Als Max den Stadtpark verzückte

  • Nach seinem Tod wurde Max präpariert und steht heute im Foyer des Naturmuseums.
    Nach seinem Tod wurde Max präpariert und steht heute im Foyer des Naturmuseums. (Bild: Michel Canonica)
13.07.2017 | 05:18

PELIKAN ⋅ Stolze 18 Jahre lang lebte Pelikan Max in der Voliere im Stadtpark. Der Wasservogel war zu Lebzeiten eine stadtbekannte Attraktion – und ist auch 50 Jahre nach seinem Ableben nicht aus St.Gallen verschwunden.

Luca Ghiselli

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Manchmal fördert nur eine einzige Erinnerung beinah Vergessenes wieder zu Tage. So ist das auch mit Max, dem Pelikan aus der Voliere im Stadtpark. Weil die Sanierung der Voliere in den vergangenen Monaten immer mal wieder Gesprächsstoff bot, erinnerte sich ein älterer Leser an den berühmten Vogel, suchte im privaten Fotoalbum nach Bildern des Pelikans und wurde fündig.

Max ist eigentlich Deutscher. Im Januar 1947 gelangte er als Schenkung einer Frau Heitz von der Voliere Konstanz nach St.Gallen, wo ihn die Voliere-Gesellschaft unter ihre Fittiche nahm. Damals war er noch nicht alleine – ein zweiter Pelikan leistete ihm einige Jahre lang Gesellschaft. Als dieser dann aber früh verstarb, war Max fortan der grosse Star der Voliere. Eine Attraktion für Jung und Alt, ganze Schulklassen erfreuten sich an dem Wasservogel, und erlaubten sich auch den einen oder anderen Streich mit ihm.

Sieben Kilogramm Weissfische pro Tag

Auch Christian Müller, Präsident der Voliere-Gesellschaft, erinnert sich an den Vogel. «Wer, wie ich, zu dieser Zeit in St.Gallen aufgewachsen ist, erinnert sich an Max», sagt er. Die Fütterungen des Pelikans seien jeweils ein grosser Höhepunkt gewesen, dem er regelmässig mit seiner Grossmutter beiwohnte. «Max frass pro Tag bis zu sieben Kilogramm Weissfische», erinnert sich Müller. Nach jedem Tauchgang war der Vogel jeweils tropfnass und liess sich mit ausgebreiteten Flügeln in der Nachmittagssonne trocknen. Heute wäre es undenkbar, einen Pelikan in der Voliere im Stadtpark zu halten. «Erstens sind wir ohnehin platzmässig am Limit, und zweitens gehört ein solcher Vogel auch nicht unbedingt nach Mitteleuropa», sagt Müller. Zudem wäre die Haltung von Pelikanen auch eine Kostenfrage: Die Einzelhaltung von Pelikanen ist heute nämlich nicht mehr erlaubt.

Wie beliebt Pelikan Max war, zeigt der «Tagblatt»-Artikel zu seinem Ableben. Am 16. April 1963 titelte die Zeitung: «Pelikan Max, der Liebling der Parkbesucher, ist nicht mehr». Wie alt der Pelikan genau wurde, war schon damals unsicher, weil nie vermerkt wurde, in welchem Alter er von Konstanz nach St.Gallen kam. 18 Jahre lang lebte er jedenfalls im Stadtpark, und krank war der Vogel bis zu seinem letzten Tag nie. Vermutlich ist Max an Altersschwäche gestorben. Im Zeitungsartikel von damals wird die Szene wie folgt geschildert: «Als er am 25. März wieder einmal über seinen Weiher schwamm und zum altgewohnten Flug aufs Mäuerchen ansetzte, da hatte er plötzlich nicht mehr genug Kraft in seinen Schwingen; er fiel ins Wasser zurück und war, wie vom Schlag getroffen, sofort tot.»

Ein Ehrenplatz neben der Kaffeemaschine

Nach anfänglicher Trauer um den gefiederten Publikumsliebling ging es nicht lange, und die Voliere-Gesellschaft bemühte sich bereits um einen Nachfolger. Nachfragen bei den Zoos in Zürich und Basel wurden in Aussicht gestellt. Dazu kam es aber nicht, Max sollte der erste und letzte Pelikan im Stadtpark bleiben.

Ganz aus der Stadt ist der Wasservogel aber auch nach seinem Ableben nicht verschwunden. Er wurde fachmännisch präpariert und steht seit über 50 Jahren im Naturmuseum. Wer also nicht alt genug ist, um sich an den lebenden Max zu erinnern, kann den Vogel im Naturmuseum im Neudorf bewundern. Und zwar gleich neben der Kaffeemaschine im Foyer des Neubaus.

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