spadini räumte gestern das Lager – unfreiwillig.

Stadt behält für Räumung 3000 Franken Lohn zurück

Im Bürgli, wo viele Schüler einen Migrationshintergrund haben und aus finanziell schwächeren Familien kommen, hätten sich viele ein Skilager gar nicht leisten können, sagt Spadini. So habe er angefangen, gebrauchte Skiausrüstungen von Kollegen oder in Wintersportgeschäften zu kaufen. Diese vermietete er dann an die Schüler für 60 Franken für die ganze Saison. «Ich sah das als Beitrag an die Integration und Gleichstellung der Schülerinnen und Schüler.» Die Sachen unterzog der ehemalige Skilehrer und Skirennfahrer regelmässig einem Service. Sie lagerten in den Kellerräumen des Schulgebäudes neben anderen Sportutensilien.

Spadini wollte die Ausrüstung ein weiteres Jahr im Schulhaus lagern beziehungsweise sie den Schülerinnen und Schülern nochmals eine Saison lang zur Verfügung stellen. Die anderen Lehrer hätten sich dafür ausgesprochen, sagt er. Doch kurz vor seiner Pensionierung sei er vom zuständigen Abteilungsleiter beim Schulamt aufgefordert worden, die ­Sachen wegzuräumen. Bei seinem Austrittsgespräch mit Stadtrat Markus Buschor am letzten Schultag habe er ihm die Sach­lage geschildert – und den Eindruck gewonnen, er solle das Angebot weiterführen. Eine Woche später bekam Spadini jedoch ­einen eingeschriebenen Brief von Schulamtsleiterin Marlis Angehrn, in welchem sie ihn rügte und ihm einen Lohnrückbehalt von 3000 Franken bis zur erfolgten Räumung mitteilte. Dieser Wert entspreche dem geschätzten bevorstehenden Räumungsaufwand.

Geht ein Mitarbeiter, gehen auch dessen Sachen

Schuldirektor Markus Buschor verteidigt die Räumung. Es sei unzutreffend, dass er Sergio Spadini signalisiert habe, er solle das Angebot weiterführen. «Ich habe ihm bestätigt, dass die Räumung von mir angeordnet wurde und ich darauf bestehe. Das hat ihm nicht gepasst.» Doch warum spricht sich das Schulamt gegen ein offenbar erfolgreiches Projekt aus? Es könne nicht sein, dass ein Schulleiter oder eine Lehrperson einen Skiverleih führe, sagt Bu­schor. «Vor allem aus Sicherheits- und Haftungsgründen nicht.» Spadini habe die Ausnahme nur erhalten, weil er versichert habe, als ehemaliger Skirennfahrer über das nötige Wissen für professionelle Skipräparation zu ­verfügen. Und die Lagerung im Schulhauskeller habe man nur deshalb zugelassen, weil Spadini sein Material den Schülern zur Verfügung gestellt habe. «Mit dem Weggang eines Mitarbeiters gehen dessen Privatsachen aber mit.» Mit Sergio Spadini sei die Räumung bis 7. Juli vereinbart gewesen. Trotz mehrfacher Rückfragen und Aufforderungen sei er seiner Leistungspflicht jedoch nicht nachgekommen, ohne dafür eine Erklärung abzugeben.

Er habe sich bei Sergio Spadini für seinen Einsatz sogar persönlich bedankt, sagt Markus Buschor. «Gerade weil wir Inte­gration ernst nehmen, gilt: Alle städtischen Schülerinnen und Schüler, nicht nur jene des Bürgli, sollen gleiche Chancen haben, Wintersport zu betreiben.» Aus diesem Grund sei im Rahmen der Neuorganisation der Direktion Bildung und Freizeit in der ersten Jahreshälfte auch der städtische Verleih von Wintersportartikeln ausgebaut und neu organisiert worden, dies «über einen pro­fessionellen Anbieter und zu weiterhin erschwinglichen, von der Stadt subventionierten Preisen». Diese würden im vergleichbaren Rahmen wie bisher liegen.

Kommentare
Kommentar zu: «Bürgli» verliert die Skivermietung
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geschrieben am 06.09.2017 21:48 | von roger meyer

Frau Angehrn, nicht schon wieder eine Bürotäterin, nur das zu lesen zu schon weh in meinen Ohren. Immer diese Bürosesselkleber, stur und kein Ansatz von Verstand und Mitgefühl für minderbemittelte, ja warum dann auch, durch ihr Lohn gehört sie sicherlich nicht dazu.
Ich frage mich, ob sie überhaupt das Recht hat, deswegen Lohnbestandteile zurück zu halten.
Und dann kommt noch Herr Buschor, der nach 27 erfolgreichen Jahren auf einmal Haftung entdeckte, lächerlich!
Und wer zahlt die Subventionen Herr Buschor?

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