Auch die Juso will regieren

  • Andri Bösch, Kandidat der Jungsozialisten.
    Andri Bösch, Kandidat der Jungsozialisten. (pd)
07.07.2017 | 17:44

STADT ST.GALLEN ⋅ Die Juso will in den St. Galler Stadtrat. Die Jungpartei schickt Andri Bösch ins Rennen um die Nachfolge von Nino Cozzio. Und sie verspricht einen wilden Wahlkampf.

Damit hatte kaum jemand gerechnet: Auch die Jungsozialistinnen und Jungsozialisten (Juso) wollen in die Stadtregierung. Der 20-jährige Präsident der Juso des Kantons St. Gallen und Sekretär der städtischen SP, Andri Bösch, soll es richten. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Jungpartei, dass sie einen Wahlvorschlag bei der Stadtkanzlei einreicht. «Wir wollen, dass auch die Stimme der Jungen in St. Gallen gehört wird», sagt Bösch am Freitagnachmittag auf Anfrage. Er wolle etwas bewegen in dieser Stadt und aufzeigen, dass die junge Generation eben nicht nur zu Hause sitze, Fernsehserien schaue und sich auf Social Media herumtreibe, wie das oft transportiert würde.

Mit Vielfalt links der Mitte mobilisieren

Dass mit der Grünen Ingrid Jacober und dem Kandidaten der GLP (die Partei nominiert am 17. Juli) auch andere Kräfte links der Mitte kandidieren, schreckt Bösch nicht ab. Die Kandidatur sei seit der Bekanntgabe des Rücktritts von Nino Cozzio (CVP) intern diskutiert worden und sei nicht in erster Linie eine Reaktion auf die Kandidaten anderer Parteien. «Ich bin davon überzeugt, dass wir mit einer breiten Auswahl besser mobilisieren können», sagt er. Die Kandidatur gelte aber auch als Kampfansage an die Kandidaturen von Boris Tschirky (CVP) und Jürg Brunner  (SVP). «Wir wollen von links Gegensteuer geben und zeigen, dass wir diese Kandidaturen und ihre politischen Positionen nicht einfach so hinnehmen.» Dass Andri Bösch mit seiner Kandidatur womöglich den Grünen Stimmen abnimmt, hält er für unwahrscheinlich. «Im ersten Wahlgang finden wir es wichtig, links der Mitte die Diversität aufzuzeigen. CVP und FDP werden wegen uns nicht mehr oder weniger Stimmen holen», sagt Bösch. Wie es danach weitergehe, werde sich weisen.
 

Keine Rechtfertigung vor der Mutterpartei nötig

Mit der Mutterpartei SP war die Kandidatur der Juso nicht abgesprochen. «Wir sind eine eigenständige Partei und können autonom entscheiden, ob wir kandidieren oder nicht», sagt Bösch. Ob die SP die Kandidatur unterstütze, werde sich an ihrer Mitgliederversammlung weisen. Eines ist jedenfalls sicher: Die Juso will einen wilden, unkonventionellen Wahlkampf führen und so auf ihre Anliegen wie die Streichung des Wegweisungsartikels, mehr Freiraum und Urbanität aufmerksam machen. «Wir werden keine Plakatwände buchen, sondern vorwiegend auf Überraschendes setzen», sagt Bösch. Den ersten Coup hat die Jungpartei am Freitagmorgen bereits gelandet: Zu früher Stunde hat sie ein Plakat mit der Aufschrift «Ich wähle Andri» am Vadian-Denkmal angebracht. «Wir haben nichts zu verlieren und können offensiver sein als alle andere Parteien», sagt Bösch.
 

«Ich traue mir die Aufgabe zu» 

Dass er aufgrund seiner Jugendlichkeit und seiner geringen politischen Erfahrung noch nicht bereit sei für das Amt als Stadtrat, lässt der Juso-Kandidat nicht gelten und sagt in Anspielung auf die Wahl Emmanuel Macrons zum französischen Regierungschef: «Wenn ein 39-Jähriger französischer Präsident werden kann, kann auch ein 20-Jähriger Stadtrat werden.» Die klassische Karriereleiter sei ein «Sachzwang», es gehe auch anders. Und: «Ich bin überzeugt, dass ich diese Aufgabe wahrnehmen könnte.»

Zwar handelt es sich bei der Kandidatur von Andri Bösch um den ersten offiziell eingereichten Wahlvorschlag der Juso in die Exekutive. Bereits 2012 kandidierte aber die damalige Juso-Exponentin Tiziana Fischer als Stadtpräsidentin – mehr als Provokation denn aus Ernsthaftigkeit. Unter «Verschiedene» gingen damals 2005 Stimmen ein. Mit diesem Resultat könnte Andri Bösch zufrieden sein. Die Ersatzwahl in den Stadtrat ist am 24. September angesetzt.
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