KIFFEN

Legale Hanfprodukte boomen

Immer mehr Geschäfte in der Stadt bieten das legale Hanfprodukt Cannabidiol an. Wer es konsumiert, wird davon nicht high. Weil es aber kaum von Cannabis zu unterscheiden ist, stellt es die Polizei vor Herausforderungen.
16.03.2017 | 06:39
Luca Ghiselli

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Das Ladenlokal an der Metzgergasse 21 ist stilvoll eingerichtet: Weisse Wände, Scheinwerferspots an der Decke, eine kleine Ladentheke. Abgesehen vom ­Namen, «Royal Green», deutet kaum etwas darauf hin, dass hier seit Mitte Februar nicht mehr Kleider, sondern Cannabidiol-Produkte verkauft werden. Cannabidiol (CBD) ist weder optisch noch vom Geruch her vom konventionellen, hierzulande illegalen Cannabis zu unterscheiden. Im Gegensatz zur verbotenen Substanz ist darin aber kaum THC, also jener psychoaktive Wirkstoff enthalten, der Cannabis-Konsumenten berauscht.

Ein Kurierdienst bringt das CBD nach Hause

«Royal Green» ist eines von vier Geschäften, das die Produkte anbietet. «Wir erleben derzeit einen regelrechten Boom», sagt Inhaberin Stoja Bogicevic. Ihre Kundschaft sei sehr heterogen, es kämen bei weitem nicht nur Junge. «Gerade gestern hat eine ältere Dame bei uns eingekauft», erzählt sie. Man habe sich mit dem Auftritt und der Einrichtung auch bewusst vom Image eines «Kifferladens» emanzipieren wollen, um auch ältere Kunden anzusprechen. Generell seien die Rückmeldungen von Kunden und der Nachbarschaft durchs Band positiv gewesen. «Es spricht sich ­immer mehr herum, dass CBD nichts Gefährliches, sondern ein wertvoller Stoff ist», sagt Bogicevic. Er helfe, sich zu entspannen. Kommenden Samstag wird das Ladenlokal nachträglich feierlich eröffnet. Sie hat damit Grosses vor: «Wir haben 365 Tage im Jahr geöffnet. Und wir bieten auch einen Kurierdienst an, der das Produkt jeweils von 11 bis 22 Uhr zu den Kunden nach Hause ­liefert.

Sichergestelltes Hanf muss im Labor analysiert werden

CBD, das seit Sommer 2016 in der Schweiz legal vertrieben werden darf, stellt die Polizei vor neue Herausforderungen. Weil der legale Stoff von seinem illegalen Pendant kaum zu unterscheiden ist, wird er jeweils bei Kontrollen a priori sichergestellt. Erst eine Analyse im Labor gibt dann Aufschluss. Liegt der THC-Wert des Hanfs unter einem Prozent, erhält die kontrollierte Person das Produkt zurück. Liegt er über dem gesetzlichen Schwellwert, wird das Gras konfisziert und es kommt zu einem Strafbefehl. Der Konsument muss dann auch die Kosten für den Labortest berappen. Dieser beträgt 150 Franken. Gemäss Angaben der Kantonspolizei wurden in diesem Jahr zwischen einem und zwei Dutzend solcher Tests durchgeführt. «Da der Konsument meist weiss, was er raucht, wird er es in der Regel zugeben, wenn es Drogenhanf ist», heisst es bei der Medienstelle der Kantonspolizei auf Anfrage.

Auch bei der offenen Jugendarbeit des Jugendsekretariats ist CBD ein Thema. «Wir haben im Gespräch mit jungen Erwachsenen festgestellt, dass sie sehr gut informiert sind über das Produkt», sagt Abteilungsleiterin Andrea Thoma. Die Jungen wüssten über die rechtlichen Grundlagen und die Wirkung sehr gut Bescheid. Beunruhigt ist man deswegen bei der Jugendarbeit aber nicht. «Wir wollen das Produkt keinesfalls verharmlosen», betont Thoma. Dennoch sei es angebracht, zunächst zu beobachten und abzuwarten, wie es sich entwickelt. Denn selbst die Inhaberin von «Royal Green» ist überzeugt: «Der Hype wird auch wieder abklingen.»

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