Rares und Antikes aus der Confiserie

  • Förmchen und Schälchen aus alten Zeiten: Die Confiserie Pfund verkauft vor der Schliessung allerhand Zubehör.
    Förmchen und Schälchen aus alten Zeiten: Die Confiserie Pfund verkauft vor der Schliessung allerhand Zubehör. (Bild: Roger Berhalter)
17.03.2017 | 06:42

ST.GALLEN ⋅ Es ist mitten am Nachmittag, in der Confiserie Pfund am Marktplatz herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Eigentlich ist das Geschäft schon seit Anfang Jahr geschlossen, doch diese Woche hat die Confiserie noch einmal drei Tage lang geöffnet.

Roger Berhalter

Es ist mitten am Nachmittag, in der Confiserie Pfund am Marktplatz herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Eigentlich ist das Geschäft schon seit Anfang Jahr geschlossen, doch diese Woche hat die Confiserie noch einmal drei Tage lang geöffnet.

«Raritätenverkauf» steht von Hand geschrieben im Schaufenster. Marlis und Christian Pfund, die das Geschäft in der fünften Generation führen, verkaufen noch bis Samstag Utensilien aus ihrer Backstube, deren Geschichte bis auf das Jahr 1860 zurückgeht. Es sind nicht nur Raritäten, sondern auch Antiquitäten. «Vieles davon haben wir in den letzten 30 Jahren nicht mehr selber benutzt», sagt Marlis Pfund.

 

Im Schaufenster stehen Korbflaschen, die früher mit Himbeer­sirup gefüllt waren. Es gibt Bottiche, in denen einst Kirschen eingelegt wurden. In einem Regal liegen metallene Trichter, mit denen früher Zucker geformt wurde. «Ein schönes Handwerk», seufzt ein Kunde, als er all das Backzubehör sieht. Wie so viele an diesem Tag, wünscht er Marlis Pfund alles Gute. Viele Kunden schauen noch einmal vorbei, um sich zu verabschieden. Eine Stammkundin erzählt von einem Bekannten, der einen traurigen Tag hinter sich habe, «weil er den letzten Pfundstein gegessen hat». Die sechseckigen, ähnlich wie Gewichtssteine geformten Schokoladenpralinés waren die Spezialität des Hauses und weit herum bekannt.

Es gibt Aufsätze für Spritzsäcke in allen Formen, Schälchen in ­allen Grössen, Coupegläser, Tortenplatten, Ausstechformen, Konfektschächteli. «Hät schono schöni Sache», sagt ein älterer Mann zu seiner Frau. Das meiste ist allerdings schon weg. Gestern Morgen erlebte die Confiserie einen Riesenandrang. «Die Hasenformen waren schon nach fünf Minuten verkauft», sagt Marlis Pfund. Die Verkaufstheke und die Auslage im Schaufenster, am Morgen noch gut gefüllt, waren bis zum Nachmittag schon fast leer.

 

«Gluscht uf ä feins Vermicelle?»: Ein Täfelchen wirbt weiterhin für Dessert – als wäre das Café noch immer geöffnet. Auf einer Bank liegen Frauenzeitschriften und Kinderbücher, auch die Kasse ist noch in Betrieb. «Es ist noch alles da, wir könnten morgen wieder eröffnen», sagt Marlis Pfund.

Doch nach dem Raritätenverkauf schliesst die Confiserie endgültig. Das Ladenlokal wird aber nicht lange leerstehen. Man habe viele Anfragen von interessierten Mietern erhalten, sagt Pfund. ­Einiges sei «am Tun», aber noch nichts spruchreif. Klar ist nur eines: Die Pfundsteine sind Geschichte.

 

Roger Berhalter

roger.berhalter

@tagblatt.ch

Raritätenverkauf
Heute Freitag und morgen Samstag, 9–12 und 14–17 Uhr, Confiserie Pfund, Marktplatz 10

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