Aus für das Jazzin-Festival

  • Die Sängerin Melanie Russo bei ihrem Auftritt am vergangenen, letzten Jazzin.
    Die Sängerin Melanie Russo bei ihrem Auftritt am vergangenen, letzten Jazzin. (Michel Canonica)
08.06.2017 | 07:29

ST.GALLEN ⋅ Wegen Geldproblemen findet das Jazzin nicht mehr statt. Der Veranstalter des Jazzfestivals wirft den Behörden mangelnde Unterstützung vor. Dabei hatte er von Stadt und Kanton mehr Geld in Aussicht denn je.

Roger Berhalter
Die Nachricht kam per Mail und für alle überraschend. Das diesjährige Jazzin-Festival ist abgesagt. Vom 14. bis 16. September hätte das "Festival für Swing, Funk, Soul und Acid-Jazz" zum achten Mal stattfinden sollen, in der Militärkantine und im Pfalzkeller. Daraus wird nun nichts. Der Verein Jazzin habe an seiner Mitgliederversammlung beschlossen, dass "das Festival abgesagt wird und es künftig kein Jazzin mehr geben wird". Dies teilte der Veranstalter Urs C. Eigenmann gestern mit. 
 

Angemessene Gagen sind wichtig

Finanzielle Gründe haben dem Festival das Genick gebrochen. Vom letzten Jahr belastet noch ein Defizit von 9000 Franken die Vereinskasse. Zudem hat Eigenmann für das Jazzin 2017 von der Stadt und vom Kanton nicht so viel Geld erhalten wie erhofft. Er bilanziert deshalb: "Es ist nun Tatsache geworden, dass die Behörden von St.Gallen kein Jazzfestival wollen, denn sie haben schon wieder nicht den Gesuchen entsprochen." Es sei "traurig, dass St.Gallen keinen Mut hat, ein Jazzfestival leben zu lassen, das angemessene Gagen bezahlen will." Letzteres war Eigenmann wichtig. Er bestand darauf, die Künstler angemessen zu entlöhnen.  Das ist laut Eigenmann nicht selbstverständlich. Allzu oft seien Jazzkonzerte gratis oder es werde nur eine Kollekte erhoben. "Das macht die Szene kaputt."

Er zieht zum Vergleich zwei andere St.Galler Festivals heran: Das Nordklang, wo die Musiker ohne Gage spielen, und das Strassenkunst-Festival Aufgetischt, wo die Künstler vom Veranstalter keine Gage bekommen, sondern selber Hutgeld sammeln müssen. Am Jazzin sollte das anders sein, das verstand Eigenmann als politischen Auftrag des Jazzfestivals. "Auch eine Bühne ist ein Arbeitsplatz."

Neben Sponsoren und Stiftungen haben auch Stadt und Kanton das Jazzin-Festival regelmässig finanziell unterstützt. Die Stadt gab jedes Jahr eine Defizitgarantie von 3000 Franken ab, für dieses Jahr war gar eine Verdopplung auf 6000 Franken vorgesehen. "Das ist das Maximum, das wir für eine Veranstaltung dieser Art geben können", sagt Barbara Affolter von der Fachstelle Kultur. Veranstalter Eigenmann hatte mit 10'000 Franken allerdings deutlich mehr beantragt. Den Vorwurf, dass die Behörden das Festival nicht mehr wollten, lässt Affolter nicht gelten. "Wir bevorzugen oder benachteiligen keinen Kulturveranstalter. Wir wollen grundsätzlich vielfältige Kulturanlässe ermöglichen." Das Jazzin sei der Stadt sehr wohl wichtig. Affolter bezeichnet das Festival als "Plattform für regionale Jazzmusiker", und weist auf das grosse Netzwerk von Urs C. Eigenmann hin.

Beim Kanton hat Eigenmann für das diesjährige Jazzin-Festival einen Beitrag von 20'000 Franken beantragt. Erhalten hätte er 15'000 Franken, gleich viel wie im vergangenen Jahr. "Das Programm und der Rahmen des Anlasses lieferte in diesem Jahr keine Begründung für einen höheren Beitrag", sagt Marina Pondini von der kantonalen Kulturförderung. Man stehe dem Festival wohlwollend gegenüber, ziehe aber immer auch den Vergleich zu ähnlichen Veranstaltungen im Kanton. 2014 hatte der Kanton das Jazzin noch mit 6000 Franken unterstützt, 2015 waren es schon 10'000 Franken, und 2016 (und 2017) erhielt das Festival 15'000 Franken aus dem Lotteriefonds.
 

Abschiedskonzert am 14. September

Dieses Geld wird nun nicht fliessen, weil das Jazzfestival abgesagt ist. Auch der Zweck des Jazzin-Vereins ist damit hinfällig, weshalb sich die Vereinigung laut Eigenmann bald auflösen wird. Ganz verschwindet das Jazzin in diesem Jahr aber noch nicht von der Agenda. Statt des dreitägigen Festivals findet am 14. September in der Militärkantine ein Jazzin-Abschiedskonzert statt. Ab 20 Uhr spielt dort das Trio um die New Yorker Flötistin Hadar Noiberg zusammen mit der Wiener Pianistin Julia Siedl.
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