Berg verliert seine Dorfbeiz

  • Noch bis Ende Oktober wird im «Rebstock» in Berg gewirtet. Danach steht die Liegenschaft zum Verkauf.
    Noch bis Ende Oktober wird im «Rebstock» in Berg gewirtet. Danach steht die Liegenschaft zum Verkauf. (Bild: Ralph Ribi)
12.09.2017 | 14:55

BERG SG ⋅ Gross war die Freude vor einem Jahr, als eine junge Pächterfamilie den «Rebstock» übernahm. Jetzt hat der Eigentümer dem Wirt gekündigt. Wegen «ausstehender Pachtzinsen», wie er sagt. Der Wirt schweigt.

Corinne Allenspach

Corinne Allenspach

corinne.allenspach@tagblatt.ch

Die Situation ist – gelinde gesagt – ziemlich vertrackt. Praktisch per sofort, auf Ende Oktober, geht das einzige Speiserestaurant im Berger Dorfzentrum zu. Eigentümer Riccardo Frick will die Wirtschaft direkt neben der Pfarrkirche verkaufen. Dazu hat er im aktuellen Mitteilungsblatt der Gemeinde ein Inserat geschaltet. «Fairerweise», wie Frick sagt, der seit über 30 Jahren mit seiner Familie in Berg wohnt. «Ich wollte die Bergerinnen und Berger informieren, bevor der Rebstock zumacht.»

Aber was ist passiert? Erst vor einem Jahr war die Freude im 850-Einwohner-Dorf gross, als eine junge Pächterfamilie das Dorfrestaurant neu übernahm und seither mit viel Elan dort wirtet. Auch Riccardo Frick war seit vergangenem September einige Male im «Rebstock»: «Und ich muss sagen, das Essen ist wirklich gut.» Der Wirt habe auch stets betont, das Restaurant laufe gut. «Leider hat er aber mehrere Pachtzinsen nicht gezahlt», sagt Frick. Darum habe er ihm jetzt auf Ende Oktober gekündigt. Ausserdem habe er einen Anwalt eingeschaltet.

Der Wirt selber will sich zu den Vorwürfen betreffend ausstehendem Pachtzins nicht äussern. «Meine Finanzen gehen Sie nichts an», kontert er am Telefon eine entsprechende Frage. Warum Riccardo Frick das Restaurant verkaufen wolle, wisse er nicht. «Aber wir haben auch nicht das beste Verhältnis zueinander», räumt der Wirt ein. Sowohl Eigentümer als auch Pächter werfen sich gegenseitig vor, sie hätten Lösungen vorgeschlagen, um die finanziellen Angelegenheiten zu regeln. Das Gegenüber habe aber ein Gespräch jeweils abgelehnt. Der Pächter betont indessen, er habe bereits alles organisiert für sein weiteres Leben und werde mit seiner Familie auch weiterhin im Dorf wohnen bleiben.

Gemeinderat muss zuerst Auslegeordnung machen

Bei der Gemeinde bedauert man die Situation sehr. «Wir halten uns aus dem persönlichen Hickhack heraus», sagt Gemeindepräsident Sandro Parissenti, der vor einem Jahr als erste offizielle Amtshandlung seinen Wahlsieg im «Rebstock» gefeiert hat. Es sei natürlich fürs Dorf «extrem schade», dass Berg seine einzige Beiz im Kern nach nur einem Jahr wieder verliere. Der Gemeinderat werde nun als erstes Kontakt aufnehmen mit Riccardo Frick, um zu erfahren, «was wirklich Sache ist». Danach werde man eine Auslegeordnung machen, und überlegen, «was der Gemeinderat machen kann und machen will». Die Frage, ob Berg seine letzte Dorfbeiz kaufen werde, wie Häggenschwil das mit dem «Ochsen» getan hat, könne er im Moment noch nicht beantworten, sagt Parissenti: «Der Gemeinderat wird sich an seiner nächsten Sitzung mit der Zukunft des ‹Rebstock› beschäftigen.»

Riccardo Frick, der hauptberuflich als Treuhänder arbeitet, weiss indes: Einen neuen Pächter will er für den «Rebstock» nicht mehr suchen. «Ich habe die Schnauze voll, ein Restaurant zu führen, in das ich sehr viel investiert habe und jetzt Jahr für Jahr Geld verliere.» Die Liegenschaft stehe deshalb in jedem Fall per Ende Oktober zum Verkauf. Ob sich in so kurzer Zeit jemand findet, der den «Rebstock» weiterführen will, bezweifelt man bei der Gemeinde. «Aber ich habe natürlich die grosse Hoffnung, dass ein neuer Wirt kommt», sagt Parissenti.

Aus Restaurant könnte Wohnhaus werden

Findet sich zwar ein Käufer, der aber nicht wirten will, könnte die Liegenschaft als Wohnhaus umgenutzt werden, schreibt Riccardo Frick im Inserat. Er selber hat den «Rebstock» 2011 von Madeleine Egger gekauft, die die Wirtschaft zuvor rund 35 Jahre geführt hatte. Fricks Sohn Dino, ­gelernter Architekt, baute den Betrieb um und erweiterte das Restaurant um einen Anbau. Der zweite Sohn Sven übernahm das Wirten, musste die Arbeit 2015 aber krankheitshalber aufgeben.

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